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Kuraufenthalte

Mittwoch, 7. Januar 2009

Weiterhin Frohe Feste!

Gegrillter Octopus, in einer Kasserolle mit ofengegarten kleinen Kartoffeln mit Schale, grünen Paprikastreifen, Kräutern und Olivenöl, herrlich nach all dem Gänsebraten und Rotkohl, in einem fensterlosen Restaurant mit Fliesen bis zur Decke und einem mit Seewasseraquarien voller winkender Hummer fast zugebauten Eingang, aber der Begleiter sagte, was heißt hier nicht schön, das ist authentisch, bloß Portugiesen hier, schön kannste in Hamburg jeden Tag haben.

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Lissabon war ein sonnenglänzendes, warmes, entspanntes, fabelhaftes Refugium vor der glühweinklebrigen Weihnachtshektik vor den Feiertagen in Deutschland, die beste Idee seit langem. Leider weiß ich nichts über Portugal außer Kolumbus, Galao, Algarve, Madredeus, Fado, Salezar und Nelkenrevolution und ich verstehe die Sprache nicht. So erschloss sich auch nicht der Sinn zahlreicher Umzüge, die uns begegneten und díe augenscheinlich im Zusammenhang mit dem nahenden Weihnachtsfest standen. Bei dieser polizeibegleiteten Weihnachtsmann-Demo wurden Transparente geschwenkt und Parolen skandiert. Mehr Geld für diese selbstlose, ausgebeutete Berufsgruppe?

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Unten sehen Sie den portugiesischen Christstollen:

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Sie sind längst dabei, die Festtage mit dem alljanuärlichen Diät-und Sportprogramm ungesehen zu machen und fragen sich, was redet sie da noch? Wenn man sich aber zwischen den Jahren von West- nach tief ins orthodoxe Südosteuropa bewegt, läuft man eine Endlos-Weihnachtsschleife und geht die Jingle-Bells-Beschallung in Restaurants und Einkaufszentren nahtlos weiter. Heute und morgen ist Weihnachten nach dem julianischen Kalender, sehr weiße Weihnachten übrigens. Leider haben sich auch hier weihnachtsmarktähnliche Strukturen eingeschlichen, ganz ärmliche Buden mit Lametta und Deko-Glitzerkram Made in China.

Ein Frohes Neues Jahr allen hier Mitlesenden. Das ist aus meiner Perspektive nicht verspätet, denn das julianische Neujahrsfest kommt erst noch. Wenn ich Ihnen einen Neujahrsvorsatz aufdrängen darf, fahren Sie 2009 nach Lissabon. Ich könnte ein Hotel empfehlen.

Mittwoch, 26. März 2008

Ursprüngliches

Während man in Westeuropa in zentral beheizten Wohnküchen kommod Hefestuten frühstückte und danach Ostereier suchte, habe ich letztes Wochende die allerarchaischsten Erfahrungen gemacht, die man als Großstädterin der ersten Welt nur machen kann.

Freitag nach der Arbeit drei Stunden entlang immer kurvigerer, schmalerer und schlechterer Straßen, die immer öfter erst von Gestein freigeräumt werden mussten, das rechts und links von ungesicherten Steilhängen herunterlawinte, durch immer schwärzere Dunkelheit nach ein paar Erbrechensstops im Haus der Großmutter meiner Freundin V. angekommen. In einem Geisterdorf an einem Hang auf 1200 Meter Höhe, umgeben von doppelt so hohen Bergen. Nur im Sommer kommen die Erben der früheren Bewohner noch als Sommerfrischler her.

