Farewell
Ich war eine Weile offline und habe verspätet erfahren, Opa Edi ist am 28. Januar verstorben.
Edi hatte mein eben geborenes Blog auf seinem Club der halbtoten Dichter empfohlen und ihm den ersten Schwung Leser verschafft. Auf dem fabelhaften CdhD hatte er seine erstaunliche Lebensgeschichte niedergeschrieben, daneben realisierte er beim Bloggen wie kein anderer das Community-Ding, wollte die Gesichter und Geschichten hinter dem Nick kennen, füllte die ganze anonyme Angelegenheit hier mit Herz und Seele, pflegte virtuelle Freundschaften und Familienstrukturen so wie reale, verknüpfte und kuppelte und hielt den Laden zusammen. Nicht gesund und in seinem Bewegungsradius eingeschraenkt holte er sich die Leute und ihre Geschichten auf den Bildschirm. "Ich war doch nur auf der Volksschule," sagte der ständig Nietzsche und Benn und Kant und Tucholsky zitierende Edi, "und was ich jetzt für Leute kenne, da bin ich schon stolz drauf." Ich habe ihn ein paar Mal auf der Reeperbahn besucht, fabelhafte Geschichten von Quarantäne in Singapur und von Wiener Nutten in einem Wüstenbordell an der Straße von Hormus und von der Gesellschaftsordnung auf den Kiribaten gehört, gute Lebensratschläge bekommen, viel gelacht und jedes Mal seinem Keramik-Buddha über die Glatze gestreichelt, das sollte Glück bringen.
Vor seinem Umzug zurück ins Allgäu im Juni 2007 ging es ihm so schlecht, dass er sich dem Tode nahe fühlte. Rechtsherzversagen wurde dem alten Kettenraucher und COPDisten von seinem Arzt nicht erklärt oder Edi wollte es nicht verstehen, nicht, dass es was geändert hätte. Er glaubte, das Wasser in den Beinen käme vom Bewegungsmangel infolge des Rheuma, und die Luftnot sei nur ein Zeichen fehlender Kondition. Beim Abschied hatte ich schon die recht bestimmte Ahnung, dass es kein Wiedersehen geben würde.
Edi erlitt im Oktober einen Schlaganfall, von dem er sich jedoch bis zum Jahresende weitgehend wieder erholt hatte. "Wie gut es mir doch geht" hat er am 21.01. noch hier kommentiert. Er starb nun zu Hause im Mittagsschlaf, die beste aller möglichen Varianten unter den gegebenen Umständen. Kurz darauf endete der Vertrag mit seinem Webhost, den er schon vor Monaten gekündigt hatte. Gleichzeitig hatte er auch alle Beiträge auf seinen beiden Blogs gelöscht. Die Anteilnahme seiner Leserfamilie nach dem Apoplex bewog ihn dann aber, weiter zu bloggen und die Blogs zu rekonstruieren. Bevor neobazi.net vorgestern abend vertragsgerecht endgültig vom Netz genommen wurde, hatte Edis Sohn seine handgeschriebene Verfügung online gestellt, wie mit seinen sterblichen Überresten verfahren werden solle. Edi wollte spurlos entsorgt werden. Auch wenn das eine Blog offline und das andere leer ist, ist ihm das in der virtuellen Welt nicht gelungen. Seine weisen oder auch himmelschreiend komischen Kommentare finden sich überall.
Edi hat in bescheidenen Verhältnissen ein reiches Leben geführt, die meisten Abenteuer erlebt, die bittersten Erfahrungen gemacht, das allergrößte Herz besessen und nie seinen Witz verloren. Der war von der allerbesten Sorte, nämlich frei von Bosheit. Na schön, vielleicht ging es ein bisschen auf Kosten von MCW, aber derhat förmlich danach geschrieen konnte das ab.
Danke an oldman, der die virtuelle Familie seit dem Apoplex auf dem Laufenden hielt und ein Kondolenzbuch online gestellt hat. Aufrichtiges Beileid an die echten Verwandten. Adieu, mein Opapst.
