Quintessenz
Bei all der Reizüberflutung haben mich die Weltbloggerinnen am meisten beeindruckt. Und ihr amerikanisches Publikum. Es ging um die Bedeutung von Weblogs für Frauen in einem patriarchalisch geprägten Entwicklungsland (Kenia), in einem patriarchalisch geprägten reichen Nicht-Rechtsstaat (Bahrain) mit eingeschränkter Pressefreiheit, mit 3 oder 4 % Internetnutzern, und einem patriarchalisch geprägten Boom-Land mit unterentwickelter Rechtsstaatlichkeit (Indien). Die drei Bloggerinnen sprachen über Zensur und Selbstzensur, um nicht verhaftet zu werden, über Isolation und Chancenlosigkeit, darüber, wie Blogs für viele Frauen in ihrer Heimat das einzig denkbare Sprachrohr sind oder sein könnten, hätten sie Zugang zum Medium. Die Inderin berichtete von einer Bloggerin, deren Mann als indischer Verwaltungsbeamter andere Beamte wegen Korruption angezeigt hatte. Korruption sei im indischen Behördenapparat weit verbreitet. Weil kurz vorher zwei andere "Verräter" ermordet worden waren, fürchtete sie um das Leben ihres Mannes und begann, über den Fall zu bloggen. Ihr Blog erregte öffentliche Aufmerksamkeit, auch amerikanische Printmedien berichteten. Ihr Mann ist am Leben.
Eine Bloggerin aus dem Publikum berichtete von einer Reise durch Südafrika, auf welcher sie das Gespräch mit Menschen gesucht hatte, die ihr begegneten, Taxifahrern, Kellnerinnen, Zimmermädchen. Sie traf auf erstaunlich klar formulierte Meinungen zu Politik und Gesellschaft. Sie erklärte ihnen, was ein Blog ist und wollte von Juliana wissen, wie sie ihnen Zugang verschaffen könne? Schick ihnen Smartphones, sagte Juliana, Kabel gibt es nicht flächendeckend, Mobilfunk schon, und dazu diese Links: http://afrigator.com, http://voiceofafricanwomen.com/general.html, http://www.africanwomenblogs.com/. Andere Teilnehmerinnen nannten URLs ihrer Plattformen und Projektideen zur Unterstützung von Frauen in der dritten Welt.
Ich hatte den Eindruck, alle Anwesenden, ob Strick- Life- oder Mommy-Bloggerinnen, sahen sich auch als Aktivistinnen. So viele gute Ideen und schon fertige Initiativen. Und nachdem ich weiteres über Citizen Journalism und Fund Raising gehört hatte, nachdem ich anfangs noch die Five Moms-Kampagne belächelt hatte, dachte ich beschämt, da sitzen wir Deutschblogger und füllen dieses mächtige Medium mit kleinen halblustigen Episoden aus unseren Leben, während sich elftausend US-Kolleginnen in alle Richtungen engagieren, sich zusammentun und ein Wählermanifest herausgeben.
Weil man es kann, muss man mehr tun mit diesem Blogdings, als sich nur um sich selbst zu drehen, habe ich letztes Wochenende gelernt. Darauf kann man sich besinnen, wenn mal wieder über die männliche Dominanz in den deutschen Blogcharts geredet wird, man daraus "Relevanz" ableitet und Frauenblogs in den vermeintlich irrelevanten Long Tail einsortiert, dem Ort, wo übrigens auch Literatur, Kunst, Gesundheitswesen, soziale Themen und vieles mehr herumliegen.
Was habe ich noch mitgebracht? Ein Maskottchen für meine Rubrik Intensivstation aus dem Museumsshop des MCA.
Kontakte zu fabelhaften Bloggerinnen und einer Blogher-Redakteurin. Eine kleine Werkzeugkiste mit Tools, die das Bloggen vereinfachen und beschleunigen.