Schloss, Sicherungen, Gas- und Wasserhahn konnten in surrealer Nachtschwärze mithilfe von leuchtenden Smartphonedisplays gefunden werden. Danach gelang es auch, die einzige Heizgelegenheit des Hauses, einen alten Küchenherd, mit Holz zu befeuern und Tee aus Kräutern zu kochen, die V.s Großmutter im Sommer selbst gesammelt hatte. Vanja Lazarova sang aus dem Laptop, irgendwas Hausgebranntes war auch da und erfüllte zusammen mit der speziellen Romantik der Szene wärmend meine Brust,

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bis ich gegen zwei unter drei Decken vor Kälte schlotternd aufwachte. Draußen pfiff Wind und heulten Hunde oder Wölfe oder Bären, und aus dem Fenster sah ich nur schwarz. Mit weiteren Socken, Pullis und Mütze wieder hingelegt.
Morgens in Erwartung heißen Kaffees auf dem Herd und warmen Wassers im Boiler mein Bett trotz ungünstiger Umgebungstemperatur verlassen, um zunächst durchs Fenster zu knipsen

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... und danach V. schlotternd und rauchend in der verqualmten Küche vorzufinden, strähnigen Haars und mit vielen Pullis ihres Mannes M. behangen, bar jeder Hauptstadteleganz, auf dem Boden um sie herum Asche, Streichhölzer, Zeitungspapier und Holz. "Ich krieg seit zwei Stunden Herd nicht an", wimmerte sie. "er raucht nur, von draußen bläst es in den Abzug. Strom haben wir auch keinen und M. ist früh in die Berge und hat kein Netz." Nach einem weiteren Zündversuch musste ich die Haustür öffnen, um das Kohlenmonoxid hinauszulassen. Vor dem Gartentürchen lag in eisigem Wind behaglich zusammengerollt ein Dorfköter und lächelte mich mitleidig an.

Wir kochten Zahnputzwasser und Kaffee mit Gas. M, der schließlich inadäquat euphorisch vom Berg zurückkam, schaffte es, den Herd anzufachen und ödete mich den Rest des Wochenendes mit Triumphbezeugungen an, das schwache Geschlecht, ohne den Mann verloren, obwohl es doch entwicklungsgeschichtlich schon immer für den Herd verantwortlich war. Na und, du hast auch keinen toten Hirsch auf den Schultern mit nach Hause gebracht, obwohl du entwicklungsgeschichtlich schon immer.... Geh doch nach Deutschland und heirate die Herman. Wenn du ein Visum kriegst, haha, und mit dem Herd kommt die auch nicht weiter.

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Der Sonntag zeigte sich freundlicher, schmolz den Schnee und ermöglichte ein Frühstück im Freien. Der Dorfköter, wir nannten ihn Buto, freute sich sehr über Käsebrot mit Mayo und begleitete uns überall hin. Ein schönes Tier, das dem unermüdlichen Einsatz zum Schutz hilfloser Großstädter gegen wilde Tiere und albanische Waffenschieber bereits sein rechtes Ohr geopfert hat.

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Dass Buto lebt, allein, im Winter im Freien, mit glänzendem Fell und keineswegs mager, wo wir kaum in einem Haus zurechtkommen, das noch die vorletzte Generation für perfekt eingerichtet hielt, macht mich sehr nachdenklich.

Sonntag, 20. Januar 2008

Sonntagspaziergang

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Montag, 1. Oktober 2007

Sturmnächte

Ich ging frühmorgens aus dem Haus und über die Straße zum Auto. Es hatte geschneit. Gegenüber belud ein Handwerker seinen Kombi, daneben stolperte ich beinahe über ein Tier. Ein nackter Hund, ohne Fell, ockerfarbene Velourshaut, lag im Schnee und bewegte sich nicht. Als ich mich hinkniete, versuchte er, den Kopf zu heben. Er hat kein Fell, er ist halberfroren, dachte ich, machte die Jacke auf, hob ihn hoch, drückte ihn an mich und brachte ihn hoch in die warme Wohnung.

