Sturmnächte

Ich ging frühmorgens aus dem Haus und über die Straße zum Auto. Es hatte geschneit. Gegenüber belud ein Handwerker seinen Kombi, daneben stolperte ich beinahe über ein Tier. Ein nackter Hund, ohne Fell, ockerfarbene Velourshaut, lag im Schnee und bewegte sich nicht. Als ich mich hinkniete, versuchte er, den Kopf zu heben. Er hat kein Fell, er ist halberfroren, dachte ich, machte die Jacke auf, hob ihn hoch, drückte ihn an mich und brachte ihn hoch in die warme Wohnung.

Das ist nicht dein Ernst, korrigierte ich mich im Traum. Noch mal von vorn. Leg den Hund wieder hin. Womöglich erfriert er gar nicht, er ist Zwischenwirt einer hochvirulenten neuen Seuche. Du nimmst ihn in den Arm voller alberner Kleinmädchentierliebe und hinterher hast du den Salat. So nicht. Geh zum Auto, hol die Rettungsdecke aus der Tür, nimm den Hund damit hoch, leg ihn drauf und deck ihn zu. Fass ihn nicht an. Dann hoch in die Wohnung, da ist doch noch der Sack mit den ausgemisteten Handtüchern in der Abstellkammer, nimm zwei große, zieh Handschuhe an, geh zum Hund und pack ihn darin ein. Dann ruf die Polizei. Die Polizei? Quatsch. Einen Tierarzt. Nein, das Tropeninstitut erstmal nicht. Oder doch das Tierheim?

Später wechselte ich in einer brasilianischen Werkstatt den Zahnriemen meines real existierenden Wagens. Das erforderte noch mehr korrigierte Arbeitsabläufe als das Hundretten. Allerdings unterhielt ich mich währenddessen fließend portugiesisch mit einem glutäugigen Mechaniker. Das ging korrekturlos, weil ich im wahren Leben von Portugiesisch noch weniger verstehe als von Zahnriemen.

Später stellte ich den Handywecker aus, weil der Großherzog gerade eine Rede hielt. Im Festsaal. Alle trugen Abendrobe, ich ein taubenblaues Ballkleid, Gott war das peinlich, ausgerechnet mein Handy klingelte.

Später war draußen immer noch Sturm. Als sich noch später die Haustür endlich wieder gegen den Wind aufdrücken ließ, ging ich ein paar Fotos machen.
 






Vorgestern in Kühlungsborn.

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