Zufallsbefunde

Sonntag, 25. Oktober 2009

In Großmutters guter Stube

Liisa und Kaltmamsell verlinken auf sie, für mich ist es mein Soundtrack seit Wochen, in guten wie in schlechten Tagen. Verblüfft sehe ich, von allen denkbaren Orten ist er ausgerechnet unter dem gehäkelten Lampenschirm der rumänischen Oma entstanden:



Fast schon ein alter Hut, trotzdem verweise ich Freunde des Genres außerdem hierauf.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

...

Sie schauen immer noch vorbei, obwohl hier kaum noch was passiert? Treue will belohnt werden. Da ich aus logistischen Gründen keine Nackenmassage anbieten kann, nehmen Sie sich ein Glas guten Wein in die linke Hand, legen Sie die Beine hoch, klicken Sie hier und bewegen Sie einen beliebigen Finger der rechten Hand rhythmisch über das Touchpad.
Und schaun Sie mal wieder rein.

Freitag, 25. September 2009

Nachtrag...

... hierzu.

Yeaahh!!!

(Für Berliner und Bewohner des Hinterlandes: Rote Flora, Hamburg, Schanze.)

Samstag, 6. Juni 2009

Drunk Blogging

Nach dem Freitagsritual mit tollen, tollen Mädels in der fabelhaften neuen Weinbar in der Altstadt mit eigentlich zuviel Promille im Auto, aber hier ist kein Rechtsstaat, manchmal ist das gut, falls mich die Polizei anhält, klimpere ich mit Wimpern und sage, ich arbeite für Dr. Boss, mich leicht und frei und reich gefühlt. Die Geschichte mit dem Boss und der Weinprobe fiel mir ein. Wie ein Weingut an ihn herangetreten ist, weil man einem Wein einen Namen geben wollte, den der Boss für unsere Klinik hat schützen lassen, und der Boss sagte, da muss ich erstmal zur Weinprobe kommen. Gern, sagten die, was immer Sie möchten, unser Keller steht ihnen zur Verfügung. Und der Boss sagte, nein, ich probiere nur eine Sorte. Ich komme mit meinem Bruder, und wir trinken zu zweit eine Flasche und unterhalten uns über alles mögliche. Wir machen die nächste Flasche auf und dann die nächste und sehen, wohin das Gespräch führt. Kindheit, Frauen, diskutieren wir über Politik, philosophieren wir, fangen wir an zu singen, singen wir fröhliche oder traurige Lieder, oder macht uns der Wein aggressiv und wir fangen an zu streiten? Wir trinken die halbe Nacht, morgens stehen wir früh auf und gehen joggen. Waren die Gespräche gut und schmerzt der Kopf nicht, taugt der Wein etwas. Dann verabreden wir uns für die nächste Sorte. So geht Weinprobe.

Wir hatten guten Wein, Glückswein, es war warm, die Band spielte Jazz, was ein Glück, dass wir uns gefunden haben in dieser absurden Republik, dass wir uns gegenseitig klug und witzig und liebenswert finden, wie gut alles passt, wir haben fabelhafte Jobs, wir schaffen Jobs, wären wir in London oder New York geblieben, wir hätten alles verloren in der Finanzkrise, sagen sie, und uns nie kennengelernt. Wie gut wir leben und wie abwegig das eigentlich ist, in diesem bettelarmen Land, von dem zu Hause kein Mensch je gehört hat. Herr Nachtschwester verliert in Deutschland gerade seinen Job, kann er ja herkommen. Morgen früh fahre ich ans Meer, es wird sonnig, dem steht überhaupt nichts im Wege, wenn der Kopf nicht schmerzt.

Sonntag, 31. Mai 2009

Autsch

Heute beim Lesen eines Blogtextes verdutzt gedacht, hab ich das geschrieben, die liest sich ja wie ich, das könnte von mir sein! Einer kommentierte, sie solle diese peinliche pseudopoetische Geschwurbel doch lassen, er schaetze ihr Blog sonst sehr.

Montag, 25. Mai 2009

Ein Land durchqueren im zweiten Gang

Kommen Sie nach Budva, essen Sie im Knez. Das Knez ist eine One-Man-Show in der Altstadt, der Herd steht im winzigen Gastraum mit drei Tischen, in der engen Gasse stehen noch mal zwei. Der Chef kocht und bedient. Frische Minze am Salat. Fabelhaft gewürzter Fisch. Groß.