Edi hatte mein eben geborenes Blog auf seinem Club der halbtoten Dichter empfohlen und ihm den ersten Schwung Leser verschafft. Auf dem fabelhaften CdhD hatte er seine erstaunliche Lebensgeschichte niedergeschrieben, daneben realisierte er beim Bloggen wie kein anderer das Community-Ding, wollte die Gesichter und Geschichten hinter dem Nick kennen, füllte die ganze anonyme Angelegenheit hier mit Herz und Seele, pflegte virtuelle Freundschaften und Familienstrukturen so wie reale, verknüpfte und kuppelte und hielt den Laden zusammen. Nicht gesund und in seinem Bewegungsradius eingeschraenkt holte er sich die Leute und ihre Geschichten auf den Bildschirm. "Ich war doch nur auf der Volksschule," sagte der ständig Nietzsche und Benn und Kant und Tucholsky zitierende Edi, "und was ich jetzt für Leute kenne, da bin ich schon stolz drauf." Ich habe ihn ein paar Mal auf der Reeperbahn besucht, fabelhafte Geschichten von Quarantäne in Singapur und von Wiener Nutten in einem Wüstenbordell an der Straße von Hormus und von der Gesellschaftsordnung auf den Kiribaten gehört, gute Lebensratschläge bekommen, viel gelacht und jedes Mal seinem Keramik-Buddha über die Glatze gestreichelt, das sollte Glück bringen.
Vor seinem Umzug zurück ins Allgäu im Juni 2007 ging es ihm so schlecht, dass er sich dem Tode nahe fühlte. Rechtsherzversagen wurde dem alten Kettenraucher und COPDisten von seinem Arzt nicht erklärt oder Edi wollte es nicht verstehen, nicht, dass es was geändert hätte. Er glaubte, das Wasser in den Beinen käme vom Bewegungsmangel infolge des Rheuma, und die Luftnot sei nur ein Zeichen fehlender Kondition. Beim Abschied hatte ich schon die recht bestimmte Ahnung, dass es kein Wiedersehen geben würde.
Edi erlitt im Oktober einen Schlaganfall, von dem er sich jedoch bis zum Jahresende weitgehend wieder erholt hatte. "Wie gut es mir doch geht" hat er am 21.01. noch hier kommentiert. Er starb nun zu Hause im Mittagsschlaf, die beste aller möglichen Varianten unter den gegebenen Umständen. Kurz darauf endete der Vertrag mit seinem Webhost, den er schon vor Monaten gekündigt hatte. Gleichzeitig hatte er auch alle Beiträge auf seinen beiden Blogs gelöscht. Die Anteilnahme seiner Leserfamilie nach dem Apoplex bewog ihn dann aber, weiter zu bloggen und die Blogs zu rekonstruieren. Bevor neobazi.net vorgestern abend vertragsgerecht endgültig vom Netz genommen wurde, hatte Edis Sohn seine handgeschriebene Verfügung online gestellt, wie mit seinen sterblichen Überresten verfahren werden solle. Edi wollte spurlos entsorgt werden. Auch wenn das eine Blog offline und das andere leer ist, ist ihm das in der virtuellen Welt nicht gelungen. Seine weisen oder auch himmelschreiend komischen Kommentare finden sich überall.
Edi hat in bescheidenen Verhältnissen ein reiches Leben geführt, die meisten Abenteuer erlebt, die bittersten Erfahrungen gemacht, das allergrößte Herz besessen und nie seinen Witz verloren. Der war von der allerbesten Sorte, nämlich frei von Bosheit. Na schön, vielleicht ging es ein bisschen auf Kosten von MCW, aber der
Danke an oldman, der die virtuelle Familie seit dem Apoplex auf dem Laufenden hielt und ein Kondolenzbuch online gestellt hat. Aufrichtiges Beileid an die echten Verwandten. Adieu, mein Opapst.


zu spät
aber so ist das leben.
man komme einfach manchmal zu spät.
gute nacht
Um Hamburg mal richtig kennenzulernen, ist es aber zum Glück nicht zu spät. Nur los!