Externe Einsätze

Mittwoch, 12. März 2008

Sex, Lügen und Video

(Edit: Hören Sie zur Illustration das hier in einem Hintergrund-Tab, während Sie den folgenden Text lesen.)

P., der Anaesthesiechef, redet nicht mehr mit mir, nachdem wir fünf Jahre lang ein herzliches Verhältnis hatten. Er ist sauer, weil er nun mit Z., einer ausgezeichneten Intensivschwester, zusammenarbeiten muss, seit der Boss und ich Personalrotationen beschlossen haben, um die Kommunikation zu verbessern.

P. mag Z. nicht, und daran ist N. schuld, die pflegerische Leitung der Intensivstation. N. hat früher die Anaesthesie geleitet, bis ein Geschlechtsakt mit P. an einem unbedacht gewählten Ort in den Räumlichkeiten unserer Klinik von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde. Solches Verhalten zweier verheirateter Mitarbeiter ist in diesem Kulturkreis nicht zu dulden, sodass sich der Boss gehalten fühlte, zunaechst N. auf die Intensivstation zu versetzen und einige Wochen später P. zu feuern, nachdem dieser auch noch wiederholt Pausenbrote von Pflege- und Reinigungspersonal gestohlen und verzehrt hatte. Es gab Videobänder, auf welchen wütende hungrige Putzfrauen ihre Backwaren einwandfrei identifizierten, bevor sie in P.s Schlund verschwanden.

Während N. auf der Intensivstation bald zur Leitung aufstieg, nachdem der Boss ihre Vorgängerin gefeuert hatte, der Anlass ist mir entfallen, versuchte P., seinen drei Söhnen das Studium weiter zu finanzieren, indem er in einer Massagepraxis Akupunktur praktizierte. Das scheiterte daran, dass sich mehrere Klientinnen über sexuelle Übergriffe beklagten. Nach nur sechs Monaten klopfte er wieder an die Bürotür des Boss. Der hatte zufällig gerade zwei Anaesthesisten gefeuert und stellte den zerknirschten P. nach einer Moralpredigt und mit der Auflage, sich von N. fernzuhalten, wieder ein.

Vor einem Jahr wurde der Boss erneut mit einem Sexvideo konfrontiert, aufgenommen früh morgens eine Stunde vor Dienstbeginn in einem Kellerraum des Gebäudes, in dem unsere Klinik einige Stockwerke gemietet hat. Ob es sich bei den beiden Personen um Mitarbeiter unserer Organisation handelte, fragte der Sicherheitsdienst. Der Boss erkannte zweifelsfrei N. und P.
P. war zu diesem Zeitpunkt nicht feuerbar, weil er mitten in seiner für die Klinik prestigeträchtigen Habilitation steckte, und auch Intensivschwestern waren gerade knapp, so blieb es bei einer Standpauke für die beiden und einer Gehaltskürzung. Was bringt zwei Menschen mittleren Alters dazu, morgens um vier aufzustehen statt um fünf, um in einem dreckigen Keller einen Quickie hinzulegen, bevor man sich ungeduscht zu einem Zehnstundentag in einen OP begibt?

N., die P. gut genug kennt, zu wissen, dass er alles bespringt, was ihn lässt, ist mit der physischen Nähe von Z. zu P., in welcher sich Z. nun für drei Monate befindet, nicht einverstanden und macht Z. und P. das Leben schwer. Und ich muss mir Z.s Klagen über N.s Mobbing und P.s Unfreundlichkeiten anhören, während mich P. schneidet und mir N. jeden Tag die ehrenwerte Matrone vorspielt.

Freitag, 22. Februar 2008

Wieder kein lustiger Text

Der Boss ist grau und furchig im Gesicht, von draußen durch seine Bürotür hören wir Frauen und Kinder der albanischen Familie weinen, mit der er gerade gesprochen hat, deren Oberhaupt er eben fünf Stunden lang operiert hat, für Boss-Verhältnisse eine Ewigkeit, denn er ist der Schnellste, und das dennoch in wenigen Stunden versterben wird, nachdem man ihn in der Uniklinik der Stadt mit einer akuten A-Dissektion, Klappe, RCA und LCA beteiligt, drei Tage lang unbehandelt hat liegenlassen, bevor man ihn viel zu spät mit schon wassermelonengroß dilatiertem Herzen im Schock hier ablieferte. Der Boss rauft sich die Haare und leidet, er kann keinen einzigen Toten akzeptieren, und ich denke an seine Hamburger Kollegen mit den achselzuckenden Riesenegos, die ihm weder als Chirurgen noch als Humanisten auch nur ansatzweise das Wasser reichen könnten, und ganz egal, wie tief wir schon zerstritten waren, er erfüllt mich mit tränentreibender Loyalität und Sendungsbewusstsein für das, was wir hier tun. Man verzeihe mir das Pathos, ich habe einen Zyklus und bin gerade etwas emotional. Externe Trigger dafür gibt es genug.