Das ist nicht dein Ernst, korrigierte ich mich im Traum. Noch mal von vorn. Leg den Hund wieder hin. Womöglich erfriert er gar nicht, er ist Zwischenwirt einer hochvirulenten neuen Seuche. Du nimmst ihn in den Arm voller alberner Kleinmädchentierliebe und hinterher hast du den Salat. So nicht. Geh zum Auto, hol die Rettungsdecke aus der Tür, nimm den Hund damit hoch, leg ihn drauf und deck ihn zu. Fass ihn nicht an. Dann hoch in die Wohnung, da ist doch noch der Sack mit den ausgemisteten Handtüchern in der Abstellkammer, nimm zwei große, zieh Handschuhe an, geh zum Hund und pack ihn darin ein. Dann ruf die Polizei. Die Polizei? Quatsch. Einen Tierarzt. Nein, das Tropeninstitut erstmal nicht. Oder doch das Tierheim?

Später wechselte ich in einer brasilianischen Werkstatt den Zahnriemen meines real existierenden Wagens. Das erforderte noch mehr korrigierte Arbeitsabläufe als das Hundretten. Allerdings unterhielt ich mich währenddessen fließend portugiesisch mit einem glutäugigen Mechaniker. Das ging korrekturlos, weil ich im wahren Leben von Portugiesisch noch weniger verstehe als von Zahnriemen.

Später stellte ich den Handywecker aus, weil der Großherzog gerade eine Rede hielt. Im Festsaal. Alle trugen Abendrobe, ich ein taubenblaues Ballkleid, Gott war das peinlich, ausgerechnet mein Handy klingelte.

Später war draußen immer noch Sturm. Als sich noch später die Haustür endlich wieder gegen den Wind aufdrücken ließ, ging ich ein paar Fotos machen.
 






Vorgestern in Kühlungsborn.

Sonntag, 5. August 2007

Quintessenz

Bei all der Reizüberflutung haben mich die Weltbloggerinnen am meisten beeindruckt. Und ihr amerikanisches Publikum. Es ging um die Bedeutung von Weblogs für Frauen in einem patriarchalisch geprägten Entwicklungsland (Kenia), in einem patriarchalisch geprägten reichen Nicht-Rechtsstaat (Bahrain) mit eingeschränkter Pressefreiheit, mit 3 oder 4 % Internetnutzern, und einem patriarchalisch geprägten Boom-Land mit unterentwickelter Rechtsstaatlichkeit (Indien). Die drei Bloggerinnen sprachen über Zensur und Selbstzensur, um nicht verhaftet zu werden, über Isolation und Chancenlosigkeit, darüber, wie Blogs für viele Frauen in ihrer Heimat das einzig denkbare Sprachrohr sind oder sein könnten, hätten sie Zugang zum Medium. Die Inderin berichtete von einer Bloggerin, deren Mann als indischer Verwaltungsbeamter andere Beamte wegen Korruption angezeigt hatte. Korruption sei im indischen Behördenapparat weit verbreitet. Weil kurz vorher zwei andere "Verräter" ermordet worden waren, fürchtete sie um das Leben ihres Mannes und begann, über den Fall zu bloggen. Ihr Blog erregte öffentliche Aufmerksamkeit, auch amerikanische Printmedien berichteten. Ihr Mann ist am Leben.
Eine Bloggerin aus dem Publikum berichtete von einer Reise durch Südafrika, auf welcher sie das Gespräch mit Menschen gesucht hatte, die ihr begegneten, Taxifahrern, Kellnerinnen, Zimmermädchen. Sie traf auf erstaunlich klar formulierte Meinungen zu Politik und Gesellschaft. Sie erklärte ihnen, was ein Blog ist und wollte von Juliana wissen, wie sie ihnen Zugang verschaffen könne? Schick ihnen Smartphones, sagte Juliana, Kabel gibt es nicht flächendeckend, Mobilfunk schon, und dazu diese Links: http://afrigator.com, http://voiceofafricanwomen.com/general.html, http://www.africanwomenblogs.com/. Andere Teilnehmerinnen nannten URLs ihrer Plattformen und Projektideen zur Unterstützung von Frauen in der dritten Welt.

