Dieses Wochenende habe ich an einem sinnentleerten Tiefpunkt mit Varianten des
MBTI herumgespielt. Da kommen durchweg unerfreuliche Ergebnisse heraus, die mich charakterlich mal in die Nähe von Queen Elizabeth
(ISTP) rücken, mal von Martina Navratilova, Arnold Schwarzenegger oder noch schlimmer Donald Rumsfeld (INTJ). Daraufhin habe ich alle 16 Typen durchgelesen. Keiner kriegt Schmeicheleien ab, es liegt nicht an mir. Eine gewisser Trefferquote ist in den Typologien nicht von der Hand zu weisen, lassen Sie´s also lieber, wenn Sie nicht gerade sehr zufrieden mit sich selbst sind. Auch wenn Richard Gere und Jane Austen angeblich auch
INTJs sind. Und man weiß, das Ganze ist bloß pseudowissenschaftlicher Schmu.
Einige Testfragen geben zu denken. Was wünschen Sie sich selbst mehr: einen klaren Verstand oder starkes Mitgefühl? Als wäre das so einfach zu trennen. Wo käme man hin, wenn man Mitgefühl ohne Verstand beliebig ausschütten würde? Zu Mutter Theresas Missionarinnen der Nächstenliebe womöglich. Wie machen die das bloß, ist das Glaube oder Konditionierung? Mein Mitgefühl ist eine begrenzte Ressource, das hat mit Jahren und miesen Konditionen in einem sozialen Beruf zu tun, vielleicht auch mit dem ISTP. Mein Mitleid stellt Bedingungen. Hat sich jemand bemüht, seine erbärmliche Lage abzuwenden, oder ist sie ganz unvorhersehbar über ihn hereingebrochen? Oder hat er wissentlich den schlammigen Waldweg genommen und sich im Vertrauen darauf festgefahren, dass da schon einer helfen kommt? Ich helfe rausziehen, vielleicht bin ich dabei noch halbfreundlich, aber Mitleid ist nicht drin.
Ich habe mich krankschreiben lassen, ICD 10 Z56.6 - heutzutage darf man sowas ja laut aussprechen - und ziehe mir sechzehn Stunden am Tag die Decke über den Kopf, weil ich vor lauter Verpflichtungen in viel zu wenig Zeit nicht weiß, wo anfangen, und gar nichts mehr anfangen kann. Das habe ich mir alles selbst eingebrockt, ich tu mir kein bisschen leid. Ich bleibe einfach liegen, während die Zeit davonläuft.
Dann habe ich heute doch den Termin mit meiner Studiengangsleitung wahrgenommen, den ich vor Wochen gemacht hatte, weil bei beiden möglichen Projekten für meine Thesis die Beweisführung hakt und Zeit und Energie keinesfalls reichen, ein weiteres Projekt anzufangen, was mach ich bloß, und da verdreht sie zwei, drei Wörter in meinen Hypothesen, und sagt - da haben Sie´s doch, fertig, passt, das ist innovativ, das wird gut, fangen Sie an zu schreiben, Ihre Kommilitonen sind längst nicht so weit!
Den folgenden Energieschub immerhin dazu genutzt, mein Auto zu waschen und Bouillabaisse zu kochen. Es geht aufwärts.