Gestern erzählten sie mir beim Reanimationstraining, dass die paar in Geberländern lange ausrangierten Rettungswagen hier weder Defibrillatoren noch Intubations- oder Beatmungszubehör mitführen. Eine Intensivschwester setzte drauf, wie sie zwanzigjährig ihre 39jährige Mutter in der Küche auf dem Boden liegend fand, sie Mund zu Mund beatmete, bis nach einer Stunde endlich ein Rettungswagen kam - aber man hatte nur einen Fahrer geschickt, keinen Sanitäter, keinen Arzt. Und sie schleppte mit dem Fahrer zusammen die Mutter die Treppe hinunter, und als sie unten ankamen, war sie tot.

Gerade ist Biljana gegangen. Sie kommt nach ihrem Arbeitstag in einer Näherei hierher und will sich beim Putzen mit mir unterhalten. Ich zahle ihr die Hälfte dessen, was unsere Perle in Hamburg bekommt, aber hier ist das viel Geld. Mit drei Stunden pro Woche bei mir steigert sie ihr Monatseinkommen aus der Näherei um die Hälfte. Außer der Bioenergie hat sie fliegende Hitze. Daneben erzählt sie lachend sehr traurige Dinge, die diesen Text sprengen würden. Sie möchte auch bei mir essen, am liebsten mit mir zusammen, und meine Freundin, Putzfrauvermittlerin und Kulturcoach V. sagt, das gehört sich so. Also habe ich Olivenbrot von gestern aufgebacken, Gurke, Paprika und Tomaten geschnippelt, Eier mit Speck in die Pfanne gehauen, Käse, Rinderschinken, Mandeloliven und Trauben auf den Tisch gestellt. Bloß ein schnelles Abendbrot für mich, für sie ein überschwengliches Festessen, was uns beide unterschwellig beschämte.

Theatralisch oder nicht, Remington bringt es auf den Punkt. Auch ich bin zyklisch wiederkehrend sehr, sehr dankbar für den roten Pass mit dem Adler drauf, ein Riesenbündel zufällig per Geburt erworbener Privilegien. Und wer hier kommentieren will, wie sehr auch in Deutschland alles den Bach runter geht, weiß einfach nicht Bescheid.

Umzingelt

"Wusstest du übrigens, dass Biljana Bioenergie hat?" sagte meine Freundin V., deren unbestechlich analytischer Verstand mir gerade hier immer sehr viel bedeutet hat, über ihre und meine Putzfrau.
Ich steckte den Kopf tief in den Wischeimer und ertränkte mich.

Sonntag, 17. Februar 2008

Übrigens

Wenn Sie hierzulande zu jemandem ins Auto steigen und sich aus Gewohnheit anschnallen, ist der Fahrer beleidigt.

Noch mehr fremde Mächte

"Ich habe so viel Bioenergie", sagt Onkelchen Blago, der Hausmeister, "dass mir ständig der Kopf weh tut. Nimm mal meine Hand!" Seine Hand ist warm, trocken und rissig. "Spürst du meine Energie?"

"Sie hat Bioenergie", sagt meine Freundin E., eigentlich selbst Wissenschaftlerin, mit ehrfurchtsvoll hochgezogenen Augenbrauen, über ihre Mutter. Wenn ihre Tochter krank ist oder sie selbst Bauchweh hat, ruft sie sie und lässt sie die Hand auflegen.

"Diese Frau ist unheimlich, sie hat Bioenergie!" sagt die Laborleitung über die Mikrobiologin, mit der ich mein Büro teilen muss. "Als sie hier anfing, fuhr sie mit der Hand vor mir entlang und sagte gleich, ich brauche mehr Sex. Ich hab doch immer Probleme mit dem linken Eierstock, das hat sie gleich gespürt!" Seither geht sie ihr lieber aus dem Weg.

Die Klinikpsychologin, die sich mit den psychsomatischen Aspekten der koronaren Herzkrankheit befasst, dazu Lebensstressniveau erfragt, Patienten Shiatsu-massiert und CDs für autogenes Training mit ihrer nikotinbronchitischen Stimme bespricht, hat einen Apparat bestellt. Damit will sie Energieströme messen, wenn ich sie richtig verstanden habe, leider habe ich nämlich ein selektives Aufmerksamkeitsproblem im Zusammenhang mit Esoterik.