Ich hatte den Eindruck, alle Anwesenden, ob Strick- Life- oder Mommy-Bloggerinnen, sahen sich auch als Aktivistinnen. So viele gute Ideen und schon fertige Initiativen. Und nachdem ich weiteres über Citizen Journalism und Fund Raising gehört hatte, nachdem ich anfangs noch die Five Moms-Kampagne belächelt hatte, dachte ich beschämt, da sitzen wir Deutschblogger und füllen dieses mächtige Medium mit kleinen halblustigen Episoden aus unseren Leben, während sich elftausend US-Kolleginnen in alle Richtungen engagieren, sich zusammentun und ein Wählermanifest herausgeben.

Weil man es kann, muss man mehr tun mit diesem Blogdings, als sich nur um sich selbst zu drehen, habe ich letztes Wochenende gelernt. Darauf kann man sich besinnen, wenn mal wieder über die männliche Dominanz in den deutschen Blogcharts geredet wird, man daraus "Relevanz" ableitet und Frauenblogs in den vermeintlich irrelevanten Long Tail einsortiert, dem Ort, wo übrigens auch Literatur, Kunst, Gesundheitswesen, soziale Themen und vieles mehr herumliegen.

Was habe ich noch mitgebracht? Ein Maskottchen für meine Rubrik Intensivstation aus dem Museumsshop des MCA. IMG 2080Kontakte zu fabelhaften Bloggerinnen und einer Blogher-Redakteurin. Eine kleine Werkzeugkiste mit Tools, die das Bloggen vereinfachen und beschleunigen.
Schön war´s, Stadt, Hotel, die Chemie mit den anderen Mädels, mit den US-Bloggerinnen, mit den netten Beiden von AOL, das ja nicht nur uns fünf, sondern den ganzen fabelhaften Event großzügig gesponsort hat (weil sie sich möglicherweise den langen, langen Long Tail angesehen und festgestellt haben, da überwiegen Frauen?) - alles hat prima gepasst. Wir brauchen sowas in Europa.
 
Wen´s interessiert, hier stehen die Live-Blogs von der Konferenz.
Auch ansehen: Global Voices und The WIP.

Mittwoch, 1. August 2007

Chicago die zweite

Chicago ist nicht nur eine große, sondern auch eine schöne Stadt, das wusste ich nicht, das zeigte sich bei einer architekturgeführte Bootstour auf dem grünen Chicago River.



Natürlich muss man in Chicago auch shoppen. Bei Kenneth Cole stand ein ganzes Regal voller dreihundert-Dollar Killer Heels, auf 220 $ heruntergesetzt! Elisabeth und Nachtschwester nahmen Witterung auf. Auf dem Regal ein Schild: 70% Off! Yes, additionally! sagte die Verkäuferin. Die Nachtschwester wurde nervös. In Euro: nochmal 25% weniger, additionally! Das Herz raste, die Hände zitterten. Creezy fotografierte gleich meinen glasigen Blick, aber das Bild darf sie nicht bloggen. Und dann fanden die Verkäufer den linken Schuh eines der beiden Paare, auf denen ganz klar mein Name stand und ohne die mein Leben auf einen Schlag viel ärmer erschien, im Lager nicht!

Gut, dass uns danach die beiden eigens zur Konferenz eingeflogenen sehr sympathischen AOL-Deutschland-Jungs ins unglaubliche DelaCosta ausführten. Die Karte war erklärungsbedürftig komplex. Der Vortrag des Kellners nahm kein Ende, bis einer der beiden Herren unterbrach: "Just bring the whole show!"



Die Show nahm kein Ende. Es gab die ganze Küche. Alles köstlich und nichts davon hatte irgendjemand von uns so schon gegessen. Portugiesische Karnevalsmasken und -puppen im Raum, peruanisches Sushi. Eine Toilette mit persönlichem Service und kompletter Parfümerie. bittersweet choc hat´s fotografiert. Überhaupt haben wir sehenswerte Toiletten besucht.



