HiG (Gast) - 29. Okt, 10:18

Strukturwandel

Die Verhaltensweise des Oberarztes ist ein strukturelles Problem, das nur durch Änderung der Struktur angegangen werden kann. Ich kann jedem interessierten nur den nachstehenden Aufsatz empfehlen, der Elemente der Palliativmedizin als allgemeine Aufgabe für alle Patienten, von Anfang an, begreift. Dies muß als Teil der Kultur und Aufgabenbereich implementiert werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit geringer, das solche Auswüchse passieren. M. E. kann man sich als Mensch nur so verhalten, wenn die Strukturen dies auch so zulassen.

Mosenthal, Anne C. MD, FACS; Murphy, Patricia A. RN, PhD, FAAN. Critical Care Medicin Volume 34(11) Suppl, November 2006, pp S399-S403.

Integrating palliative care into the surgical and trauma intensive care unit is challenging. The nature of surgical illness, practice patterns of surgeons and critical care nurses, and the culture of the intensive care unit all suggest that familiar models of palliative care do not apply in this setting. We describe a novel interdisciplinary model of palliative care in the surgical intensive care unit, which addresses communication, shared decision making, and pain and symptom management for all critically ill patients, regardless of prognosis. This communication-based model integrates new processes of care into existing surgical critical care practice so that palliative care can be provided in parallel with surgical care.

nachtschwester - 30. Okt, 03:32

Ich habe von diesen Ansätzen schon gelesen. Für meinen Berufsstand behaupte ich, wir wären dabei. Ohnehin ist die Pflege auf der Intensivstation nach "Einstellung der Therapie" bis zum Abtransport der Leiche die meiste Zeit mit Patienten und Angehörigen allein. Ich vermute also, die Ärzteschaft wäre gespalten im Hinblick auf einen so drastisch veränderten oder erweiterten Auftrag der Intensivmedizin.

Bei der Umsetzung hätten wir aber nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein ökonomisches Dilemma. Palliativmedizin ist unrentabel, wie oben schon angemerkt, und wird besonders gefördert. Nehmen wir ein septisches Multiorganversagen, das aggressiv und maximal und teuer intensivtherapiert und diagnostisch begleitet wird. Hier sind viele kostenintensive Maßnahmen nötig, die nur knapp oder gar nicht kostendeckend von den Kassen vergütet werden. Dagegen benötigt ein Palliativpatient "nur" noch Pflege und Analgesie und Anxiolyse, alles billig, er bringt aber Geld, das muss so sein, sonst würde man gar keine Palliativbetten betreiben. Wären Palliativ- und Intensivtherapie auf einer Kostenstelle vereint, gäbe es den fatalen finanziellen Anreiz, Intensivpatienten frühzeitig zu Palliativpatienten umzuetikettieren, und wir wären ethisch gesehen keinen Schritt weiter. (So male ich mir das jedenfalls aus, ohne zu wissen, wie Palliativbehandlung tatsächlich vergütet wird.)

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nachtschwester - 27. Okt, 20:17
Also Wien ...
ja, das wäre nett. Falls der Job nicht so toll...
sokrates2005 - 27. Okt, 19:23
Frau Nachtschwester,...
Frau Nachtschwester, ich bin mir sicher, sie werden...
nina (Gast) - 27. Okt, 16:55
In Großmutters...
Liisa und Kaltmamsell verlinken auf sie, für mich...
nachtschwester - 26. Okt, 23:28
Genial!
Genial!
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