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Riesensauerei

Ich entschuldige mich für alle gerade so durchs Examen geschrammten, danach freiwillig unbelesen gebliebenen, unreflektierten, unprofessionellen, ausgebrannten und emotional blöden BerufsgenossInnen.

Die gute Nachricht ist, es gibt davon nicht so viele. Die schlechte Nachricht ist, viel mehr davon sind offiziell in Planung.

Das ist ein Schuss nach hinten, der blind auf Quantität zielt im Trugschluss, damit Qualität zu verbessern.
So wird das aber nix.
(Mehr ...)
HiG - 1. Jun, 08:43

Ich warte auf die deutsche Krankenhausserie, die das thematisiert...

Da geht ja gewollt eine Schere auf. Auf der einen Seite Bettenabbau und "Arbeitsverdichtung" durch DRG's und intern durch Zertifizierung und LEP(um die nicht vorhandenen Kräfte besser verteilen zu können) und auf der anderen die Quantifizierung der Pflege, wo eine Qualifizierung nötig wäre (Ich möchte da nur an Problemfelder wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erinnern, siehe hierzu Martin W. Schnell, Christian Schulz, Christine Dunger, Mischa Möller. Zur Bedeutung und Gestaltung von Autonomie und Fürsorge am Lebensende. Ergebnisse einer Befragung im Rahmen einer Vignettenstudie. Pfl ege 2009; 22: 119–128). Aber da wird ja lieber über Opel nachgedacht als über das Gesundheitswesen.

nachtschwester - 1. Jun, 23:24

Leider haben wir keine gegenwartspolitischen Unterhaltungsserien, fällt mir dazu ein. Kein Jack Bauer, kein Michael Moore. Habe mich oft gefragt, wieso unser Fernsehen nicht bissiger, kritischer, realitätsnäher ist. Wobei die Pflege auch in den amerikanischen Krankenhausserien nicht vorkommt.
nina (Gast) - 2. Jun, 08:58

Die Situation wird niemandem gerecht, weder den zu pflegenden Menschen, noch dem pflegenden.
Verbale Attacken und suggerierte Schuldzuweisungen sind doch, durch fehlende Ausbildung oder Empatie bei desorientierten Patienten an der Tagesordnung. Mancher dieser verwirrten Menschen ist selbst tätlichen Angriffen durch die Pflege ausgesetzt. Da möchte man dann den "Kollegen" gerne auch mal so behandeln. Aber solange sich solches Verhalten immer noch in einer Grauzone bewegt, wird es nur still und leise diskutiert und weiter still geduldet. Der viel zitierte Stress durch die mangelnde Personaldichte muß als Erklärung dann mal wieder herhalten!
Das es einfach eine Frage der Menschlichkeit und der Ausbildung ist, dass wird hierbei so gerne vergessen.

nachtschwester - 3. Jun, 00:05

Professionelle Empathie kann man lernen, und wer sie nicht lernt, könnte in der Ausbildung wegselektiert werden. Auch später auf den Stationen habe ich Kontrolle vor Ort vermisst, Führung, Feedback und Konsequenzen. Ich habe oft gehört, im Team können nicht alle perfekt sein, Schwächere müssen eben mitgetragen werden, das sei schließlich der Sinn von Teamwork blablabla. Tatsächlich ist der Patient der Allerschwächste und Fehlverhalten des Pflegepersonals überhaupt nicht zu dulden. In einer besseren Welt.
HiG - 5. Jun, 14:09

Der vielzitierte Stress...