Das hier fand sich beim Auspacken in meiner Tasche. Da hatte jemand seine Finger in meiner Wäsche und man kann nichts dagegen tun. Meine Kenneth Coles haben keiner Beamtin gepasst, sonst wären sie weg, das steht fest!



Zum Abschied ein paar Schnappschüsse vom Flughafen O´Hare:



Morgen erzähle ich von der Konferenz. Die war bewusstseinserweiternd. Andere waren schneller: Bei BlogHer selbst, wo sich die Nachtschwester schnell registriert hat, oder hier. Vorweg: bei einer Frauenblog-Konferenz geht es auf keinen Fall um Klamotten, Strickmuster oder Kochrezepte.

Montag, 21. Mai 2007

Heldenhunde

Über die kurvige Schnellstraße längs der Sar Planina, weit ab von der nächsten Siedlung, trollten zwei Welpen. Unser Fahrer, der uns vom Kongress aus Ohrid abholen sollte, hielt an und fing sie ein, damit sie niemand totfährt.



Er wird beide großziehen. Sein alter Hund musste im März eingeschläfert werden. Darüber ist er noch nicht hinweg, denn es war ein besonderer Hund. Ein champagnerfarbener Sarplaninac von dem alten Schlag, der heute sehr selten geworden ist, nachdem ein völkerverwirrter Zuchtstandard lange in eine andere Richtung wies.

"Da ist Sarplaninac drin!" sagte respektvoll, wen immer wir auf dem Rückweg in den Karton in unserem Kofferraum sehen ließen. Wenn sie groß sind, werden sie wie diese Wildhunde aussehen, die M. auf einer seiner Bergtouren bis auf 2700 Meter Höhe gefolgt sind. Der vordere kommt dem Sarplaninac am nächsten.



Die Einheimischen lieben diese archaische Hunderasse, es gibt unzählige Legenden über sie. Der Boss hält einen Rüden in seiner Heimatstadt bei seinen Eltern, er hat Pranken und Mähne wie ein Löwe und ist groß wie ein Bär. Jahrhundertelang wurden sie von den Hirten nur mit Brot, Milch und Käse gefüttert, damit sie niemals einem Schaf etwas zuleide tun. Sie schützen bis heute die Schafherden oben in den Bergen vor Wölfen und Bären, auch wenn es heute in der Gegend viel weniger Schafe gibt. Wenn ein Sarplaninac einen Wolf stellt, kämpft er nur so lange mit ihm, bis der sich nicht mehr verteidigt. Dann nimmt er eine Pranke vom Gegner und beobachtet ihn. Bleibt er am Boden, lässt der Hund auch die zweite Pranke von ihm und trollt sich, ohne den Wolf zu töten, obwohl er es mühelos könnte. Er kennt keine Furcht, auch nicht vor Bären. Die meiste Zeit liegt er träge herum und ist freundlich zu Gott und der Welt, aber das täuscht. Nähert sich ein Mensch, der Übles vorhat - wehe ihm, denn der Hund spürt das genau. Wird ein Schaf von der Herde getrennt, lässt es der Hund nicht allein. Er bleibt tagelang bei ihm und schützt es, bis der Schäfer sie findet. Unvergessen auch der Sarplaninac des Genossen Tito, der einmal eine vom Personal unbemerkte Paketbombe aus dem Haus getragen haben soll. Er ist treu bis in den Tod, immer wieder haben Sarplaninci nach dem Tod ihres Herrn zu fressen aufgehört, bis sie selbst starben. Der Sarplaninac gilt als der bessere Mensch.
Hätte ich ein Haus mit großem Grundstück, hätte ich diesmal auf dem Rückflug einen im Gepäck.

