Gesundheitswirtschaft, aus dem Leben gegriffen
Ein Mann stirbt einen plötzlichen Herztod, wird erst von Laien, dann vom Notarzt reanimiert, niemand weiß hinterher, wie lange, kommt per Hubschrauber und wird erfolgreich operiert. Partiell erfolgreich, denn wie befürchtet, wird er danach tagelang nicht wach. CT und EEG zeigen, das Hirn ist, Verzeihung, Matsch. An einem Samstag redet der Diensthabende mit den Angehörigen Klartext, klärt sie auf über Prognose, geringes Rehapotential und das für die weitere Behandlung notwendige Betreuungsverfahren. Er lässt sie eine Nacht darüber schlafen. Am nächsten Tag hat bereits ein Vormundschaftsrichter die Ehefrau wie gewünscht als Betreuerin eingesetzt, und der Arzt klärt sie über die für die zu erwartende Langzeitbeatmung notwendige Tracheotomie auf. Sie unterschreibt die Einwilligung. Bis hierher geht alles seinen gewohnten Gang.Montags morgens spricht sich der herrschende Oberarzt gegen die Tracheotomie aus. Ein Tracheotomie-Set koste 250 Euro. Die Assistenzärzte sollen den Mann mit seinem oralen Tubus zügig an ein peripheres Haus loswerden, dort könne man das Geld ja ausgeben, wenn man wolle.
Der Patient findet angesichts der kürzlich erfolgten Herzoperation, der künstlichen Beatmung und der miserablen neurologischen Prognose nicht so recht einen Abnehmer, schließlich erklärt sich ein kleines Haus zur Übernahme bereit.
Kurz danach rechnete der Oberarzt die bisherigen Beatmungsstunden nach. Die magischen 250 Beatmungsstunden, die mit einem fünfstelligen Batzen von der Kasse vergütet werden, werden erst in der Nacht nach der geplanten Verlegung erreicht. Er lässt die Verlegung absagen.
Mittlerweile hat der tief komatöse Mann angefangen, spontan zu atmen, theoretisch in ausreichendem Umfang, um ihn vom Beatmungsgerät zu entwöhnen. Leider erbricht er immer wieder im Schwall, ohne Tubus und ohne Schutzreflexe würde er sehr bald Magensekret in die Atemwege anatmen und daran versterben.
Dennoch heißt die Order, ihn nachts nach einer bestimmten Uhrzeit, die den Ablauf der 250 Stunden markiert, zu extubieren. Das taten wir nicht, aber der Tagdienst hatte in Anwesenheit des Oberarztes keine andere Wahl. Der Patient verstarb keine 24 Stunden später.
Die Abteilung hat Geld verdient. Jemand wird den Angehörigen glaubhaft vermitteln, der Verlauf sei unabwendbar gewesen.


was du schreibst ist beängstigend und pervers.
bekommt man da nicht manchmal lust, wenn man schon vom fach ist.... ne anzeige zu machen? ist das nicht letztlich unterlassene hilfeleistung?
*frag ich mich da mal ganz blond*