...existiert eben doch und ist gewollt. Durch die DRG's sind z. B. ca. 20% der Betten in Niedersachsen abgebaut worden. In Braunschweig heisst das dann 2-Standorte-Konzept(4 Kliniken werden zu zwei zusammengefasst, dabei sinkt die Bettenzahl von ca. 1600 auf 1400). Es sinken aber nicht die Fallzahlen, d. h. die Arbeit wird eben dichter, da die fehlenden 200 Betten über eine verkürzte Liegedauer reingeholt werden. Und wo früher A1/S1 Patienten den Arbeitsanfall senken halfen, gibt es eben kaum noch Tage, an denen Patienten A1/S1 sind. Und Frau Nachtschwester, unter Ihnen möchte ich eigentlich nicht arbeiten. Ich habe einige Patienten erlebt, die nicht die Allerschwächsten waren(der Privatpatient, der der schwangeren Krankenschwester den Schlüssel gab mit den Worten "mein Gepäck ist im schwarzen Mercedes dort hinten") und wer neu auf der IPS anfängt, braucht mindestens 1 Jahr, bis er ohne Fehlverhalten arbeitet. Ich für meinen Teil finde, dass eine Theorie der Pflege, wenn sie denn eine ist, selbstanwendbar sein muss(als Beispiel: Benner/Wrubel. Pflege, Streß und Bewältigung) . Und was für den Patienten gilt, muß auch für den Pflegenden Geltung haben. Fehler und Fehlverhalten gibt es jeden Tag. Es kommt darauf an, aus ihnen zu lernen und die gleichen Fehler nicht immer wieder zu machen.
nachtschwester - 5. Jun, 22:15

Der Privatpatient aus Ihrem Beispiel ist nicht schwach und nicht mein Thema und nicht das von Frau fragmente im verlinkten Beitrag. Und Fehlertoleranz im Intensivbereich einer Akutklinik ist wirklich kein Wert, für den ich eintreten würde.
Ich glaube trotzdem, Sie würden mit mir arbeiten wollen. Bei mir werden neue MA auf der Intensivstation 7 Monate lang intensiv geschult, begleitet, gespiegelt, praktisch, theoretisch und im Hinblick auf die Kommunikation. Danach sind sie in der Lage, Patienten im Rahmen der Routine mit weitgehend vorhersehbarem Krankheitsverlauf zu versorgen. (Das Konzept könnten Sie im August in Florenz kennenlernen, würde ihr Haus die Kosten übernehmen. Tut es sicher nicht, meins schon.) Für komplexe Krankheitsverläufe stehen für ein weiteres Jahr die alten Hasen in der Pflicht. Ich kann außerdem so viel Personal zur Verfügung stellen, dass sich Stress und Arbeitsverdichtung als Freifahrtschein für grundlegendes Fehlverhalten ausschließen. Mit anderen Worten, ich bemühe mich und werde von Dr. Boss darin unterstützt, für beste strukturelle Voraussetzungen für ordentliche Behandlungsqualität zu sorgen. Das ist finanzierbar, weil unsere Clinical Pathways die Entlassung nach nur zwei Dritteln der Verweildauer nach G-DRGs vorsehen, also durch Arbeitsverdichtung (die aber durch mehr Personal wieder vedünnt wird). Mortalität, IHI, Magnetfaktor und Patientenzufriedenheit liegen dagegen bei Cleveland.
Niemand zwingt sie, sich in Niedersachsen in einem System aufzureiben, das Sie nicht mittragen wollen und doch nicht ändern können. Es gibt gute Alternativen.
nina (Gast) - 7. Jun, 22:45

Ja, der Stress existiert! Aber wir lassen uns unsere Professionalität Stückweise wegnehmen! Nicht die verschiedenen Abrechnungssysteme sind der Grund, sondern die immer noch anwährende Lethargie in der Pflege, die aus einem nicht definierten Selbstbewußtsein herrührt! Unsere Arbeit kann man eben nicht in einem vier Wochenkurs lernen ! Jeder kennt schwierige Patienten und jeder hat Situationen erlebt, in denen das eigene Verhalten grenzwertig wurde. Auch durch eine zu hohe Belastung. Doch wird sind keine angelehrnten Pflegehilfskräfte, wir sind , oder sollten, gut ausgebildetes Pflegepersonal sein, welches seine Arbeit nicht aus einem Sumpf von Motivationen ausführt, sonder weil es seine Profession ist! Und wenn die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden, dann wird es doch Zeit sich gegen diese aufzulehnen! Aber das funktioniert leider nur selten, denn wir Pflegenden nehmen alles mit der oben genannten Lethargie hin! Wer sind wir denn schon?!
Und Fehler passieren jedem und stehen jedem zu. Doch auf deren Reflektion kommt es an! Immer nur ein Mäntelchen der Entschuldigungen darüber decken, dass wird niemanden gerecht! Ändert auch nichts an der Situation.
Und Frau Nachtschwester, ich würde mit ihnen arbeiten!

