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Das Lächeln

Ein Patient mit end stage-DCM, schon im Nieren-und Leberversagen, mit blauroten Beinen und brüchiger Haut, die schon vom Ansehen aufplatzt, und zwanzig anderen Pflegediagnosen, die mich auf den ersten Blick anspringen, den man in Deutschland transplantiert oder so einer Schweinerei ausgesetzt hätte, aber hier gibt es noch nicht einmal eine gesetzliche Grundlage für Organspende, geschweige denn die nötige Logistik, und auch für Materialschlachten wie die verlinkte hätten wir zu wenig Logistik, außerdem zu viel Ethik. Und so baute der Boss, Bewunderer und Freund dieser lebenden Legende, in seiner eigenen atemberaubenden Modifikation dessen Technik, aus Teilen des alten Herzen des Patienten ein fast-wie-neues, in drei Tagen wird er mit den Physiotherapeuten über den Flur laufen und hat danach noch zwei gute Jahre.
Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Ich wollte erzählen, dass es Leute gibt, die wie dieser Mann, der seit Jahren mit einem Bein im Grab lebt, nach einer solchen Mammutprozedur, mit Schlauch im Hals und in der Nase, mit Beatmung, Pulmonox, Monitor, Vigileo, IABP und Hämodiafilter um sich herum und sicher nicht ohne Schmerzen, als erste Reaktion nach der Operation auf Ansprache die Augen langsam öffnen, das Gesicht zur Stimme suchen und finden, die fremde Hand, die ihre genommen hat, drücken, und den Mund um den Tubus herum ganz vorsichtig, um ihn nicht zu verschieben, zu einem freundlichen, schiefen, zahnlosen Lächeln verziehen, und dass mich das jedesmal umwirft und dass wir, die wir auf solchen Abteilungen arbeiten, für diese Leute alles, alles tun würden.
Jost (Gast) - 16. Jan, 08:58

Wenn ich mal krank werde, möchte ich zu Dir...

rosmarin (Gast) - 16. Jan, 19:25

ich bitte auch....
rafael (Gast) - 16. Jan, 13:46

seh eindrücklich!

Liebe Nachtschwester, ein sehr eindrücklicher kurzer Text, der einen guten Blick auf ein schwieriges Thema wagt!

Schwarzmaler - 16. Jan, 15:14

Noch mal mit entsetzen den Link zur Leichenfledderei gelesen - ist das wirklich so, das kann doch nicht Alltag sein? Muß oder kann man sich da rechtzeitig absichern? Ich kann zwar vorstellen, daß in der Hektik mal Fehlentscheidungen getroffen werden, aber ... Erschreckend ist auch, daß alle mitspielen wider besseren Wissens. Grundsätzlich hänge ich nicht am Leben, wenn es vorbei sein soll ist es vorbei - lieber ein schneller Tod als wochen- oder monatelang an Maschinen zu hängen. Vielleicht muß ich mich wirklich um eine Patientenverfügung kümmern, ich habe schon mal im Scherz gesagt ich ließe mir "Nicht wiederbeleben" quer über die Brust tätowieren.
nachtschwester - 16. Jan, 19:11

Alltag ist das nicht, aber wer in großen Zentren arbeitet, kennt das. Wo alle technischen Möglichkeiten vorhanden sind, liegt es nahe, sie auch einzusetzen. Und wenn eine so große Materiallawine schon rollt, kann sie nur von ganz Wenigen ganz oben gestoppt werden, so sind die Strukturen.
Patientenverfügung ist ein Muss, ebenso wie der Organspendeausweis (man kann auch "Nein" ankreuzen, aber man sollte sich dazu äußern). Beide sind rechtlich bindend, sofern sie im Ernstfall gefunden werden, bevor die Mühlen zu mahlen anfangen wie z.B. hier. Die Idee mit dem Tattoo hatten wir auch schon :-)
Niwi - 16. Jan, 22:02

Arge Situationsbeschreibung!
Kann ich aber gut nachvollziehen.

neo-bazi - 21. Jan, 21:53

Zunächst konnte ich das gar nicht lesen. Nun kann ich sogar die links verfolgen. Wie gut es mir doch geht!

nachtschwester - 22. Jan, 21:20

Links folgen können weist auf anständig verlinkte Neurone hin. Ich freue mich für dich, Opaschatz.

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