Fest der Liebe
Ein Freund, ein Arzt albanischer Herkunft, B., heiratete seine Langzeitverlobte aus Tirana, in einem Hotel an diesem Stausee:

Die 150 Jahre alte Nikolai-Kirche war seit dem Bau des Staudamms bis auf die Turmspitze überflutet, seit einer Weile sinkt der Pegel dramatisch. Die Leute sagen, Gottes Macht und der heilige Nikolaus verhindert, dass sie in den Fluten verschwindet. Die Mutter meiner Freundin V., die in dem Ort aufgewachsen ist, sagt, die Kraftwerksbetreiber lassen heimlich Wasser ab und verkaufen den Strom schwarz nach Albanien. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ein albanischer Bisnismen hat viel Geld in die Hand genommen und ein altes sozialistisches Erholungsheim in ein New York-London-Tokio-taugliches Designhotel transformiert, wie es das Land noch nie gesehen hat, ohne Folkloreschnickschnack, mit Seeblick, offenen Kaminen und Hot Tubs auf den Zimmern, mit Spa-Center, eigener Skipiste und internationaler Cuisine.
Die Hochzeitsgesellschaft traf verspätet ein, man hatte tagsüber in Tirana gefeiert und sich dann fünf Stunden über schlechte Wege zur zweiten Veranstaltung im anderen Land begeben. Die Bräutigamseltern untadelige Gastgeber, die sich die Strapaze nicht anmerken ließen, gläubige Moslems, die die andersgläubigen Gäste mit Champagner und erlesenen Weinen versorgten. Unglaubliche Frisuren, noch dramatischere Garderoben, mehr falsche Wimpern und sichtbare BH-Träger als bei den Hochzeiten der anderen Ethnie, zu denen ich bisher geladen war.
Es war eine kleine Hochzeit mit nur 90 Gästen. Ich weiß nicht, wie sie sich vor den 400 rechtfertigen wollen, die sie nicht eingeladen haben, sorgte sich mein Tischnachbar, ebenfalls albanischer Herkunft. Die Bräutigamsmutter kam an den Tisch und erklärte, die Familie der Braut sei alt und angesehen, alles Doktoren und Professoren. Obwohl ich weiß, dass die Romantik dieser Beziehung für B. eine große Rolle spielte, hatte die Eheschließung, schon die Verlobung vor zwei Jahren, strategische Aspekte einer Firmenfusion. Der Anlass der Hochzeit zeichnete sich unter dem distalen Rand der Corsage des Brautkleids deutlich ab. Die Braut, Wirtschaftswissenschaftlerin, werde auch nach der Legalisierung ihres Zustandes noch bei ihrer Familie in Tirana bleiben, das finde ich erstaunlich. Ich verstehe so viele Dinge noch nicht.
Nach dem Essen und nach den ersten Runden Oro, in welchem sich A., der Bräutigamsvater, den ich als klugen und besonnenen älteren Herrn kennengelernt hatte, durch besondere Ausgelassenheit und Gelenkigkeit hervortat, und während ich langsam emotional wurde vom Wein und der Atmosphäre und Kultur dieser ganzen Veranstaltung, sprang A. auf die Bühne, schnappte sich die E-Gitarre, sang erst Soldier of Fortune und dann einige slawische Volkslieder, auf der Hochzeit seines albanischen Sohnes mit einer albanischen Frau, auf welcher höchstens zwei Dutzend slawische Gäste zugegen waren, die andere Ethnie, mit der man erst seit 6,7 Jahren in fragilem Frieden lebt und sich um die knappen Ressourcen im Land streitet. "Wir leben seit Jahrhunderten zusammen", sagte mein slawischer Tanzpartner. "Wir singen dieselben Melodien und tanzen dieselben Tänze." Was für Menschen, was für eine Kultur. Ich fühle mich reich.

Die 150 Jahre alte Nikolai-Kirche war seit dem Bau des Staudamms bis auf die Turmspitze überflutet, seit einer Weile sinkt der Pegel dramatisch. Die Leute sagen, Gottes Macht und der heilige Nikolaus verhindert, dass sie in den Fluten verschwindet. Die Mutter meiner Freundin V., die in dem Ort aufgewachsen ist, sagt, die Kraftwerksbetreiber lassen heimlich Wasser ab und verkaufen den Strom schwarz nach Albanien. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ein albanischer Bisnismen hat viel Geld in die Hand genommen und ein altes sozialistisches Erholungsheim in ein New York-London-Tokio-taugliches Designhotel transformiert, wie es das Land noch nie gesehen hat, ohne Folkloreschnickschnack, mit Seeblick, offenen Kaminen und Hot Tubs auf den Zimmern, mit Spa-Center, eigener Skipiste und internationaler Cuisine.
Die Hochzeitsgesellschaft traf verspätet ein, man hatte tagsüber in Tirana gefeiert und sich dann fünf Stunden über schlechte Wege zur zweiten Veranstaltung im anderen Land begeben. Die Bräutigamseltern untadelige Gastgeber, die sich die Strapaze nicht anmerken ließen, gläubige Moslems, die die andersgläubigen Gäste mit Champagner und erlesenen Weinen versorgten. Unglaubliche Frisuren, noch dramatischere Garderoben, mehr falsche Wimpern und sichtbare BH-Träger als bei den Hochzeiten der anderen Ethnie, zu denen ich bisher geladen war.
Es war eine kleine Hochzeit mit nur 90 Gästen. Ich weiß nicht, wie sie sich vor den 400 rechtfertigen wollen, die sie nicht eingeladen haben, sorgte sich mein Tischnachbar, ebenfalls albanischer Herkunft. Die Bräutigamsmutter kam an den Tisch und erklärte, die Familie der Braut sei alt und angesehen, alles Doktoren und Professoren. Obwohl ich weiß, dass die Romantik dieser Beziehung für B. eine große Rolle spielte, hatte die Eheschließung, schon die Verlobung vor zwei Jahren, strategische Aspekte einer Firmenfusion. Der Anlass der Hochzeit zeichnete sich unter dem distalen Rand der Corsage des Brautkleids deutlich ab. Die Braut, Wirtschaftswissenschaftlerin, werde auch nach der Legalisierung ihres Zustandes noch bei ihrer Familie in Tirana bleiben, das finde ich erstaunlich. Ich verstehe so viele Dinge noch nicht.
Nach dem Essen und nach den ersten Runden Oro, in welchem sich A., der Bräutigamsvater, den ich als klugen und besonnenen älteren Herrn kennengelernt hatte, durch besondere Ausgelassenheit und Gelenkigkeit hervortat, und während ich langsam emotional wurde vom Wein und der Atmosphäre und Kultur dieser ganzen Veranstaltung, sprang A. auf die Bühne, schnappte sich die E-Gitarre, sang erst Soldier of Fortune und dann einige slawische Volkslieder, auf der Hochzeit seines albanischen Sohnes mit einer albanischen Frau, auf welcher höchstens zwei Dutzend slawische Gäste zugegen waren, die andere Ethnie, mit der man erst seit 6,7 Jahren in fragilem Frieden lebt und sich um die knappen Ressourcen im Land streitet. "Wir leben seit Jahrhunderten zusammen", sagte mein slawischer Tanzpartner. "Wir singen dieselben Melodien und tanzen dieselben Tänze." Was für Menschen, was für eine Kultur. Ich fühle mich reich.