P1020526

Ein paar Tage am Meer, war schön, irgendwelchen Postkartentext sich an dieser Stelle bitte selbst denken.

Viel mehr der Rede wert war die Fahrt dorthin. Die Straßen seien gar nicht so schlecht in Albanien, sagen Mitarbeiter, die schon mal zur montenegrinischen Küste durchgefahren sind. Jedenfalls nicht schlechter als im eigenen Land.

Hinterher nachgefragt war immer die Rede von anderen Strecken. Kann sein, dass wir mit einer groben Osteuropakarte, die auf unserer Route nur zwei albanische Ortschaften verzeichnete, ein bisschen naiv an die Sache herangingen, aber wir waren entspannt und ohne Termine und ausnahmsweise bereit, einen Weg als Ziel zu betrachten. Dennoch verblüfft, wie abrupt Straße und 21. Jahrhundert direkt hinter dem Grenzübergang abbrechen, selbst im Verhältnis zum Kosovo, von dessen Grenze hier die Rede ist. Die nächsten Stunden schlingerte ich das Pferdchen auf der teils noch nicht mal geschotterten Piste um Schlaglöcher herum, in denen Kinder schwimmen lernen könnten. Wackelige Holzbrücken. Frauen, die mit Wasserkanistern beladene Maultiere zu uralten Steinhäusern trieben. Bauern, die Wiesen mit der Sense mähten. Kinder, die uns von hohen Heuhaufen aus zuwinkten. Einmannbunker. Winzige Ansiedelungen, in denen uns Bewohner grüßten und Kinder hinterher liefen. Sensationelle Gebirgslandschaften. Das Gefühl großer Fremdheit. Ich weiß nicht viel über dieses Land, mal ein bißchen Kadare gelesen, dann den halben Kanun, dann sowas, die Türken kamen erst später, das ist Skanderbeg zu verdanken, die Italiener waren da, der Süden ist muslimisch, der Norden katholisch, das ist alles. Zu wenig fotografiert.

Bunker

Schließlich, ein Gewitter brach los und es wurde dunkel, nach einer halsbrecherischen Schlitterei eine steile, löcherige, kurvige Schlammpiste Richtung Kukes hinunter, tauchte plötzlich ein brandneues kleines Hotel an der Piste auf. Im Erdgeschoss eine Bar, alle Tische mit Männern besetzt. Stuck und Kitsch, Deckengemälde und Kronleuchter. Etwa wie das Cesar´s Palace in Vegas. Oder das Wüstenzelt aus der unglaublichen und traurigen Geschichte der unschuldigen Erendira und ihrer herzlosen Großmutter, surreal und fantastisch. Die Theke diente auch als Rezeption, ein magerer, beflissen deutsch sprechender Albaner führte uns in den ebenso pompösen Hotelteil und schloß ein Zimmer auf, ließ uns dann sich entschuldigend in Flur stehen, er müsse erst das Aggregat anstellen, es gebe hier kein Stromnetz. Erschien wieder, nun hatten wir Licht. Das Zimmer war sauber, achzehn Euro. Hier ist nur ein Klo, sagte der Begleiter. Wo ist die Dusche? - Dusche ist auch da, sagte der Albaner. Nein, ich meine, wo ist die Dusche? - Da ist Dusche, sagte der Albaner und zeigte auf den Brausekopf über der Toilette. Ach da. Der Fernseher funktioniere zwar technisch, leider habe man hier keinen Empfang.

Nach einer weiteren Fahrtstunde am nächsten Tag kam eine Art Straßenbelag zum Vorschein, wie wir ihn kennen. Es handelt sich hierbei um eine wichtige Überlandverkehrsader. Wir hätten an dieser Stelle z.B. eine A3.

Straße

Die Straße schraubte sich ins Gebirge hoch, eine fabelhafte Cabriostrecke, wären nicht die Löcher. Links die Felswand, rechts Panorama und Abgrund. In einer Haarnadelkurve parkte über einem besonders großen Schlagloch ein Mercedes, häufigste Automarke übrigens, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Eine Gruppe Menschen stand am Abgrund. Eine Frau trug Blumen. Danach fiel mir alle paar hundert Meter einen Grabstein am Straßenrand auf. Autoabstürze, dachten wir, später gelesen, es handele sich dabei um Opfer der Blutrache.

