Damenumkleide
Liebe Kolleginnen mit den Gratispostkarten aus dem Ständer vor dem Klo eurer Lieblingskneipe außen an den Spinden, die mit den Waschbrettbauchmännern drauf oder der Aufschrift "Ausziehen" - haha, in der Umkleide, originell!- mit den bonbonfarbenen Crocs-Imitaten unten im Schuhfach, die fünfzehn Euro weniger kosten als die echten, ist ja bloß für die Arbeit, trotzdem will man ja irgendwie Persönlichkeit ausdrücken, wo wir doch schon alle in blauen Einheitsklamotten rumlaufen müssen, nicht wahr? Die Fabrikate eurer bunten Deospraydosen kenne ich gar nicht, das sind wohl Eigenmarken großer Drogeriemarktketten? Ich habe sie mir noch nie angesehen, obwohl ihr sie in der Hutablage offen stehen lasst, damit ihr euch auch zwischendurch deodorieren könnt, wenn´s mal schnell gehen muss, im Schweißnotfall sozusagen. Ich bin aber schon ein paar mal schnell zurückgesprungen, wenn eure Sprühköpfe plötzlich aus nächster Nähe zischten. Ihr macht euch nämlich vor Dienstbeginn noch schnell frisch, während ihr mit mir Spindnachbarin Smalltalk haltet. Ihr seht mir ins Gesicht, erzählt mir was, hebt die Arme und besprüht eure Schweißdrüsen. Wenn ich später komme, kann ich schon riechen, wer mit mir im Dienst ist. Toll, diese Billigdeos. Da habt ihr zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen - es übertönt die Ausdünstung und spart noch euer teures Parfüm auf für gut, das ihr in den Douglastüten gekauft habt, in welchen ihr nun eure Tupper-Lunchboxen zum Dienst tragt. Ich dusche morgens und regle potentielle Transpirationsprobleme für den Tag schon zu Hause, geruchsneutral, ich bin ein bisschen verklemmt, was das angeht, findet ihr bestimmt. Wenn ihr eure Schwitzigkeit behandelt habt, steckt ihr die Füße in eure rosa oder gelben Crocs-Fakes und, wenn ihr Kinderschwestern seid, auch noch euer Fimo-Namensschild an den Kittel, da steht Mandy oder Manja oder Astrid dran, kein Nachname, ihr seid jedermanns Mädel, total unkompliziert halt. Wenn der Kittel etwas weiter ausgeschnitten ist, kommt noch schnell ein weißer Pflasterstreifen quer drüber, der hält den Stoff überm Decolleté zusammen, damit keiner weiter gucken kann, als er soll.
In ruhigen Minuten im Nachtdienst lest ihr Ildiko von Kürthy oder die Freundin, ihr findet die Rezepte toll. Ihr denkt euch nichts dabei, euch am Telefon mit Kinderstimmchen als "Schwester Stefanie" zu melden, Laborproben persönlich durchs Klinikum zu tragen, statt den Botendienst zu rufen - ihr habt ja Zeit - ihr seid stolz darauf, dass ihr Dinge selber putzt, wenn die Putzfrauen Nein sagen. Eure Klinik hat 20.000 Euro in euer Fachexamen gesteckt und ihr spielt immernoch Mädchen für alles. Ihr glaubt, es wertet euch auf, wenn ein Anaesthesist, den ihr aus der Fachweiterbildung kennt, zufällig vorbeikommt, sich von euch mit Küsschen begrüßen lässt, und zwar so, dass andere es sehen, ihr Süßen, leider weiß ich first hand, wie man in der Herrenumkleide über euch redet. Ihr unterhaltet euch gerne darüber, wieviel besser die Pflege in der Schweiz oder in Skandinavien oder Autralien angesehen ist, ihr wärt auch gerne healthcare professionals, aber ihr kommt hier nicht weg, ihr könnt nämlich kein Englisch und wollt es auch nicht lernen, das Fachexamen war doch schon so stressig. Leider kommt Australien von alleine nicht her und deshalb muss hier alles so unprofessionell bleiben, wie es ist. Euretwegen nennt man mich Schwester und mit Vornamen, dabei habe ich keine Geschwister und gehöre auch keinem Orden an. "Schwester Schacklien", die sich morgens halb sechs genau so an der Gegensprechanlage meldet, weil sie meinen Patienten besuchen will, zu dem sie präoperativ auf ihrer Peripherstation eine emotionale Bindung aufgebaut hat, muss leider draußen bleiben, halb sechs, ich glaub, es hackt, Schwesterchen, und wenn du deshalb Zickenkrieg willst, den verlierst du. Ihr Doreens und Schackliens mit den kleinen Flechtzöpfen, die da aus gesträhnten Kurzhaarfrisuren heraushängen, seid schuld, dass unsereiner auch nicht ernstgenommen wird, ihr ringelbesockten hohlen Zuckerschnecken.
