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Ein Land durchqueren im zweiten Gang

Kommen Sie nach Budva, essen Sie im Knez. Das Knez ist eine One-Man-Show in der Altstadt, der Herd steht im winzigen Gastraum mit drei Tischen, in der engen Gasse stehen noch mal zwei. Der Chef kocht und bedient. Frische Minze am Salat. Fabelhaft gewürzter Fisch. Groß.

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Ein paar Tage am Meer, war schön, irgendwelchen Postkartentext sich an dieser Stelle bitte selbst denken.

Viel mehr der Rede wert war die Fahrt dorthin. Die Straßen seien gar nicht so schlecht in Albanien, sagen Mitarbeiter, die schon mal zur montenegrinischen Küste durchgefahren sind. Jedenfalls nicht schlechter als im eigenen Land.

Hinterher nachgefragt war immer die Rede von anderen Strecken. Kann sein, dass wir mit einer groben Osteuropakarte, die auf unserer Route nur zwei albanische Ortschaften verzeichnete, ein bisschen naiv an die Sache herangingen, aber wir waren entspannt und ohne Termine und ausnahmsweise bereit, einen Weg als Ziel zu betrachten. Dennoch verblüfft, wie abrupt Straße und 21. Jahrhundert direkt hinter dem Grenzübergang abbrechen, selbst im Verhältnis zum Kosovo, von dessen Grenze hier die Rede ist. Die nächsten Stunden schlingerte ich das Pferdchen auf der teils noch nicht mal geschotterten Piste um Schlaglöcher herum, in denen Kinder schwimmen lernen könnten. Wackelige Holzbrücken. Frauen, die mit Wasserkanistern beladene Maultiere zu uralten Steinhäusern trieben. Bauern, die Wiesen mit der Sense mähten. Kinder, die uns von hohen Heuhaufen aus zuwinkten. Einmannbunker. Winzige Ansiedelungen, in denen uns Bewohner grüßten und Kinder hinterher liefen. Sensationelle Gebirgslandschaften. Das Gefühl großer Fremdheit. Ich weiß nicht viel über dieses Land, mal ein bißchen Kadare gelesen, dann den halben Kanun, dann sowas, die Türken kamen erst später, das ist Skanderbeg zu verdanken, die Italiener waren da, der Süden ist muslimisch, der Norden katholisch, das ist alles. Zu wenig fotografiert.

Bunker

Schließlich, ein Gewitter brach los und es wurde dunkel, nach einer halsbrecherischen Schlitterei eine steile, löcherige, kurvige Schlammpiste Richtung Kukes hinunter, tauchte plötzlich ein brandneues kleines Hotel an der Piste auf. Im Erdgeschoss eine Bar, alle Tische mit Männern besetzt. Stuck und Kitsch, Deckengemälde und Kronleuchter. Etwa wie das Cesar´s Palace in Vegas. Oder das Wüstenzelt aus der unglaublichen und traurigen Geschichte der unschuldigen Erendira und ihrer herzlosen Großmutter, surreal und fantastisch. Die Theke diente auch als Rezeption, ein magerer, beflissen deutsch sprechender Albaner führte uns in den ebenso pompösen Hotelteil und schloß ein Zimmer auf, ließ uns dann sich entschuldigend in Flur stehen, er müsse erst das Aggregat anstellen, es gebe hier kein Stromnetz. Erschien wieder, nun hatten wir Licht. Das Zimmer war sauber, achzehn Euro. Hier ist nur ein Klo, sagte der Begleiter. Wo ist die Dusche? - Dusche ist auch da, sagte der Albaner. Nein, ich meine, wo ist die Dusche? - Da ist Dusche, sagte der Albaner und zeigte auf den Brausekopf über der Toilette. Ach da. Der Fernseher funktioniere zwar technisch, leider habe man hier keinen Empfang.

Nach einer weiteren Fahrtstunde am nächsten Tag kam eine Art Straßenbelag zum Vorschein, wie wir ihn kennen. Es handelt sich hierbei um eine wichtige Überlandverkehrsader. Wir hätten an dieser Stelle z.B. eine A3.