Schön war´s, Stadt, Hotel, die Chemie mit den anderen Mädels, mit den US-Bloggerinnen, mit den netten Beiden von AOL, das ja nicht nur uns fünf, sondern den ganzen fabelhaften Event großzügig gesponsort hat (weil sie sich möglicherweise den langen, langen Long Tail angesehen und festgestellt haben, da überwiegen Frauen?) - alles hat prima gepasst. Wir brauchen sowas in Europa.
Wen´s interessiert, hier stehen die Live-Blogs von der Konferenz.
Auch ansehen: Global Voices und The WIP.
Eine Bloggerin aus dem Publikum berichtete von einer Reise durch Südafrika, auf welcher sie das Gespräch mit Menschen gesucht hatte, die ihr begegneten, Taxifahrern, Kellnerinnen, Zimmermädchen. Sie traf auf erstaunlich klar formulierte Meinungen zu Politik und Gesellschaft. Sie erklärte ihnen, was ein Blog ist und wollte von Juliana wissen, wie sie ihnen Zugang verschaffen könne? Schick ihnen Smartphones, sagte Juliana, Kabel gibt es nicht flächendeckend, Mobilfunk schon, und dazu diese Links: http://afrigator.com, http://voiceofafricanwomen.com/general.html, http://www.africanwomenblogs.com/. Andere Teilnehmerinnen nannten URLs ihrer Plattformen und Projektideen zur Unterstützung von Frauen in der dritten Welt.
Ich hatte den Eindruck, alle Anwesenden, ob Strick- Life- oder Mommy-Bloggerinnen, sahen sich auch als Aktivistinnen. So viele gute Ideen und schon fertige Initiativen. Und nachdem ich weiteres über Citizen Journalism und Fund Raising gehört hatte, nachdem ich anfangs noch die Five Moms-Kampagne belächelt hatte, dachte ich beschämt, da sitzen wir Deutschblogger und füllen dieses mächtige Medium mit kleinen halblustigen Episoden aus unseren Leben, während sich elftausend US-Kolleginnen in alle Richtungen engagieren, sich zusammentun und ein Wählermanifest herausgeben.
Weil man es kann, muss man mehr tun mit diesem Blogdings, als sich nur um sich selbst zu drehen, habe ich letztes Wochenende gelernt. Darauf kann man sich besinnen, wenn mal wieder über die männliche Dominanz in den deutschen Blogcharts geredet wird, man daraus "Relevanz" ableitet und Frauenblogs in den vermeintlich irrelevanten Long Tail einsortiert, dem Ort, wo übrigens auch Literatur, Kunst, Gesundheitswesen, soziale Themen und vieles mehr herumliegen.
Was habe ich noch mitgebracht? Ein Maskottchen für meine Rubrik Intensivstation aus dem Museumsshop des MCA.
Kontakte zu fabelhaften Bloggerinnen und einer Blogher-Redakteurin. Eine kleine Werkzeugkiste mit Tools, die das Bloggen vereinfachen und beschleunigen. Schön war´s, Stadt, Hotel, die Chemie mit den anderen Mädels, mit den US-Bloggerinnen, mit den netten Beiden von AOL, das ja nicht nur uns fünf, sondern den ganzen fabelhaften Event großzügig gesponsort hat (weil sie sich möglicherweise den langen, langen Long Tail angesehen und festgestellt haben, da überwiegen Frauen?) - alles hat prima gepasst. Wir brauchen sowas in Europa.
Wen´s interessiert, hier stehen die Live-Blogs von der Konferenz.
Auch ansehen: Global Voices und The WIP.


Die Amerikaner sind vermutlich traditionell schon immer aktiver in Bezug auf soziales Engagement und Charity als wir. Aber bei uns hat doch auch jeder irgendein Thema, das ihm unter den Nägeln brennt. Die Benachteiligung von Scheidungsvätern, zu wenig Kinderbetreuung, unser katastrophales Krankenhauswesen in meinem Fall, genmanipuliertes Gemüse, whatever. Das Blog, das man sowieso betreibt, lässt sich doch nutzen, um zu informieren, Flagge zu zeigen, Ähnlichdenkende zu finden. Bei BlogHer war immer wieder zu hören, "put your blog where your heart is". Mehr braucht es gar nicht.