Sonntag, 13. Mai 2007

Gipfelstürmer

Es ließ sich ganz ruhig an, das Ziel klar vor Augen:


Aber es war heiß. Und V. ist anämisch. Mit einem Hämoglobin von 9,3g/dl hat man es in der Höhe schwer, das leuchtet doch ein? Da war ich mit 13,4g/dl klar im Vorteil, konditionell sowieso, aber die Schanzenviertel-Fußuniform enttäuschte im Offroad-Einsatz und war trotz immensem Ehrgeiz im Bergsport eher hinderlich.



So waren wir Frauen hinreichend entschuldigt, um immerhin oberhalb der Baumgrenze bei einer Hütte zu rasten. Der Wirt beschallte die Bergwelt mit slawischsprachigen Eurovisions-Titeln, und zwar aus einer Hutablage mit Heckboxen.



Zwei der vier Berghütten in diesem Gebirgszug wurden im Bürgerkrieg schwer beschädigt und sind nicht mehr in Betrieb. So war es bei uns recht voll. Das Publikum bestand aus grillfleischvertilgenden und Rakija-trinkenden harten Kerlen. Bergsteigen ist hier noch echte Männersache. Allerdings waren sie nicht zu Fuß da. Hinter der Hütte standen drei Lada Nivas und ein Traktor mit Anhänger, der uns Stunden später auf dem Abstieg mit 10 Mann auf der Ladefläche überholte. M. zögerte, uns in dieser rustikalen Gesellschaft allein zu lassen, lief dann aber doch los, aufwärts Richtung Grenze zum Kosovo. Nach einem Blick in das Innere der Hütte, wo die Köchin gerade mit einem Schlauch die Bodenloch-WCs ausspritzte, beschloss ich, lieber mitgebrachte Kekse zu essen. Wir suchten uns ein nettes Plätzchen zum Sonnen und für Frauengespräche



und fotografierten die Umwelt.







Samstag, 13. Januar 2007

Alpines

Es ist mir gelungen, der globalen Erwärmung ein Schnippchen zu schlagen. Ich verbringe meine Zeit sporttreibend, mit fremden Menschen im Sessellift, im Jagerteerausch oder mit Fußkrämpfen am Pistenrand liegend.

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Was ist eigentlich neurolinguistisches Programmieren? Kann man damit, wenn man nach sportlichem Exzess am Berg im Liegestuhl vor sich hindöst, das leere Glas am Boden, und rundherum unterhalten sich ausschließlich Russen, im Halbschlaf unterbewusst russisch lernen?

Russen, die aussehen, als würden sie unter der Woche auf der Reeperbahn Pfandflaschen einsammeln, schlurfen mit riesigen Strolz-Tüten durch die Arlberg-Orte. Ihre weiblichen Accessoires sind stark geschminkt und sehr dünn. Sie tragen taillierte Jacken mit Pelzkapuzen und Röhrenjeans in puscheligen Stiefelschäften, was ihnen Ähnlichkeit mit Königspudelinnen verleiht. In den Tüten befindet sich ihre neue bestickte Satin-Siklamotte mit Echtpelzbesatz von Sportalm, die er mit zusammengerollten 500er-Bündeln bezahlt hat. Ich hab´s gesehen. Wenn sie einen Skilehrer nehmen, behandeln sie ihn wie einen Sherpa, erzählt unsere Wirtin. Der Russe bestimmt, wo´s langgeht. Das Laptop habe ich übrigens deshalb dabei, weil ich diese Woche eine Seminararbeit fertigstellen musste. Es ging um die Geschäftsidee, russische Selbstzahler deutschen Herzzentren zur Behandlung zuzuführen und ihnen umfassende Serviceleistungen anzubieten. Die Rentabilitätsvorschau ist verführerisch, aber das Klientel hier live zu sehen, erstickt jeden Unternehmergeist.

