Das Trinklied vom Jammer der Erde (nach Li-Tai-Po)
Schon winkt der Wein im gold'nen Pokale,
Doch trinkt noch nicht, erst sing' ich euch ein Lied!
Das Lied vom Kummer
Soll auflachend in die Seele euch klingen.
Wenn der Kummer naht,
Liegen wüst die Gärten der Seele,
Welkt hin und stirbt die Freude, der Gesang.
Dunkel ist das Leben, ist der Tod.
Herr dieses Hauses!
Dein Keller birgt die Fülle des goldenen Weins!
Hier, diese Laute nenn' ich mein!
Die Laute schlagen und die Gläser leeren,
Das sind die Dinge, die zusammen passen.
Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit
Ist mehr wert, als alle Reiche dieser Erde!
Dunkel ist das Leben, ist der Tod.
Das Firmament blaut ewig, und die Erde
Wird lange fest steh'n und aufblühn im Lenz.
Du aber, Mensch, wie lang lebst denn du?
Nicht hundert Jahre darfst du dich ergötzen
An all dem morschen Tande dieser Erde!
Seht doch hinab! Im Mondschein auf den Gräbern
Hockt eine wild-gespentische Gestalt!
Ein Aff ist's! Hört ihr, wie sein Heulen
Hinausgellt in den süssen Duft des Lebens!
Jetzt nehmt den Wein! Jetzt ist es Zeit, Genossen!
Leert eure gold'nen Becher zu Grund'
Dunkel ist das Leben, ist der Tod!
Als ich versuchte, mir das Haus der Großeltern vorzustellen, welches so nicht mehr existiert, kam mir auch der ältere Herr von nebenan in den Sinn. Der hörte 6 Wochen lang Tag und Nacht die Messa da Requiem von Verdi, nach dem ihn eine seiner Freundinnen verlassen hatte. Sehr dramatisch. Er hat mich aber auch in das Werk Gustav Mahlers eingeführt, und beim Blättern in der Handbibliothek lese ich bei Adorno über „Das Lied von der Erde“: „...An der Utopie hält Mahlers Musik fest in den Erinnerungsspuren der Kindheit, die scheinen als ob allein um ihretwillen zu leben sich lohnte. Aber nicht weniger authentisch ist ihm das Bewußtsein, daß dies Glück verloren ist und erst als verlorenes zum Glück wird, das es so nie war. ... ...Die jeunes filles en fleurs von Balbec sind die chinesischen Mahlers, die Blumen pflücken. Das Ende des Gesangs von der Schönheit, der Klarinetteneinsatz des Nachspiels. ... findet die Zeit wieder als unwiederbringliche. Bei beiden stellen fesselloses Glück und fessellose Schwermut ihre Scharade; im Bilderverbot über die Hoffnung hat diese ihre letzte Stätte. Die aber ist bei beiden die Kraft, das Vergessene zu nennen, das sich im Erfahrenen verbirgt. Wie Proust hat Mahler seine Idee aus der Kindheit errettet. ...“
Welches Vergessen verbirgt sich im Erinnerten?
Schon winkt der Wein im gold'nen Pokale,
Doch trinkt noch nicht, erst sing' ich euch ein Lied!
Das Lied vom Kummer
Soll auflachend in die Seele euch klingen.
Wenn der Kummer naht,
Liegen wüst die Gärten der Seele,
Welkt hin und stirbt die Freude, der Gesang.
Dunkel ist das Leben, ist der Tod.
Herr dieses Hauses!
Dein Keller birgt die Fülle des goldenen Weins!
Hier, diese Laute nenn' ich mein!
Die Laute schlagen und die Gläser leeren,
Das sind die Dinge, die zusammen passen.
Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit
Ist mehr wert, als alle Reiche dieser Erde!
Dunkel ist das Leben, ist der Tod.
Das Firmament blaut ewig, und die Erde
Wird lange fest steh'n und aufblühn im Lenz.
Du aber, Mensch, wie lang lebst denn du?
Nicht hundert Jahre darfst du dich ergötzen
An all dem morschen Tande dieser Erde!
Seht doch hinab! Im Mondschein auf den Gräbern
Hockt eine wild-gespentische Gestalt!
Ein Aff ist's! Hört ihr, wie sein Heulen
Hinausgellt in den süssen Duft des Lebens!
Jetzt nehmt den Wein! Jetzt ist es Zeit, Genossen!
Leert eure gold'nen Becher zu Grund'
Dunkel ist das Leben, ist der Tod!
Als ich versuchte, mir das Haus der Großeltern vorzustellen, welches so nicht mehr existiert, kam mir auch der ältere Herr von nebenan in den Sinn. Der hörte 6 Wochen lang Tag und Nacht die Messa da Requiem von Verdi, nach dem ihn eine seiner Freundinnen verlassen hatte. Sehr dramatisch. Er hat mich aber auch in das Werk Gustav Mahlers eingeführt, und beim Blättern in der Handbibliothek lese ich bei Adorno über „Das Lied von der Erde“: „...An der Utopie hält Mahlers Musik fest in den Erinnerungsspuren der Kindheit, die scheinen als ob allein um ihretwillen zu leben sich lohnte. Aber nicht weniger authentisch ist ihm das Bewußtsein, daß dies Glück verloren ist und erst als verlorenes zum Glück wird, das es so nie war. ... ...Die jeunes filles en fleurs von Balbec sind die chinesischen Mahlers, die Blumen pflücken. Das Ende des Gesangs von der Schönheit, der Klarinetteneinsatz des Nachspiels. ... findet die Zeit wieder als unwiederbringliche. Bei beiden stellen fesselloses Glück und fessellose Schwermut ihre Scharade; im Bilderverbot über die Hoffnung hat diese ihre letzte Stätte. Die aber ist bei beiden die Kraft, das Vergessene zu nennen, das sich im Erfahrenen verbirgt. Wie Proust hat Mahler seine Idee aus der Kindheit errettet. ...“