Personalsachen, heute: Habt doch Mitleid
Krankenschwester:
Ich lese. höre und sehe ständig ständig von Ihrer zeitgemäßen Arbeit Ihre Patienten sind sehr glücklich und zufrieden. Ich arbeite seit 10 Jahren ohne Sozialversicherung. Beim letzten Auswahlverfahren wurde ich nicht angenommen, weil ich (der Direktor hat es mir gesagt) nicht in der Partei aktiv bin. Das heißt, niemand schätzt meine Arbeit und die langjährigen Bemühungen in der Einrichtung, in der ich arbeite.
Wie in Deutschland ist jedes Arbeitsverhältnis per Gesetz sozialversicherungspflichtig. Außer dem Boss hält sich kaum ein Arbeitgeber daran. Die Bewerberin arbeitet bei einem öffentlichen Arbeitgeber, einem städtischen Krankenhaus. Wie viele Angestellte kennt sie ihre Rechte nicht oder glaubt, keine Handhabe zu haben, Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, kein Geld für einen Anwalt, und selbst wenn, dauern Gerichtsverfahren in der ersten Instanz bis zu 10 Jahre, finden die Verantwortlichen eine einflussreiche Bezugsperson in der Politik und bleiben ungeschoren. Das ist schlimm, leider können wir genau solche adynamen Opfercharaktere nicht gebrauchen.
Ich lese. höre und sehe ständig ständig von Ihrer zeitgemäßen Arbeit Ihre Patienten sind sehr glücklich und zufrieden. Ich arbeite seit 10 Jahren ohne Sozialversicherung. Beim letzten Auswahlverfahren wurde ich nicht angenommen, weil ich (der Direktor hat es mir gesagt) nicht in der Partei aktiv bin. Das heißt, niemand schätzt meine Arbeit und die langjährigen Bemühungen in der Einrichtung, in der ich arbeite.
Wie in Deutschland ist jedes Arbeitsverhältnis per Gesetz sozialversicherungspflichtig. Außer dem Boss hält sich kaum ein Arbeitgeber daran. Die Bewerberin arbeitet bei einem öffentlichen Arbeitgeber, einem städtischen Krankenhaus. Wie viele Angestellte kennt sie ihre Rechte nicht oder glaubt, keine Handhabe zu haben, Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, kein Geld für einen Anwalt, und selbst wenn, dauern Gerichtsverfahren in der ersten Instanz bis zu 10 Jahre, finden die Verantwortlichen eine einflussreiche Bezugsperson in der Politik und bleiben ungeschoren. Das ist schlimm, leider können wir genau solche adynamen Opfercharaktere nicht gebrauchen.


Ist es nicht unglaublich schwierig, in einer Gesellschaftsstruktur wie bei Dir tatsächlich Eigendynamik zu entwickeln ? Sind Deine ganzen süßen Mädchen nicht auch alle solche Menschen ? Und muß gesellschaftliche Veränderung nicht wachsen ?
Jemanden abzustempeln, weil er normales Mitglied einer Gesellschaft ist, finde ich ganz schön hart. Auf der anderen Seite kann ich gut verstehen, daß Du auch irgendwann genug hast vom ganzen Drumherum und auch den Weg des geringsten Widerstandes -- nämlich mit von sich aus dynamischen Menschen -- gehen willst. Ob das aber wiederum dynamisch ist ;-)
Ich verstehe die Situation der Leute sehr gut, ich lebe ja mit ihnen. Viele hängen schuld- und hilflos in den klebrigen Geflechten aus Familienclans, Parteiverbindungen und Bestechung fest. Viele andere nicht. Warum das so ist, interessiert mich nur privat. Beim Durchsehen all dieser Eingänge geht ja nicht darum, jemanden als Person zu verurteilen, sondern darum, ob er in unsere Klinik passen könnte, ob er uns nützen kann für unsere Entwicklungspläne. Und da passen die 25jährigen mit Hochschulabschluss, Sprachen und Computerkenntnissen und Auslandspraktika, die hier frisch und positiv und voller Tatendrang ankommen, besser. Oder gerne auch jemand, der lange in einer staatlichen Einrichtung gearbeitet hat, Alter egal, wenn er sich in dieser Zeit entwickelt hat und Ambitionen erkennbar sind.
Von beiden kommen neuerdings immer mehr, da zeichnet sich ein Generationswechsel, also gesellschaftliche Veränderung, deutlich ab.