nachtschwester - 9. Jun, 23:18

Jawoll! :-)

Meine google News Seite gibt mir fast täglich ärztliche Verlautbarungen zu lesen, Ärztemangel, Vergütung im internationalen Vergleich zu schlecht etc. Jeder weiß, dass der Kittel in der Pflege im Vergleich viel mehr brennt, aber wir haben Medienpräsenz nicht gelernt und lernen sie auch jetzt nicht. Was zu tun ist, als Individuum, weiß ich auch nicht. DBfK, DGF und DPR scheinen mir einflusslos, die Berufsgruppe als Ganzes ist inhomogen, sich uneinig und nicht öffentlichkeitswirksam zu mobilisieren. Eine riesige Schafherde, die sich treiben lässt und dabei gegenseitig anblökt. Aus dem Gefühl der Ohnmacht heraus habe ich vor drei Jahren dieses Blog angefangen, ich dachte, mehr Klinikfremde sollen wissen, wie es in unseren Kliniken zugeht. Inzwischen bin ich sehr froh darüber, mich der ganzen Misere entzogen zu haben.
HiG - 26. Jun, 16:59

Punica-Oase...

Liebe Nachtschwester,

wenn ich Sie richtig verstanden habe, befinden Sie sich dort auf dem Balkan, inmitten der postsozialistischen Korruption in einem Pflegeparadies, das Sie selbst mit erschaffen haben. Mir geht es auf meiner Intensivstation ähnlich. Ich habe die Punica-Oase von innen her mit aufgebaut. Aber auch Sie sollten wissen, dass Expertenwissen nicht an einem Tag aufgebaut wird, und es gibt immer wieder Situationen, die neu sind und in denen man danebengreifen kann. Ich gestehe jedem Fehler zu. Denn (fast) nur aus Fehlern lernt man. Es geht, wie gesagt, darum neue Fehler zu machen und nicht immer wieder die gleichen. Wenn Sie eine Situation geschaffen haben, in der Neulinge so lange angeleitet und begleitet werden, bis sie ohne Fehlertoleranz perfekt allein arbeiten können, Glückwunsch. Und wenn ihre Personalsituation so ist, dass es erhöhten Arbeitsanfall mit Mindestbesetzungen nicht gibt, Glückwunsch. Aber das ist eben Punica-Oase.
Ich habe das Gejammer von manchen Kollegen auch satt. Aber ich bin in meiner Punica-Oase immer noch voller Zuversicht. Weil wir über die Jahre einiges verändert haben. Und das geht. Auch in Niedersachsen.

Elisabeth (Gast) - 8. Aug, 13:47

Och- das sehe ich nicht so verbissen. Wen interessiert denn außerhalb der Wände (und selbst hinter diesen ist pflegerisches Grundwissen eher mangelware) einer Intensivstation schon professionelles Wissen.
Pflege ist in D mittlerweile so gut konditioniert, dass sie Denken eher für überflüssig hät und lesen können als die wichtigste Grundeigenschaft erkennt. Denken ist ungünstig. Es könnte zum Hinterfragen von nicht selten dubiosen Dienstanordnungen der zuständigen PDLs und Anforderungen der allseits beliebten Kontrollinstitution: MDK. Wichtig ist die möglichst exakte Umsetzung von Drehbuchstandards und das regelmäßige Durchkreuzen (am besten im gewünschten Muster) diverser Checklisten.
Täglich wird vieltausendfach im Lande bewiesen: Pflegen kann jeder und das sogar im Akkord. Verbrauchte Pflege"maschinen" werden gegen neue- ev. noch besser funktionierende- Modelle ausgetauscht. Und alle machen mit.

Elisabeth


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