"Ich bin jetzt 16 Tage skigefahren. In meinem ganzen Leben. Und du?" - "36." - "Der Timo hat 126. Der fährt achtmal solange ski wie ich." - "Aber auch achtmal so schlecht." Pause. "Ich hab mal einen Schmetterling gesehen, der war soooo groß. Aber der lebt bloß vier Tage, weil er keinen Mund hat, um Nahrung aufzunehmen. So ein Scherz der Natur ist das, sagt mein Papa." "Also, ich finde Seegurken toll. Ich halte bald ein Referat über die Seegurke. Sie bewegt sich fort, indem sie ...Stuhlgang hat oder furzt. Und wenn ein Hai kommt, dann spuckt die dem einzelne Organe aus."
"Was war das denn!", schnaubte Herr Nachtschwester. "Die sollten Snowboard fahren, durch den Wald und die Steilhänge und Halfpipes runter und den ganzen Tag Mist bauen in dem Alter, und nicht Skischultage zählen! Das ist das neue Spießertum. Seegurken!!"

Vergnüglich ist auch diese Version der eigenen Sprache, die man in Teilen nicht versteht. Da ist in der Zeitung zu lesen, der Kanzler wurde angelobt? ach so, vereidigt, ein Mann verpickte seiner Frau das Türschloss, und die Sepps und Tonis, bei denen wir als Kinder unsere ersten Pflugbögen gestemmt haben, heißen nun "polysportiv ausgebildete Schneesportlehrer". Erfrischend politisch inkorrekt werden Demonstranten "weggesperrt" und im Verkehrsfunk "Geisterfahrer" gemeldet. Dann ist da noch das alte Bagatellproblem, in Österreich die Variante Kaffee serviert zu bekommen, die man glaubt, bestellt zu haben.

Aber wenn mein Ski morgens durch die vereisten Pisten carvt wie durch Butter, bevor mittags alles aufweicht und die anderen Flachländler mit gebrochenen Haxen per Helikopter am Seil durch die Alpenluft schwingen, kommt mir schon mal der Gedanke, die Perle Hamburg könnte geografisch günstiger liegen.

Sonntag, 31. Dezember 2006

Unkonzentriert

Sozialabgaben auf Nacht-, Wochenend- und Feiertagszuschläge? wieso erfahre ich das erst jetzt? Als leisteten Busfahrer, Polizisten, Feuerwehrleute, medizinisches Personal nicht schon unbezahlbare Abgaben in Form von unwiederbringlich verlorener Privatlebenszeit im Dienste der Allgemeinheit, möchte ich eben moralisieren, da lese ich mit dem Augenwinkel noch den Satzschnipsel "ab einem Stundenlohn von 25 €". Ach so. Das betrifft keine der genannten Berufsgruppen, da kann ich mich ja wieder abregen, so gerecht, wie das hier zugeht.

Keine Zeit, Zeitung zu lesen oder Blogs oder gar Bücher, fernzusehen, Nachrichten im Radio zu Ende zu hören, Gedankenschnipsel zu Ende zu denken. Eine Menge Menschen sitzen dieser Tage entspannt auf ihren Sofas und müssen sich um gar nichts kümmern, nachdem sie gepflegt brunchen waren und bevor sie abends ausgehen, das weiss ich genau. Letzte Nacht das Netz nach einer vernünftigen Projektmanagement-Software durchforstet, um zu sortieren, was mir über den Kopf wächst. Habe etwas passendes gefunden, aber von alleine sortiert sich da auch nichts.

Niemand hat das Recht, mich mit Reimdichoderichfressdich-Xavier zu beschallen, bloss weil ich auf die Schnelle bei H&M eine Handvoll weißer T-Shirts kaufen will. Die Wartezeit an der Kasse hätte die Schall-Exposition schmerzhaft in die Länge gezogen, heute also keine T-Shirts. Gleich danach hätte mir bei toom schon auf dem Parkplatz auffallen sollen, dass keine Einkaufswagen in ihren Verschlägen standen. Was zum Teufel....hab ich noch was verpasst, außer Montag = Feiertag? eine Katastrophenwarnung? Kein einziges Glas Nutella mehr da! Mehrere 50 Meter-Schlangen vor 12 geöffneten Kassen. 45 Minuten gewartet, als hätte ich Zeit. Während ich hier am Laptop arbeite, war ich schon dreimal gezwungen, die Küche aufzuwischen. Ich musste die Wäsche tropfnass aufhängen weil die Waschmaschine - keine Ahnung, wieso sie voll Wasser steht. Erzählt mir nix vom Sieb, das ist frei. Keinen Kopf jetzt für bockige Haushaltsgeräte.