Dabei könnte es potentielle Autoritätsprobleme im Vorhinein lösen, würde man mir hinter vorgehaltener Hand Bioenergie nachsagen.

Samstag, 16. Februar 2008

Ganz schmutzige Wäsche

Gestern in einem Nebensatz vom Boss von meiner Personalverantwortung über das gesamte nicht ärztliche Personal erfahren (da die Rechtslage im Hinblick auf meine Arbeitserlaubnis immer noch unklar ist, gibt es auch keinen Arbeitsvertrag, der solche Fragen beantworten würde). Nachdem das geklärt ist, steht ganz oben auf der Agenda Female Wrestling mit zwei malignen OP-Schwestern, die in zwei Jahren 13 neue Mitarbeiter innerhalb weniger Monate weggemobbt haben. Wenn nur ein Viertel dessen wahr ist, was mir zwei Opfer und Kollegen aus Anaesthesie und Kardiotechnik erzählt haben, haben die beiden ausgewachsene Persönlichkeitsstörungen. Da sie schlau vermieden haben, Personal auszubilden, können wir sie nicht einfach feuern, jemand muss schließlich instrumentieren.
Taktische Vorschläge, irgendjemand?

Mittwoch, 13. Februar 2008

Ich richte mich ein

Heute den Plastik-Boulevard besucht. Der Plastik-Boulevard ist eine Hauswirtschafts-Marktstraße auf der albanischen Seite des Flusses. Albaner und Roma verkaufen alles aus Plastik zu einem Bruchteil der Innenstadtpreise. Das macht diese Straße zu einem der wenigen Treffpunkte aller ethnischen Gruppen.

Einen Staubsauger, einen Badmülleimer und eine solide, wertgearbeitete Klobrille gekauft, darauf lege ich Wert. Freundin brachte ihre Putzfrau zum Erstgespräch vorbei. Arme Frau vom Dorf mit dem Mund voller schwarzer Stummel, die tagsüber als Näherin in einer Fabrik arbeitet und nach vier putzen geht, damit die drei Kinder ihre soziale Prägung durchbrechen und studieren können, das geht hier nämlich.

Danach in einen einsamen, eupohorischen Staubsaugtaumel verfallen - der hat aber auch Power unter der Haube! - bis ein Schuss fiel und das Gerät ausfiel. Kein Schütze in meinem Wohnzimmer zu sehen bei dem Qualm, aber unter dem Fernseher brennt es, ausgerechnet wo die Kabel zusammengerollt sind.
Ich weiß die Nummer der Feuerwehr nicht.
Flammen geistesgegenwärtig ausgepustet, ohne was anzufassen oder nass zu machen.
Sicherung gefunden, war schon draußen.
Der Vermieter, der alles eigenhändig renoviert hat, überwintert wohlweislich in Belgien.
Das Foto gibt die Dramatik der Situation nicht wieder.
Das Fernseherkabel ist mit angebrannt. Internet geht noch.

R0010260

Update: vom Handwerkertrupp, der gerade in der Klinik was umbaut, kamen vier Mann vorbei. "Tss." machten sie. Mit so einem billigen türkischen Dreifachstecker ist das kein Wunder, das passiert mal. DVD-Player- und Fernseherkabel geflickt, funktioniert alles wieder.

Sonntag, 27. Januar 2008

Von Kötern, Schlangen und Hyänen

Bitte sehr, Rafael! (für die stark abnehmende Leserschaft erledige ich gerne auch Auftragsarbeiten.)

R0010249

Die wirklich lustige Heulsuse ist Dschungelkönigin geworden, ich habe das in Ermangelung anderer deutschsprachiger Kanäle verfolgt, wenn ich kein CNN und keine oversexed bulgarischen Musikclips mehr sehen mochte und schon gar nicht Herrn Ahmeti, der gestern im albanischen Fernsehen den ewigen Streit zwischen Griechenland und Mazedonien um die ethnische Zugehörigkeit Alexanders des Großen abschließend zu klären meinte. According to Ahmeti war Alexander Albaner, genauer Illyrer, deren Nachfahren die Albaner gerne wären.