Zapfsäule

Bushäuschen

Mitten im Nichts auf irgendwelchen Passstraßen nichts Gutes ahnend von Polizisten gestoppt werden, die dann in ihrer Einöde bloß ein paar freundliche Sätze wechseln wollten. Ein ganz erstaunlicher Tag, an dessen Ende die Uhr bloß 200 zurückgelegte Kilometer anzeigte.

Montag, 13. April 2009

Unheil

Vorgestern mit Taxi Hund überfahren. Ein graugelber Streuner, mindestens so groß wie ein Golden Retriever, döste vor meinem Exilwohngebäude in der Sonne. Der Taxifahrer bog in die Einfahrt ein und fuhr einfach drüber. Setzte immerhin einen ganzen Meter zurück, nachdem es unter dem Wagen laut wurde. Der Hund humpelte auf drei Beinen fürchterlich jaulend davon. Ich konnte mich vor Schreck nicht rühren. "Wieso haben Sie das gemacht?!" - "Nicht gesehen", brummte der Fahrer achselzuckend. Kann nicht sein. Als ich ausstieg, liefen zwei wütende Frauen aus dem Haus, um den Fahrer zu lynchen. Fahrer entkam. Den Hund heute wieder auf vier Beinen gesehen, jedenfalls will ich glauben, es war derselbe.

Gestern meine Putzfrau gefeuert. Zu viele Grenzüberschreitungen, zu lange geduldet, zu viel von meinem Parfüm verbraucht. Außerdem bin ich jetzt mit der International Desperate Housewives Association vernetzt, die ihre Haushaltshilfen mit Referenzen versehen und gern weiterreichen und habe schon was Neues im Auge. Sie weinte und bettelte. Was soll sie jetzt ihrem Mann sagen? Ich fühle mich im Recht und doch so ähnlich wie bei dem Hund.

Heute abend drei Polizeiwagen in der Straße, Polizisten tragen von irgendwo hergeschenkte schusssichere Westen mit der albern fremdsprachlichen Aufschrift "Police". Sie winken den friedlichen Wohngebietsverkehr mit Kalaschnikows vorbei, sonst ist alles wie immer, Linden und Flieder blühen, Kinder spielen, Menschen tragen ihre Einkaufstüten an den Schießbereiten vorbei, kein Grund ersichtlich, keine Absperrung. Hätte gern gefragt was das soll, war aber eingeschüchtert von der AK47 im Anschlag. War mir gleich suspekt, als ich vor einer Weile las, dass die Landespolizei Brandenburg hier ausbildet.

Morgen mal sehen.

Montag, 6. April 2009

Desperate Housewives

Ohne aktives Zutun, ein bisschen durch Xing, ein bisschen durch Freunde von Freunden in Deutschland, finde ich mich in so einem Zirkel von Expatriates wieder, das habe ich vorher nicht vermisst, aber es tut gut, sich mal auslassen zu können über den Dreck und die Inkompetenz und die Unzuverlässigkeit und den Dreck hatte ich schon, ohne Sorge, damit Nationalgefühle der einheimischen Freunde zu verletzen. Die mir allerliebste Schwedin, die in London einen Australier geheiratet hat, der nun hier eine Schweizer Bank managt, verlor ihren Marketingchefposten bei einem hiesigen Milchkonzern, als dieser durch politische Intrigen und Verstrickungen feindlich übernommen wurde und ist Expertin in dieser absurden kleinen Volkswirtschaft. Sie organisiert Mädels-After-Work-Events, und dabei erfuhr ich staunend, dass die anderen Südafrikanerinnen, Britinnen und Belgierinnen am Tisch sich aus dem Internationalen Frauenclub dieser Stadt kennen, der seine Treffen mittwochs vormittags um zehn abhält und dass die Überschrift After Work für unsere Freitagsfrühabendstreffen eigentlich nicht zutrifft, da außer mir keine arbeitet.