Verlass ist derzeit immerhin auf nächtliche grandiose Vorstellungen im Traumkino. Letzte Nacht zum Beispiel, 1910, begann die amerikanische Eisenbahngesellschaft Amtrak mit dem Bau einer Bahnlinie von Paris nach Moskau, den sie bald aus weltwirtschaftlichen Gründen unterbrach, und zwar in Abchasien. Ich gebe zu, im wachen Zustand finden sich geografische Ungenauigkeiten. Da endete die Bahnlinie nun im Nichts und lag jahrelang auf einer sanft hügeligen, golden graswogenden Steppe brach, endlos weit, am Horizont graue Berge mit Schneekappen. Großartige Panoramaeinstellungen. Ich lebte dort allein in einem einstöckigen, alten Steinhaus, das meinen Großeltern gehört hatte. Es gab einen Holzofen, alte Möbel aus ganz dunklem Holz, das Bett meiner Großmutter auf dem Dachboden war ein Kasten mit einem Strohsack, über den Wolldecken gebreitet waren. Ich war arm, aber jung und schön und kochte Suppe auf einem gußeisernen Ofen, meine Familie war irgendwelchen vergangenen bewaffneten Auseinandersetzungen zum Opfer gefallen.
Die eigentliche Handlung begann mit der Wiederaufnahme der Bauarbeiten durch die deutsche Bundesbahn. Fremde Arbeiter bezogen in der Region Quartier, im Focus ein dunkelhaariger Ingenieur, der sich ein paar hundert Meter entfernt auf der gegenüberliegenden Seite der Schienentrasse ein halbverfallenes Haus wiederherrichtete. Er gehörte der verfeindeten ethnischen Gruppe an, die vor Jahren die Angehörigen der jungen Frau getötet hatte. Etwa ab hier war ich nicht mehr sie, sondern Publikum, sah zu, wie subtil und allmählich hier allen Vorbehalten zum Trotz Annäherung stattfand, Brücken geschlagen wurden und zarte Bande sich vor grandioser Kulisse spannen, großes Kino mit Happy End und überwältigendem Soundtrack. Gehe jetzt schlafen, die Fortsetzung ansehen.

Tagesdosis

Hatte ich schon auf die...
Hatte ich schon auf die Liste der Optionen geschrieben....
nachtschwester - 24. Nov, 22:39
Wenn es schlecht geht,...
Wenn es schlecht geht, ganz schlecht, hilft immer :...
croco (Gast) - 24. Nov, 20:27
Der Beruf ist eine solide...
Der Beruf ist eine solide gezimmerte und gesuchte Nischenqualifikation....
nachtschwester - 23. Nov, 19:44
Mein dritter Versuch...
Mein dritter Versuch hier in vier Tagen, jetzt der...
Etosha (Gast) - 23. Nov, 19:29
Was immer ...
sie alles (es ist ja nie eins) bedrückt, ich wünschen...
sokrates2005 - 23. Nov, 11:04
Liebe Frau Nachtschwester, haben...
Liebe Frau Nachtschwester, haben Sie denn ein konkretes...
Christine (Gast) - 22. Nov, 10:43
Tja, wenn es so einfach...
Tja, wenn es so einfach wäre. Urlaub ist Teil...
nachtschwester - 22. Nov, 02:33
Urlaub machen
so ziemlich sofort...! Und im Urlaub mal Revue passieren...
gspusi (Gast) - 21. Nov, 20:15

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