Zwar habe ich genug zu essen, in anderer Hinsicht war das Dschungelcamp aber ein Klacks gegen die Schlangengrube, in die ich mich hier begeben habe, ein Gestrüpp aus Manipulationen und Intrigen zwischen ausnehmend freundlichen und höflichen Mitarbeitern, deren Kultur es nicht vorsieht, miteinander Klartext zu reden. Wenn eine meint, eine andere sei ihr blöd gekommen, listet sie in einem Beschwerdebrief an den Boss hinterrücks erfundene Verfehlungen auf. Der Boss glaubt meistens, was er schwarz auf weiß zu lesen bekommt und schwingt sein Schwert über dem Opfer, dabei zieht im Hintergrund noch sein Karma Strippen an den Ex-Kolleginnen. Nur wenn das Opfer rechtzeitig Wind von der Sache bekommt und seinerseits eine Gegendarstellung mít Zeugenunterschrift aufsetzt, holt er die Kontrahentinnen an einen Tisch und gibt ihnen Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschuldigen, sie hat angefangen, nein, sie. Manchmal einigen sie sich dabei auch auf eine bis dahin unbeteiligte Schuldige. So eine unerwartete Beschwerde beim Boss ist für das Opfer mit großem Stress verbunden, und auch alle anderen fürchten sich vor Kollateralschäden, denn der Boss feuert gelegentlich locker aus der Hüfte Leute oder kürzt Gehälter. Konfrontiert dagegen eine die andere von Angesicht zu Angesicht mit tatsächlichen Fehlern, fängt letztere sofort an zu heulen und sucht Verbündete. Die findet sie bei männlichen Ärzten, welche ersterer das Leben fürderhin schwer machen.

So kann ich nicht arbeiten, sagte ich ihm, die müssen lernen, Probleme erst mal auf ihrer eigenen Hierarchieebene zu klären. Lass dich nicht instrumentalisieren für Kindergartenspielchen prämenstrueller untervögelter Kardiologinnen. Stimmt eigentlich, sagte der Boss. Und zwei Tage später rief er die Ambulanzleitung in ihr Diensthandy brüllend aus meinem Reanimationstraining, weil eine Kardiologin, die mir vorher noch freundlich lächelnd das Dienstlaptop für die Fortbildung ausgehändigt hatte, ihn in Deutschland angerufen hatte, um sich über die Abwesenheit besagter Kollegin zu beschweren, die sich dabei nur zwanzig Schritte den Flur entlang aufhielt, nachdem sie selbstverständlich dafür gesorgt hatte, dass die Ambulanz ausreichend besetzt war.

Ich nehme mir vor, wenn mein Tag kommt, lasse ich das genau ein Mal mit mir machen und bevor ich anschließend meine Koffer packe, fließt Blut. Die Klinikpsychologin, an die ich mich gewandt hatte, um sie bei der Gestaltung eines Kommunikations-Communiquées nicht zu übergehen, ist selbst völlig plemplem und nicht zu gebrauchen. Sowas von plemplem.

Freitag fliege ich für eine Woche nach Hause, ich will Kultur, jeden Abend, und ich würde mich sehr über Besuch von Bekannten freuen, die mir geradeaus sagen, was ihnen schon immer an mir stinkt. Ich würde schnurren wie eine Katze.

Sonntag, 20. Januar 2008

Im 21. Jahrhundert...

...ist die Liberalisierung der Gesellschaft auch hier so weit vorangeschritten, dass man durchaus schon ein paar Wochen vor der Hochzeit zusammen ziehen kann, das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt. Dann lassen die Ipod- und Blackberry-tragenden, ambitionierten und in Privatunternehmen gut verdienenden Paare die neue gemeinsame Wohnung und eine bestimmte Menge Mehl von einem Popen segnen, backen 40 Tage später aus dem gesegneten Mehl Brote und bringen sie in die Kirche.

Am Mittwoch verstarb der 80jährige Konrad Adenauer dieser Republik, der seinerzeit erste demokratisch gewählte Premierminister. Ich habe ihn vor ein paar Jahren kennengelernt. Der Boss operierte damals noch alleine vier bis fünf Herzen am Tag, wenn ich dort war, rief er danach an - Nachtschwester, wo bist du, wir gehen essen! Ins Restaurant kamen immer Politiker, Journalisten, Architekten und Firmenvertreter, weil der Boss tagsüber keine Zeit für Meetings hatte. Ich hatte keine Ahnung, wer der freundliche alte Herr war, mit dem ich mich eines Abends sehr angenehm unterhielt und der für mich sein bestes Kroatisch sprach, und fragte nach einer Weile, in welchem Verhältnis er denn zum Boss stehe? Er sei ein väterlicher Freund, sagte er bloß und verabschiedete sich um 22 Uhr, weil er seine Gattin abends nicht gern allein ließ. Tatsächlich hatte er die Privatisierung des Gesundheitswesens und insbesondere den Boss gegen unbeschreibliche Widerstände unterstützt.