Straße

Die Straße schraubte sich ins Gebirge hoch, eine fabelhafte Cabriostrecke, wären nicht die Löcher. Links die Felswand, rechts Panorama und Abgrund. In einer Haarnadelkurve parkte über einem besonders großen Schlagloch ein Mercedes, häufigste Automarke übrigens, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Eine Gruppe Menschen stand am Abgrund. Eine Frau trug Blumen. Danach fiel mir alle paar hundert Meter einen Grabstein am Straßenrand auf. Autoabstürze, dachten wir, später gelesen, es handele sich dabei um Opfer der Blutrache.

Zapfsäule

Bushäuschen

Mitten im Nichts auf irgendwelchen Passstraßen nichts Gutes ahnend von Polizisten gestoppt werden, die dann in ihrer Einöde bloß ein paar freundliche Sätze wechseln wollten. Ein ganz erstaunlicher Tag, an dessen Ende die Uhr bloß 200 zurückgelegte Kilometer anzeigte.
Christof Zachl (Gast) - 26. Mai, 09:41

Das kenn’ ich...

Nachdem meine letzte Reise in den Norden Albanies schon fast zwei Jahre zurückliegt, ist die Sehnsucht schon wieder recht groß...

grapf (Gast) - 26. Mai, 11:16

Sehr anschaulicher Bericht, macht Lust, sofort auf Ihren Spuren dorthin zu reisen!
Ich habe Albanien bisher nur einmal gesehen, durch einen Feldstecher von einem Berg am Ohrid-See aus, 1990, als man sich noch nicht recht vorstellen konnte, da jemals hin zu dürfen.
Den Straßenzustand und auch sonst so einiges konnte man in den 80ern auch im damaligen Yugoslavien erleben. Und lieben lernen!

rosmarin (Gast) - 28. Mai, 23:08

ich habe nur einmal die albanische küste durch ein fernglas von einem boot aus gesehen... und wollte doch schon immer einmal dieses land sehen.... in das mein grossvater in den fünfziger jahren mit einem koffer, leder verkaufend, einmarschiert ist (er musste die strecke vom bus über die grenze laufen, anders war's verboten).
ich beneide euch :-)

nachtschwester - 29. Mai, 00:17

Die Landschaft ist atemberaubend in ihrer Ursprünglichkeit. Wo immer wir gestoppt haben, wurden wir überbordend freundlich, aber nie aufdringlich gefragt, ob wir als Fremde Hilfe brauchen und bewirtet. Andere Reiseberichte, die ich im Netz gelesen habe, bestätigen das.
Trotzdem. Der Staat ist nicht da, die Mafia hält auch die alten Bestimmungen des Kanun auch in seinem Herzland, durch das wir ja gefahren sind, Kukes - Shkodra, nicht mehr ein, die Kriminalität nimmt im Norden ungehemmt zu, so eine unvorstellbare Gesetzlosigkeit herrscht da, ich würde bei aller Faszination höchstens wieder nur in einem Rutsch durchfahren. Und dann mit gemietetem Geländewagen statt mit dem eigenen Roadster. Das war so schwachsinnig wie Bergwandern gehen mit Louboutin am Fuß.
Aber im Süden und an der Küste sieht es wohl anders aus, alles, Straßenzustand und Sicherheitslage gelten als gut bereisbar.

Etosha (Gast) - 3. Jun, 10:18

Ein fabelhafter Bericht, tolle Fotos!

RokkerMur - 11. Jun, 00:51

Sieht aus wie die Pampa ;))

Tagesdosis

es sind immer die schönen...
es sind immer die schönen dinge, die uns passieren...
Breathless - 7. Dez, 07:32
Genau für solche...
Genau für solche Situationen wird Kaliumpermanganat...
nachtschwester - 6. Dez, 15:21
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Vor vielen Jahren bin ich bei Nacht in einen Graben...
croco (Gast) - 6. Dez, 14:17
Von Höhen und Tiefen
Am Wochenende mit den internationalen Ladies Who Lunch...
nachtschwester - 3. Dez, 23:42
Die Sache mit der Orientierung
Gewöhnungsbedürftig auch, dass in dieser...
nachtschwester - 30. Nov, 09:42
Urlaubbbbbb!
Urlaub! So ein magisches Wort. Ich kanns kaum abwarten...
Pepe Torres (Gast) - 26. Nov, 12:40
Hatte ich schon auf die...
Hatte ich schon auf die Liste der Optionen geschrieben....
nachtschwester - 24. Nov, 22:39
Wenn es schlecht geht,...
Wenn es schlecht geht, ganz schlecht, hilft immer :...
croco (Gast) - 24. Nov, 20:27

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