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1001 Nacht

Ich treffe nicht oft Menschen, denen ich mich wirklich verbunden fühle, und wenn, sind sie auch in Bewegung. Es gibt so ein verworrenes Streckennetz, auf dem jeder von einem anderen A zu einem anderen B fährt, manche steigen zu, man selbst aus, dann woanders ein, und ich bin nicht so gut darin, Kontakte zu pflegen nach dem Verabschieden und Umsteigen, und so gehen sie mir verloren.

Und als ich heute auf dieser Veranstaltung, auf der es von meist nichtssagenden alten Bekanntschaften wimmelt, eine Rolltreppe hochfuhr, und an mir vorbei jemand runterfuhr, plötzlich wild gestikulierte und die abfahrenden Stufen wieder hochrannte wie im Film, was war das eine Freude! Dass er sich auch so freute! Derselbe kluge, herzliche, allürenfreie Kerl, auch nachdem er sich inzwischen die ganze uniklinische Tretmühle hochgebissen hat bis zur Habil. Ist das wirklich schon, wie lange, sechs, acht Jahre her?! Gerade neulich habe ich an dich gedacht, weißt du noch, der Turnus im Gyn-OP, die Drillings-Sectio, und gleich danach Zwillinge, und nochmal Zwillinge! Und die Frau mit den Drillingen erzählte, das war die 9. nach 8 vergeblichen IVFs, und sie wollte danach schon resignieren und hatte in der Zwischenzeit schon auf Erzieherin umgeschult vor lauter Kindernarrheit, wenn es denn keine eigenen sein sollten... Und nachdem sie Monate der Risikoschwangerschaft in der Klinik verbracht hatte, und am diesem Morgen wieder Wehen, entschied man, die Kinder seien reif, die Logistik war schnell organisiert, die Spinale saß, die Frau war ansteckend glücklich, bloß ihr Gatte steckte im Stau. Zwischendurch weinte sie ein paar Tränen aus Mitleid, weil er diesen Moment verpassen würde, den beide so lange erwünscht hatten, und hielt statt dessen deine und meine Hände. Und dann kamen die Kinder, alle lebensfrisch und brüllend und von solidem Gewicht, die Mutter lachend und weinend und von einer raumfüllenden und sich auf alle Anwesenden übertragenden Glückseligkeit, und am Ende, als ihr Mann endlich eingetroffen war, die Gynäkologen nähten die letzten Stiche, unsere Hände drückend und, wieder unter Tränen, sich nicht für die Anästhesie, sondern die herzliche Gesellschaft bedankend. Und wir sagten später, das war der Tag, an dem wir zusammen in viereinhalb Stunden sieben Kinder bekommen haben.

Apropos: die Nachtschwester ist heute eintausendundeine Nacht online. Ich habe nicht mehr so viel Zeit für sie, aber 1001 ist für mich schon ein erstaunliches Kontinuum, in Anbetracht der Streckenführung.

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