Im 21. Jahrhundert...
...ist die Liberalisierung der Gesellschaft auch hier so weit vorangeschritten, dass man durchaus schon ein paar Wochen vor der Hochzeit zusammen ziehen kann, das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt. Dann lassen die Ipod- und Blackberry-tragenden, ambitionierten und in Privatunternehmen gut verdienenden Paare die neue gemeinsame Wohnung und eine bestimmte Menge Mehl von einem Popen segnen, backen 40 Tage später aus dem gesegneten Mehl Brote und bringen sie in die Kirche.
Am Mittwoch verstarb der 80jährige Konrad Adenauer dieser Republik, der seinerzeit erste demokratisch gewählte Premierminister. Ich habe ihn vor ein paar Jahren kennengelernt. Der Boss operierte damals noch alleine vier bis fünf Herzen am Tag, wenn ich dort war, rief er danach an - Nachtschwester, wo bist du, wir gehen essen! Ins Restaurant kamen immer Politiker, Journalisten, Architekten und Firmenvertreter, weil der Boss tagsüber keine Zeit für Meetings hatte. Ich hatte keine Ahnung, wer der freundliche alte Herr war, mit dem ich mich eines Abends sehr angenehm unterhielt und der für mich sein bestes Kroatisch sprach, und fragte nach einer Weile, in welchem Verhältnis er denn zum Boss stehe? Er sei ein väterlicher Freund, sagte er bloß und verabschiedete sich um 22 Uhr, weil er seine Gattin abends nicht gern allein ließ. Tatsächlich hatte er die Privatisierung des Gesundheitswesens und insbesondere den Boss gegen unbeschreibliche Widerstände unterstützt.
Vorgestern wurde er beerdigt, ich sollte sechs Mitarbeiter zur Kranzniederlegung auswählen. Zwei lehnten ab, sie seien verlobt, und wenn eine Hochzeit anstehe, dürfe man nicht auf Trauerfeiern gehen. Und umgekehrt neun Monate nach einem Trauerfall in der Familie nicht heiraten. Das wusste ich schon von meiner Freundin V., die ihren Bergsteiger bisher nur standesamtlich heiraten konnte, nachdem im September sein Großvater und im Oktober ihr Onkel gestorben war. Hoffentlich erlebt sein leukämiekranker Vater den geplanten kirchlichen Hochzeitstermin im Juni, stirbt er vorher, wird es dieses Jahr wieder nichts mit dem Segen der Kirche. Dabei ist der unverzichtbar, wenn die Ehe halten soll.
Andererseits ist es in manchen Regionen des Landes Brauch, die Braut am Tag nach der Hochzeit auf den Friedhof zu führen, um sie den Vorfahren des Bräutigams vorzustellen. Die Christustaufe vorgestern hatte ich noch gar nicht erwähnt. Verkehrschaos in der Innenstadt vorgestern nicht nur wegen der erwähnten Staatstrauerfeier, sondern auch wegen alljährlichen feierlichen Inswasserwerfens von Holzkreuzen.
All das in einer dreckigen, hektischen Stadt aus bröckelnden Hochhäusern und atemlosem Wirtschaftsaufschwung, die die Verwurzelung ihrer Bewohner in Bräuchen und Aberglauben nicht ahnen lässt.
Am Mittwoch verstarb der 80jährige Konrad Adenauer dieser Republik, der seinerzeit erste demokratisch gewählte Premierminister. Ich habe ihn vor ein paar Jahren kennengelernt. Der Boss operierte damals noch alleine vier bis fünf Herzen am Tag, wenn ich dort war, rief er danach an - Nachtschwester, wo bist du, wir gehen essen! Ins Restaurant kamen immer Politiker, Journalisten, Architekten und Firmenvertreter, weil der Boss tagsüber keine Zeit für Meetings hatte. Ich hatte keine Ahnung, wer der freundliche alte Herr war, mit dem ich mich eines Abends sehr angenehm unterhielt und der für mich sein bestes Kroatisch sprach, und fragte nach einer Weile, in welchem Verhältnis er denn zum Boss stehe? Er sei ein väterlicher Freund, sagte er bloß und verabschiedete sich um 22 Uhr, weil er seine Gattin abends nicht gern allein ließ. Tatsächlich hatte er die Privatisierung des Gesundheitswesens und insbesondere den Boss gegen unbeschreibliche Widerstände unterstützt.
Vorgestern wurde er beerdigt, ich sollte sechs Mitarbeiter zur Kranzniederlegung auswählen. Zwei lehnten ab, sie seien verlobt, und wenn eine Hochzeit anstehe, dürfe man nicht auf Trauerfeiern gehen. Und umgekehrt neun Monate nach einem Trauerfall in der Familie nicht heiraten. Das wusste ich schon von meiner Freundin V., die ihren Bergsteiger bisher nur standesamtlich heiraten konnte, nachdem im September sein Großvater und im Oktober ihr Onkel gestorben war. Hoffentlich erlebt sein leukämiekranker Vater den geplanten kirchlichen Hochzeitstermin im Juni, stirbt er vorher, wird es dieses Jahr wieder nichts mit dem Segen der Kirche. Dabei ist der unverzichtbar, wenn die Ehe halten soll.
Andererseits ist es in manchen Regionen des Landes Brauch, die Braut am Tag nach der Hochzeit auf den Friedhof zu führen, um sie den Vorfahren des Bräutigams vorzustellen. Die Christustaufe vorgestern hatte ich noch gar nicht erwähnt. Verkehrschaos in der Innenstadt vorgestern nicht nur wegen der erwähnten Staatstrauerfeier, sondern auch wegen alljährlichen feierlichen Inswasserwerfens von Holzkreuzen.
All das in einer dreckigen, hektischen Stadt aus bröckelnden Hochhäusern und atemlosem Wirtschaftsaufschwung, die die Verwurzelung ihrer Bewohner in Bräuchen und Aberglauben nicht ahnen lässt.

