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HiG (Gast) - 1. Nov, 09:58

Strukturwandel. die Dritte

Das „Turfen“ von Patienten hat es bei uns (Krankenhaus der Maximalversorgung, 1600 Betten) auch in den prä-DRG-Zeiten nicht gegeben.
Aber um den Bericht aus der Gesundheitwirtschaft noch einmal zu beleuchten:
Ich bin in meiner Pflegeausbildung mit dem Werk von Hilde Steppe (Krankenpflege im Nationalsozialismus) in Berührung gekommen. Das hat mich nachhaltig geprägt. Denn es hat im Nationalsozialismus z. B. Schwestern gegeben, die Behinderten auf Arztanordnung tödliche Dosen Luminal gaben und dabei vorher die Einstichstelle desinfizierten. Ich mache nichts, von dem ich meinem Rechtsempfinden nach nicht überzeugt bin.
Wir leben heute in einem Rechtsstaat. Und wenn der weisungsbefugte Erfüllungsgehilfe seine Arbeitsleistung nicht sach- und fachgerecht erbringt, habe ich ein Zurückbehaltungsrecht meiner Arbeitskraft. Bei mir hätte dieser Oberarzt alleine extubiert. Und die Umstände dieser Extubation wären von mir ganz sachlich im Pflegebericht beschrieben worden. Solche Leute müssen spüren, das ihr Verhalten Konsequenzen haben kann. Und wenn der pflegerische Dienst eine Kultur hat, in der ein solches Verhalten nicht geduldet und mitgetragen wird, kann ich mir vorstellen, dass sich selbst ein Oberarzt so nicht benehmen kann. Und wenn es diese Kultur nicht gibt, dann muss man daran arbeiten. Wir sind nicht auf der Welt, um glücklich zu sein. Sondern dass das Leid weniger wird.
Noch eins. Zivilcourage. Ich erinnere an den Hubschrauberpiloten Hugh Thompson, der das Massaker von My Lai beendete, in dem er zu den amerikanischen Soldaten, die dabei waren, Zivilisten zu erschießen, sagte: „Hier wird nicht mehr geschossen. Oder meine Doorgunner schießen auf euch.“

nachtschwester - 1. Nov, 11:02

Ach, HiG, die Stimme der Vernunft. Ich bin kein Kind dieses Hauses; ich diskutiere, verweise auf meine Durchführungsverantwortung, ich delegiere zurück, was ich nicht vertreten kann, verweigere Assistenz, ich dokumentiere, ich melde ans Risiko- und Beschwerdemanagement und meine Vorgesetzten, ich ziehe Konsequenzen und verlasse das Haus. Das gibt das Gefühl, persönlich keine Schuld zu tragen, ändern tut es nichts. "Anderswo ist es noch schlimmer", höre ich ständig, von Stationsleitungen, Kollegen und jungen Ärzten, als wäre das ein Maßstab.

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