Ich arbeite z. B. auch mit Nanda-Pflegediagnosen, die man gut zu Pflegeplanungen umformulieren kann. Die Nanda-Pflegediagnose "Vermindertes intrakranielles Anpassungsvermögen" ist fast eine exemplarische Beschreibung des minimal handling-Konzeptes bei neurologisch/neurochirurgischen Patienten. Aber bei vielen Pflegediagnosen muß man den anglo-amerikanisch kulturellen Hintergrund berücksichtigen und sich fragen, wie man das auf europäische Verhältnisse übertragen kann. Das gleiche Problem werden Sie dort auch haben. Ich stelle mir ihre Arbeit als sehr schwer vor. Zum einen wird natürlich die Arbeit im Krankenhaus durch die vorherrschenden Rollenmuster bestimmt, zum anderen läuft man Gefahr, kulturimperialistisch aufzutreten. Agnes Karll auf dem Balkan.
Nun stellen Sie sich vor, ich wollte dort mit NANDA anfangen. Ich lasse es und versuche eher, ENP passend zu machen. Das wird dadurch erschwert dass es keine relevante Ausbildung gibt und auch keine landessprachliche Literatur, der Sprachraum ist zu klein, ich schreibe alles selber. Die neue Hochschule lockt mit ETCS und angeblicher internationaler Anerkennung, kassiert dafür hohe Studiengebühren und die Studentinnen müssen ihren Dozenten deren grottenschlechte Bücher abkaufen, in welchen Literatur nicht nach 1985 zitiert wird. Da steht z.B. drin, man verhüte Dekubiti, indem man Patienten vor dem Schlafengehen mit Alkohol einreibt und danach pudert. Die korrekte Lage einer Magensonde kontrolliere man, indem man einen Spiegel vor das offene Ende hält. Hach, ich kann Ihnen sagen. Jedenfalls, NANDA, das unpassendste System, wird gelehrt, ICNP, ACENDIO, ENP etc. sind nicht bekannt.
So schwer ist das aber alles gar nicht, schließlich tun und glauben die Kätzchen, was man ihnen sagt. Diskutieren oder Neinsagen lernen sie frühestens in der nächsten Generation.
Clash of cultures...
So schwer ist das aber alles gar nicht, schließlich tun und glauben die Kätzchen, was man ihnen sagt. Diskutieren oder Neinsagen lernen sie frühestens in der nächsten Generation.