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Die Rosine im NS-Kuchen

Die berühmteste deutsche Ratgeberautorin aller Zeiten war Johanna Haarer, NSDAP-Mitglied und im Dritten Reich die staatlich empfohlene Expertin in Sachen Kinderkriegen. Liest man die von ihr verfassten Bestseller (unter anderen Die deutsche Mutter und ihre erstes Kind), macht man eine überraschende Entdeckung: Aus ihren Werken, die im höheren Auftrag der NS-Bevölkerungspolitik standen, spricht eine unverhohlene Abneigung gegen das werdende Leben: Wir lesen ihre konstanten Warnungen vor "erbkrankem" Nachwuchs, ihre Panikmache vor der Geburt ("ein Schlachtfeld"), ihre Empfehlung, das Kind vor dem Stillen erst mal ein bis zwei Tage lang nach der Entbindung hungern zu lassen, ihre Schilderung der Machtkämpfe ums Schlafen und Sauberwerden. Hat man sich durch alle abscheulichen Details der Säuglingspflege durchgearbeitet, bleibt eines hängen: Mit der Geburt eines Kindes beginnt ein existenzieller Kampf. Auf der einen Seite die deutsche Mutter - auf der anderen, ja was eigentlich? Ein großhirnloses Wesen, instinkt- und machtgesteuert. Schon an der Brust verursacht dieser emotionale Zombie Schwierigkeiten, stellt sich "trinkfaul", will nur "lutschen", und schlimmer noch, will nicht begreifen, dass er nur um 6, 10, 14, 16 und 20 Uhr zu essen bekommt. Wenn er schreit, schreibt Haarer, wird er richtig gefährlich. "Dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen. Das Kind begreift unglaublich rasch (!). Nach kurzer Zeit fordert es diese Beschäftigung mit ihm als ein Recht, gibt keine Ruhe mehr, bis es wieder getragen, gewiegt oder gefahren wird - und der kleine, aber unerbittliche Haustyrann ist fertig. (Quelle)
So sah es nämlich aus mit der Mutterrolle, die Frau Herman trotz ihrer Kenntnis von Haarers Büchern heute besingt, für arische Mütter jedenfalls, die jüdischen wurden bekanntlich samt ihrer Brut vergast. Das kann man abtun als Dinge, die im Dritten Reich "schlecht" waren und dann die "Wertschätzung" arischer Mutterschaft als "gute" Rosine aus dem faulen Kuchen herauspicken, aber nur, wenn man wirklich nicht logisch denken will.
Erziehungsziel war nach Haarer schon bei Kleinkindern die Vorbereitung auf die Unterwerfung unter die NS-Gemeinschaft beziehungsweise die Gleichschaltung im Sinne deren Ideologie.
Auch darüber kann man hinwegsehen, ebenso wie über die Tatsache, dass die 68er neben bodenlosem Werteverfall auch die dankenswerte Abkehr von Haarers "schwarzer Pädagogik" hinterlassen haben. Um sich hinterher wie schon nach dem "Eva-Prinzip" zu beklagen, dass einen keiner richtig verstehen will.
Das ist alles schon wieder viel zu viel Gewese um Hermans wirre Spinnereien. Aber als ich heute doch in dieser Angelegenheit durchs Web gezappt habe, wurde es mir beinahe übel angesichts der vielen Sympathisanten, die in Foren und Kommentaren den NDR wegen Hermans Entlassung angreifen, der "Diktatur der political correctness" gegenüber einer blonden deutschen Mutter, die doch nur ihre Meinung sagt, und dann wird für meinen Magen viel zu breit diskutiert, ob sie nicht recht hat, und was man in diesem Lande eigentlich sagen dürfen sollte.

Es hilft Frau Herman aber nicht, sich einerseits alibihaft "Laut gegen Nazis" auf die Homepage zu schreiben, wenn sie andererseits ur-naziideologisches Vokabular verwendet. Das ist einer von hundert Widersprüchen, in die sich die arme Seele inzwischen schon verwickelt hat, es gibt keinen Grund mehr, ihr auch nur zuzuhören.

Allerdings bemerkte Rochus Wolff schon vor einem Jahr richtig: Das Eva-Prinzip ist keine politische Schrift, sondern eine kleine Dosis Gedankengift im Dienste politischer Desensibilisierung, ein Blitzableiter, unter dessen Schutz Schirrmacher, Bolz und Co. weiter wirken können. Ein Ende ist nicht abzusehen....und das ist das Gefährliche an Eva Herman.

Übrigens.
P.S.
P.P.S.

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