Vorgestern wurde er beerdigt, ich sollte sechs Mitarbeiter zur Kranzniederlegung auswählen. Zwei lehnten ab, sie seien verlobt, und wenn eine Hochzeit anstehe, dürfe man nicht auf Trauerfeiern gehen. Und umgekehrt neun Monate nach einem Trauerfall in der Familie nicht heiraten. Das wusste ich schon von meiner Freundin V., die ihren Bergsteiger bisher nur standesamtlich heiraten konnte, nachdem im September sein Großvater und im Oktober ihr Onkel gestorben war. Hoffentlich erlebt sein leukämiekranker Vater den geplanten kirchlichen Hochzeitstermin im Juni, stirbt er vorher, wird es dieses Jahr wieder nichts mit dem Segen der Kirche. Dabei ist der unverzichtbar, wenn die Ehe halten soll.

Andererseits ist es in manchen Regionen des Landes Brauch, die Braut am Tag nach der Hochzeit auf den Friedhof zu führen, um sie den Vorfahren des Bräutigams vorzustellen. Die Christustaufe vorgestern hatte ich noch gar nicht erwähnt. Verkehrschaos in der Innenstadt vorgestern nicht nur wegen der erwähnten Staatstrauerfeier, sondern auch wegen alljährlichen feierlichen Inswasserwerfens von Holzkreuzen.

All das in einer dreckigen, hektischen Stadt aus bröckelnden Hochhäusern und atemlosem Wirtschaftsaufschwung, die die Verwurzelung ihrer Bewohner in Bräuchen und Aberglauben nicht ahnen lässt.

Montag, 14. Januar 2008

Besser als Neapel

Das Gebäude, in dem man mich eingemietet hat, ist mein schlimmster Alptraum, achtstöckige sozialistische Zweckarchitektur aus der Zeit direkt nach dem großen Erdbeben. Wenn die Erde wieder bebt, wohnt man dann besser oben, weil es unten zuerst zusammenbricht, oder unten, weil man nicht so tief fällt, oder weil oben alles zusammenbricht und die unteren Stockwerke stehen bleiben? Knickt das Gebäude vielleicht in der Mitte ein? Diese Fragen drängen sich angesichts bröckelnden Mauerwerks innen und außen auf, aber meine Freundin V., die in diesem Viertel aufgewachsen ist, sagt, unten ist besser, weil man da schneller raus kommt, außerdem seien diese alten Gebäude ganz sicher erdbebensicher, bei den neuen, schönen, von türkischen Firmen gebauten Wohnanlagen weiss man das nicht. Ich wohne im zweiten Stock und versöhne mich zwar nicht mit der Außenfassade, aber mit der Gesamtsituation, denn für hiesige Verhältnisse handelt es sich um eine durchaus passable Wohngegend, mein Freundeskreis wohnt fast vollständig in der Nachbarschaft, es gibt einen ordentlich sortierten Supermarkt schräg gegenüber, die Wohnung ist warm und sauber, die rumänische Waschmaschine neu und funktionstüchtig, ich habe 62 Fernsehprogramme in Sprachen, die ich geografisch gar nicht einordnen kann, und bald bekomme ich DSL, alles nicht selbstverständlich. Auf schlaglöchrigen Gehwegen liegen Knochen, die die Bewohner wohlhabend genug sind, den streunenden Hunden hinzuwerfen, und die Müllcontainer, die überall offen herumstehen, quellen nicht über, dafür sorgen schon Elstern, Katzen und Romakinder, die darin wimmeln.

Tagesdosis

Einfach tot umfallen...
ist wohl nicht. Tut das auch weh, wenn man wieder zurückgeholt...
sokrates2005 - 15. Mai, 09:59
Nein, Infarkt. Sport...
Nein, Infarkt. Sport ist Mord. (Wenn man als Raucher...
nachtschwester - 6. Mai, 08:12
Ok
Aber warum ist er beim Joggen umgekippt? N Steckschuß...
404 - 5. Mai, 22:09
Sicher. Es ist auch ein...
Sicher. Es ist auch ein Leichtes, die Autorin von "Feuchtgebiete"...
nachtschwester - 28. Apr, 16:24
mutige Unterhaltung
Sehr unterhaltsam! Jetzt weiss ich, warum ich seit...
bh (anonym) - 25. Apr, 11:09
Na, das klingt ja alles...
Na, das klingt ja alles wenig erheiternd. Also lieber...
creezy (anonym) - 24. Apr, 20:06
Im Hinblick auf das Überleben...
Frau Nachtschwester, ich denke, beides ist richtig...
HiG - 24. Apr, 15:06
Der gute, alte Oxylog...
Der gute, alte Oxylog mal wieder...
WilderKaiser - 24. Apr, 11:47

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