In ruhigen Minuten im Nachtdienst lest ihr Ildiko von Kürthy oder die Freundin, ihr findet die Rezepte toll. Ihr denkt euch nichts dabei, euch am Telefon mit Kinderstimmchen als "Schwester Stefanie" zu melden, Laborproben persönlich durchs Klinikum zu tragen, statt den Botendienst zu rufen - ihr habt ja Zeit - ihr seid stolz darauf, dass ihr Dinge selber putzt, wenn die Putzfrauen Nein sagen. Eure Klinik hat 20.000 Euro in euer Fachexamen gesteckt und ihr spielt immernoch Mädchen für alles. Ihr glaubt, es wertet euch auf, wenn ein Anaesthesist, den ihr aus der Fachweiterbildung kennt, zufällig vorbeikommt, sich von euch mit Küsschen begrüßen lässt, und zwar so, dass andere es sehen, ihr Süßen, leider weiß ich first hand, wie man in der Herrenumkleide über euch redet. Ihr unterhaltet euch gerne darüber, wieviel besser die Pflege in der Schweiz oder in Skandinavien oder Autralien angesehen ist, ihr wärt auch gerne healthcare professionals, aber ihr kommt hier nicht weg, ihr könnt nämlich kein Englisch und wollt es auch nicht lernen, das Fachexamen war doch schon so stressig. Leider kommt Australien von alleine nicht her und deshalb muss hier alles so unprofessionell bleiben, wie es ist. Euretwegen nennt man mich Schwester und mit Vornamen, dabei habe ich keine Geschwister und gehöre auch keinem Orden an. "Schwester Schacklien", die sich morgens halb sechs genau so an der Gegensprechanlage meldet, weil sie meinen Patienten besuchen will, zu dem sie präoperativ auf ihrer Peripherstation eine emotionale Bindung aufgebaut hat, muss leider draußen bleiben, halb sechs, ich glaub, es hackt, Schwesterchen, und wenn du deshalb Zickenkrieg willst, den verlierst du. Ihr Doreens und Schackliens mit den kleinen Flechtzöpfen, die da aus gesträhnten Kurzhaarfrisuren heraushängen, seid schuld, dass unsereiner auch nicht ernstgenommen wird, ihr ringelbesockten hohlen Zuckerschnecken.


Ja! Ganz genauso isses.
Und wie bin ich froh, dass ich mit diesen zweidimensionalen Schneehühnern nix mehr zu tun habe!
Die sich immer so hübsch unterordnen, nach einer Hackordnung dürsten!
Jeder noch so dumme Pfleger hat automatisch einen besseren Status als sie, und sie finden das auch noch OK !!!
Ich habe viele Jahre Intensivstat. hinter mir.
Irgendwann habe ich dort durchgesetzt, dass wir uns mit dem Nachnamen melden und vorstellen....natürlich nur die, die es möchten...denn, "Was ist denn dabei, mein Gott, wir sind doch nun mal Krankenschwestern, oder hast du ein Problem damit?" GRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR
Und dann genauso dumm herumjammern, wie von Dir beschrieben, Frau Nachtschwester.
Nebenbei bemerkt: Wenn ich mich am Telefon mit Nachnamen meldete, waren die klinikinternen Gespräche plötzlich viel angemessener!
Höflichkeit und Respekt waren - oh Wunder - frei verfügbar.
Warum? Nicht weil der Inhalt ein anderer war, nein,der Gesprächsteilnehmer vermutete einen Arzt.
Das ist Dir alles sicher wohlbekannt. Aber es tat gut, darüber zu reden! *g*
Halt die Ohren steif und mach sie alle!!!
Deine Vor- oder Nachnamen-Teambesprechung habe ich bildlich vor Augen. Wie elend viel Arbeitszeit wird auf solche Kinderkramdiskussionen verwendet - ich stelle mich schon immer mit Nachnamen vor, telefonisch und persönlich, Kollegenkommentare sind mir wurscht. Und bald bin ich auch raus aus dem Geschäft.