Häusliches Umfeld

Dienstag, 18. Oktober 2011

Angekommen

Zu Hause ist ein Gefühl, nur das. Kein Ort, kein Haus, kein ortsständiger Freundeskreis.

Sicherheit ist ein Gefühl, nur das. Kein unbefristeter Arbeitsvertrag, keine Sozialversicherung, kein Wohneigentum, kein Sparguthaben.

Man trägt es in sich, oder nicht.

Der freie Fall ist ein Gefühl, nur das. Es ist eine freie Entscheidung, sich ihm hinzugeben, oder nicht.

(In Hamburg, in einem gemieteten Loft-Zimmer, ich habe warme Dusche, WLAN, einen Herd und einen Teekessel, zwei Smartphones, ein Notebook, fünf Paar Schuhe, ein bisschen Lieblingsgarderobe, Geld und das Auto im Hof. Die Gelassenheit und Freiheit, mit dieser Handvoll Dinge überall glücklich sein zu können.)

Und würde ich nicht in Lutenblag so viele andere globale Nomaden kennen, die das längst erkannt haben, ich würde mich noch immer in inneren Pseudo-Dilemmata verlieren.

Ab Januar wahrscheinlich Wien. Vielleicht auch woanders.

Dienstag, 7. Juni 2011

Gurken ohne Reue

Diese Woche arbeite ich nicht und fliege auch nirgendwo hin. Ich brauche die Zeit für Ölwechsel und Zahnarzt und sowas, und vor allem, um mich hier weg zu bewerben. Vor dem Schreibtisch war ich heute früh schnell auf dem Markt. In der “Metropole” Lutenblag, so klein wie Frankfurt, ist auf 7 Märkten 7 Tage die Woche 8 Stunden täglich Markt. Lutenblag ist die Hauptstadt einer Nation, die 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nichts zustande bringt, als Gemüse und Wein anzubauen, Schnaps zu brennen und Paprika zu grillen. Trotz EU-Förderung und dem Engagement zweier deutscher Regierungsorganisationen sind molwanische Landwirtschaftsvertreter unfähig und lernresistent, ihre wirklich fabelhaften Produkte im Ausland zu vermarkten, wobei allein im ersten Quartal ein 60%iges Handelsdefizit auflief. Ich habe einen Verehrer, der sich in diesem Bereich komplett aufreibt und mich mit absurden Geschichten um Kartoffelwaagen, Apfelkisten, abgebrannte Hühnerställe und geplatzte Termine alkoholisierter molwanischer Gesandter mit REWE-Vertretern unterhält. Um die frischen Produkte zu exportieren, fehlen Transportwege, Verpackungs-Knowhow und –industrie, und genossenschaftliche Zusammenschlüsse der kleinen Familienbetriebe gibt es auch nicht. Die guten Weine sind für den Wettbewerb zu teuer. Der obst- und gemüseverarbeitenden Industrie fehlt professionelles Qualitätsmanagement, die Produkte sind nicht EU-wettbewerbsfähig, und wie Marketing im Westen funktioniert, werden sie in hundert Jahren nicht lernen. Auch nicht, sich Experten von außen einzukaufen, weil, was weiß so ein hergelaufener Schotte schon über molwanischen Grappa!

Heute habe ich für sechs Euro eingekauft – kleine, dunkelrote Erdbeeren, die im höchsten Reife—und Aromazustand geerntet werden und innerhalb von Stunden gegessen werden müssen – Haltbarkeit braucht niemand, morgen ist schließlich wieder Markt – frisch gepuhlte Erbsen, einen Arm voll aromatischem, großblättrigen Rucola, rotes Basilikum, Minze, Gurken, Tomaten, die ersten Pfirsiche und einen üppigen Strauß Pfingstrosen. In ein paar Monaten wieder folienverschweißtes Wassergemüse zu konsumieren oder viel Geld für Biokisten zu löhnen, wird keinen Spaß machen.

Unbenannt_2

Sonntag, 29. August 2010

Meet Oskar

Der zweite Streuner, mit dem ich eine offene Beziehung führe, neben Frenchguy, ist Oskar. Stammleser erinnern sich an unseren heftigen Flirt von eineinhalb Jahren im verschneiten Park. Ich konnte ihn nicht vergessen, kaufte ein Halsband und eine Leine und Wurmmittel und trug ständig Trockenfutter bei mir und konnte ihn nicht wiederfinden – bis er dieses Frühjahr in meinem Wohnviertel auftauchte. Er ist ein ganzes Stück gewachsen. Der gelbe Chip im Ohr bedeutet, er wurde inzwischen vom städtischen Veterinäramt eingefangen, für überlebensfähig befunden, geimpft, kastriert und wieder freigelassen. Sie machen das jetzt so. Alle paar Tage sehe ich ihn, dann reicht Blickkontakt, ihn in Freudentaumel zu versetzen. Er verhält sich mir gegenüber, als sei ich auch Hund, springt an mir hoch und nimmt meine Hände sachte zwischen die Zähne. Was schon dazu geführt hat, dass molwanische Anwohner mit Steinen nach ihm warfen, um mich vor dem vermeintlichen Angriff zu schützen. Vorgestern hielt er bei 40 Grad Außentemperatur ein Schläfchen in meinem kühlen Hausflur. Das ist Oskar:

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Ab und zu nehme ich ihn auf einen Kaffee mit rein und gebe ihm Futter und Wurmmittel oder eine Flohwäsche. Mit diesem Arrangement sind wir beide zufrieden.