Mit offenem Mund hörte ich von Mahjongg- und Bridge- und Yoga- und Krabbelgruppen und vom Ärger mit Hausangestellten und dass das Networking, das im Frauenclub stattfinde, die Karrieren der Gatten immens vorantreibe, letzteres durchaus defensiv vorgebracht. Der Club unternimmt brauseschlürfende Busausflüge zum einzigen echten touristischen Ziel im Land, der magischen Stadt, die schönsten Gegenden kennt er nicht. Am Tisch sassen nette, polyglotte, garnicht doofe Paarunddreißigerinnen, die ihre Jobs in London, München, Kapstadt aufgegeben haben, um in der hässlichsten Stadt auf den Kontinent Gattin und vielleicht noch Einzelkindmutter zu sein, letzteres mithilfe einer Vollzeitbabysitterin, abwechselnd zu Kosmetik, Friseur und Pediküre zu gehen und sich einzureden, sie feilten in der internationalen Kochgruppe an der Karriere ihrer Ernährer. Ich wusste ehrlich nicht, dass es solche Lebensentwürfe noch gibt, gut, dass meine Großmutter das nicht mehr erleben muss.

Donnerstag, 2. April 2009

April

Heute erstmalig den Frühlingseintritt wahrgenommen, in Gestalt der alten Frau mit Rosenmusterkopftuch, die wieder auf ihrem Klapphocker vor dem kleinen Supermarkt Blumen aus ihrem Garten verkauft, die am nächsten Tag schon welk sind, es ist Saison für Narzissen, Traubenhyazinthen und Ginster. Die Supermarktmitarbeiter befüllen ihre Blumeneimer freundlich mit Wasser, und da wird sie wieder drei Jahreszeiten lang jeden Tag sitzen, Schwätzchen halten, Nachbarn beobachten und Blumen verkaufen, bis der Garten im November nichts mehr hergibt. Als ich heute am Supermarkt vorbeiging, trollte ein zerzauster Straßenköter zu ihr hin, und mit einer herzerwärmenden Geste nahm sie ihre Narzissen aus dem Eimer, schob ihn dem Hund zu und ließ ihn Wasser schlabbern. Ich habe es noch nie gesagt - ich fühle mich hier gut aufgehoben.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Herzensbrecher

Vorgestern kam im staatlichen Fernsehen ein emotionaler Bericht über Haustiere, die zur Zeit in England angeblich massenhaft in Tierheimen landen, weil ihre Besitzer sie infolge der Wirtschaftskrise nicht mehr unterhalten können.

Angesichts tausender herrenloser Hunde und Katzen in der Stadt und nicht vorhandenem Tierschutzgedanken bei Bevölkerung und Institutionen - man ist schließlich mit der Existenzsicherung der menschlichen Spezies noch lange nicht fertig - stellt sich die Frage nach der Zielgruppe, die hier Mitleid für britische Welpen empfinden soll.

Gestern war ich allein im Park unterwegs, während meine Bezugspersonen mit ihren Familien bei Kohlrouladen am Weihnachtstisch saßen, und lieferte mir eine Schneeballschlacht mit diesem netten Kumpel hier, der auch niemanden zum Spielen dabei hatte.

Streuner2

Ist das nicht ein Herzensbrecher? Er folgte mir über eine Stunde, leckte meinen Handschuh, rannte meinen Schneebällen nach und steckte an einer Stelle die Nase in den Schnee, grub eine McDonalds-Papiertüte aus und legte sie mir vor die Füße. Fast hätte er mich hingeschmolzen. Sie nicht mit nach Hause zu nehmen ist noch schwerer, wenn man weiß, dass es nachts minus 16 Grad werden.

Tagesdosis

Liebste Nachtschwester, durch...
Liebste Nachtschwester, durch beruflichen Aufenthalt...
Markus (Gast) - 4. Nov, 23:31
Ein Hoch auf glutvollen...
Ein Hoch auf glutvollen Schwung! Miss Platnum ist prima.
Au-lait - 3. Nov, 13:32
Das Hirn regelt vieles,...
Das Hirn regelt vieles, aber nicht alles. Ich wünsch...
Etosha (Gast) - 2. Nov, 17:48
Gegen Wien wäre...
Gegen Wien wäre überhaupt gar nichts einzuwenden!...
nachtschwester - 27. Okt, 20:17
Also Wien ...
ja, das wäre nett. Falls der Job nicht so toll...
sokrates2005 - 27. Okt, 19:23
Frau Nachtschwester,...
Frau Nachtschwester, ich bin mir sicher, sie werden...
nina (Gast) - 27. Okt, 16:55
In Großmutters...
Liisa und Kaltmamsell verlinken auf sie, für mich...
nachtschwester - 26. Okt, 23:28
Genial!
Genial!
chSchlesinger - 26. Okt, 23:02

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