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Zugangserleicherungsgesetz

Ich habe viel zu wenig Zeit für dieses Blog, ich hätte so gern noch ein paar Leser hierhin geschickt und muss heute leider feststellen, die Zeichnungsfrist ist gestern abgelaufen, mit traurigen 8355 Mitzeichnern, immerhin 30mal mehr, als die Petition für die Durchführung einer unbemannten nationalen Mondmission in der nächsten Woche vermutlich erreichen wird. Die Zeichnung ist allerdings noch bis Ende 2009 über Listen möglich. Gegen die Lockerung der Zugangsvoraussetzungen zur Pflegeausbildung, nicht für die Mondmission.

Am 18.06.2009 wurde per Gesetzesnovelle die Zugangsvorraussetzungen zur Krankenpflegeausbildung von Realschul- auf Hauptschulabschluss abgesenkt. Bisher mussten sich Hauptschüler über eine Pflegehelfer-Ausbildung für die Zulassung zur Krankenpflegeausbildung qualifizieren, ein gutes Modell. Die Absenkung des Bildungsniveaus ist ein blind aktionistischer, realitätsferner Vorgang, mit dem Frau Schmidt/der Bundestag glaubt, den herrschenden Pflegenotstand und drohenden Pflegekollaps abzuwenden.

In Wahrheit scheint es keinen Mangel an Bewerbern auf Ausbildungsplätze zu geben. Im Presseorgan des DBfK berichten Schulleitungen, die Auszubildenden seien heute überwiegend Abiturienten und die Abbrecher überwiegend Realschüler. Kein quantitatives Defizit also, sondern ein qualitatives. Weitere Sachargumente hier oder hier oder in der Diskussion zur Petition.

Der Pflegenotstand entsteht aus meiner Sicht nicht aus Mangel an billigen Arbeitskräften, sondern aus der Tatsache, dass die Pflege den Ambitionierten, Hochschulbildungswilligen und -fähigen keine Perspektive bietet, sie also den Beruf entweder gar nicht ergreifen oder nach abgeschlossener Ausbildung sich aus dem Beruf heraus studieren. Der Berufsstand braucht aber genau diese Kandidaten, um sich weiter zu professionalisieren. Jetzt schon sind in keinem anderen Industrieland Pflegekräfte formal so niedrig qualifiziert wie in Deutschland. Pflege braucht Eliten, hieß vor 17 Jahren eine Programmschrift der Robert-Bosch-Stiftung, die 10% akademisch gebildetes Pflegepersonal am Bett forderte. Die heute sehr zahlreichen Absolventen von Pflegestudiengängen kehren jedoch nicht mehr ans Bett zurück, das wäre unsinnig. Es gibt weder Tätigkeitsmodelle noch eine Vergütungsstufe für sie, und das Studium ist eine zu große Investition, um hinterher wieder genauso wenig zu verdienen wie die nicht akademisch ausgebildeten Kollegen.

Hauptschüler ohne Zwischenqualifikation in die Pflege - was für eine Totgeburt der ewig prokrastinierten Bildungsreform. Man hat Schwierigkeiten, sie auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen - ab mit ihnen in die Pflege.

Was reg ich mich auf, ist eh zu spät. Erstmal.
kittykoma - 23. Sep, 12:13

da widerspreche ich gleich aus dem bauch heraus und aus der sicht des potentiellen patentienten.
pflege braucht herzenswärme, aufmerksamkeit und nähe. keine industriell durchorganisierten prozesse mit unterforderten und überqualifizierten mitwirkenden, die ein akademisches papier vorweisen können.
als ich als kind lange wochen im krankenhaus lag, haben die lächelnden putzfrauen mehr zu meiner genesung beigetragen als die verordungen exerzierenden drachen im schwesternhabit.
um ein guter bäcker zu sein, kann man chemie studiert haben, muß es aber nicht.

nachtschwester - 23. Sep, 12:19

Ich widerspreche gleich der Annahme, dass Herzenswärme und Lächeln allein den Anforderungen des Berufes heute noch genügen würden.

Ich widerspreche auch, dass akademisch gebildete Pflegekräfte nicht herzenswarm lächeln könnten. Das tun sie in der ganzen westlichen Welt.

Hard skills und soft skills schließen sich nicht aus. Es ist nie das eine oder das andere, beides wird gebraucht.
giardino (Gast) - 23. Sep, 18:53

Ha, die Petition hatte ich schon Mitte August unterzeichnet. :)

Ich stimme Nachtschwester zu (der ich selbst vor gut sechs Wochen ein paar Tage im Krankenhaus wg. einer OP verbringen musste), wirklich wohl und gut umsorgt habe ich mich nur bei den drei Schwestern und Pflegern auf Station und im Aufwachraum gefühlt, die mir einerseits ausgesprochen kompetent erklärt haben, was mit mir passiert und warum, und mir andererseits mit Herzlichkeit und sanfter Ironie das Gefühl gegeben haben, als Mensch ernst genommen zu werden.

Die herzensgute Nachtschwester, die aber nicht kapiert hat, dass mich das Novalgin auf einen üblen Trip geschickt hat, war dagegen unter dem Strich keine große Hilfe.
nina (Gast) - 25. Sep, 23:38

Unwissenheit bringt Patienten um! Trotz Herzenswärme!
Sein geld legt man ja auch nicht bei dem so lieben Berater an, sondern bei dem kompetenteren. Aber anscheinend ist Gesungheit weniger wert als das eigene Geld, da reicht dann nett lächeln. Pflege hat, trotz tiefsitzender verbreiteter Meinung, mehr zu bieten als Ärsche ab zu wischen und Betten zu machen! Und nicht alle Krankenschwestern haben ihren Beruf aus der Sehnsucht heraus ergriffen Menschen dienen zu wollen oder Ärzte zu heiraten. Es gibt Modell darunter, die verdienen damit ihren Lebensunterhalt und besitzen ein profesionelles Verhältniss zu ihrer Arbeit. Sie nehmen die Verantwortung der Versorgung der Patienten ernst! Die Pflege ist kein Auffangbecken für gescheiterte Existenzen oder eine Anlaufstation für Menschen mit Lernschwierigkeiten!
Und Professionalität schließt Empathie und Herzenswärme nicht aus!


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