Freitag, 23. Oktober 2009

Leinen los

Der Grund für meine Blogabstinenz ist nicht nur der 12-14-Stundentag. Kein Zuckerguss mehr über die Verhältnisse im Hause Nachtschwester. Erdrutschartige Veränderungen kündigen sich an, nichts bleibt, wie es war. Alle Ankerplätze, an denen mein Leben vertäut ist, alle Stühle, auf denen ich sitze, rücken völlig ungeordnet voneinander ab. Da schwebe ich nun in der Luft, und da ich auch in der Krise zur Nüchternheit neige, gibt es klare Momente in der Verwirrung. Klare Sicht auf die Dinge zeigt an guten Tagen die Masse an Möglichkeiten und neuen Freiheiten, an schlechten Tagen durch kein Netz gebremsten Durchblick zum Abgrund.

Unter diesen Umständen ist die konturenlose Themenmischung der Nachtschwester ein kleines Problem am Rande. Ich würde gern viel Privateres bloggen, ist mir gerade so ein Bedürfnis aus aktuellen Anlässen. Ich fühle mich aber auch noch dem hier mitlesenden Fachpublikum verpflichtet, seit die Nachtschwester mal von Thieme intensiv empfohlen wurde und zwai.net hierher verlinkt. Ich würde auch gern ein zweites, seriöses Fachblog führen, dann aber unter Klarnamen wg. Selfmarketing und so, aber das wird zeitlich nicht gehen. Ich bin unterexponiert, musste ich mir letzte Woche auf dem IFIC-Kongress in Vilnius wieder anhören. Wieso haben wir noch nicht von Ihnen gehört? Was tun sie noch in Molwanien, komisch, dass Sie noch nicht abgeworben wurden. Weil ich eben eine lausige Networkerin bin, und das mit meiner seltenen Nischenqualifikation. Ich brauche einen Mentor. Und mehr vernünftige Jobangebote neben dieser Firma in Wien, die mich will, aber gerade ist meine Hamburg-Woche, und wie gern würde ich hier wieder leben, wenigstens in Teilzeit.

Und in Molwanien liegt derweil der erste Schnee auf den Bergen in Sichtweite der Stadt, und Schneewandern steht auf dem Plan, und bald auch schon Catskiing in ungespurtem, touristenfreiem Tiefschnee, und was wird mir diese internationale Freundestruppe fehlen, die sich andererseits auch alle irgendwie dauerhaft auf der Durchreise eingerichtet haben, so wie ich.

Montag, 29. Juni 2009

Pendeln

Samstag Lebensraum:

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Gosch

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Sonntag Arbeitsumfeld.

100 0456

Freitag, 12. Dezember 2008

Checken Sie in den Hauptbahnhof ein

Im Vielfliegerhaushalt Nachtschwester begrüßen wir die neue S-Bahnanbindung des Flughafens Fuhlsbüttel sehr.

Besser kann man es nicht erklären, weil das ja klar ist.

Samstag, 22. November 2008

November

Eine Sturmnacht, Regen, vor der Haustür liegt schon wieder ein Baum.
Balkonaussichten heute früh:

Ohne Titel-1 Kopie

R0011138

Nein, ich bin wirklich nicht depressiv.

Montag, 24. Dezember 2007

Hausfrieden und Bruch

R0010178Der Herr des Hauses ist zu seiner Familie gefahren, weil ich ohnehin Heilig Abend bis spät abends und am 1. Feiertag ab sechs Uhr früh arbeiten muss, genau wie letztes Jahr, eine Gemeinheit, die ich nur hingenommen habe, weil es wirklich das allerletzte Mal ist. Ich werde also mit den Nachbarn ein kurzes Gläschen Wein trinken, die, in deren Wohnung wir schon mal eingestiegen sind, bevor sie ihnen gehörte. Vorgestern haben sie sich selbst ausgeschlossen und vor meinen staunenden Augen mit einer Zange aus meinem Werkzeugkasten ihre Wohnungstür total lässig aufgekriegt. Ich hatte meine Linsen nicht drin und konnte über den Flur nicht genau erkennen wie. Letzte Woche gab es in den oberen beiden Stockwerken einen echten Einbruchsversuch, von einem Dilettanten, der drei Türen beschädigte, aber keine öffnen konnte. Der hätte gerne mal im 1. OG nachfragen können, wie man sowas macht.

Die Nachbarn sind immer noch nicht fertig mit Renovieren, sie hatten einfach aufgehört und ihre Baustelle anscheinend liebgewonnen. Die beiden alternden Kampflesben schräg unter uns sind untröstlich, weil die sympathische Zahnärztin geradeaus unter uns, die ein unerklärliches symbiotisches Verhältnis mit ihnen unterhielt, ganz plötzlich ausgezogen ist. Gute Nachbarschaft ist so wichtig, wir haben schon allerhand erlebt in 28 Jahren in diesem Haus, erzählten sie, als sie unseren Obolus für den großen Adventskranz, der nun im Hausflur hängt, entgegennahmen. Sie haben zwei Jahre lang mit der Familie über uns um die Gartennutzung prozessiert und erstritten in dritter Instanz die alleinige Nutzung der linken Gartenhälfte; Herr Nachtschwester und ich konnten dank freundschaftlicher Beziehungen zur Zahnärztin die rechte Hälfte nutzen, ohne in die Schusslinie zu geraten. Die Familie über uns zog leider samt der Großmutter schräg über uns schon im Sommer aus. Vorbei die unterhaltsamen Polizeibesuche auf Einladung der Großmutter schräg über uns zum Gartengrillen der gegnerischen Partei schräg unter uns - Grillen ja, aber nur ohne Rauch und Rauchgeruch -unvergessen auch der von den Damen schräg unter uns veranlasste Polizeieinsatz gegen einen Gartenbautrupp, der von der Vorsitzenden der Eigentümergemeinschaft über uns bestellt worden war, um die Bäume zu schneiden und wild wucherndes Buschwerk zu roden. Alles vorbei, fade Harmonie herrscht im Haus.

Allerdings haben sich die neuen Bewohner, die das 2. OG nach einer Schnellsanierung durch zweifelsohne illegale Polen bezogen haben, nicht an der Adventskranzfinanzierung beteiligt. Auch sonst lassen die seltenen Begegnungen hoffen, dass von ihnen möglicherweise neues Konfliktpotential ausgeht, wenn das Fest der Liebe erst vorbei ist.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Romantik im siebten Jahr

Patsch, eine schläfrige Hand landet von der anderen Bettseite auf meinem Kopf und befördert mich vom Tiefschlaf in den Halbschlaf. Während er mein schlaftrunkenes Hirn krault, formt sich darin die Assoziation, er fische in einem Eimer Lake nach mozzarella-ähnlichen Käsen und drücke sie aus.

Montag, 2. Juli 2007

SMS nach Barcelona

- "Samstag sind die R.s und die alte P. ausgezogen. Heute die übergewichtige neue Pissnelkensuperzicke über uns kennengelernt, aber mach dir keine Gedanken, Süßer, bis du wiederkommst, ist sie tot."
- "???"
- "Habe geklingelt, mich unter dröhnendem Lärm vorgestellt, freundlich erklärt, ich arbeite im Krankenhaus und ausgerechnet diese Woche bis Do Nachtdienst, schreibe außerdem meine Diplom..., gerne ein paar Std. tägl. schlafen, können wir uns da vielleicht irgendwie verabreden? Nö. Hat mich voll ablaufen lassen, ihr doch egal, die tut noch nicht mal kooperativ. Die kann dieser Tage bei geeigneter Stelle die Arbeitserlaubnis für ihre Polentruppe herzeigen, wenn sie mir so blöd kommt."
- "Ruf die Polizei. Mittagsruhe. Mietvertrag i. d. R. 1-3. Die können auch gleich die Polen abchecken."
Er macht was mit Städtebau und Immobilien, neben ihm sitzt einer, der macht Facility Management.
Das kann keine Entschuldigung sein.
- "Stimmt, bei der Polizei sollen sie nicht denken, unsere schöne Haustradition stirbt, nur weil die alte P. weg ist. Du Spießer. Was ist bloß aus dir geworden? Ich dachte eher an Zucker im Tank oder Sekundenkleber im Schloß oder ich frage mal im Erdgeschoss nach. Ich regle das auf meine Art."

Tagesdosis

Ach Frau Nachtschwester...
Ach Frau Nachtschwester - kaum ist man ein paar Tage...
Inge (Gast) - 12. Apr, 11:31
Heldenhunde
Über die kurvige Schnellstraße, weit ab...
nachtschwester - 28. Mrz, 20:59
Abschiedsschmerz
Liebe Nachtschwester, Angang Februar hatte ich einen...
Annelie (Gast) - 28. Mrz, 10:57
schade, dass (auch) sie...
ich hab ihre formulierungen und ihren (gerade auch...
la-mamma - 21. Mrz, 15:00
ein blog ist nichts anderes...
ein blog ist nichts anderes als eine persönliche...
bonanzaMARGOT - 21. Mrz, 11:32
Das ist ja eine fabelhafte...
Das ist ja eine fabelhafte außerordentliche Feedbackrunde...
nachtschwester - 19. Mrz, 06:10
Lieber Escrilo, darüber...
Lieber Escrilo, darüber bin ich von den Socken!...
nachtschwester - 18. Mrz, 20:34
Für alles, was du...
Für alles, was du planst, ob es nun schreiben...
Etosha (Gast) - 17. Mrz, 21:15

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