Wie Katzen auf dem heissen Blechdach

Wir haben´s getan, meine erste Straftat, seit ich in der 2. Klasse mal einen Apfel geklaut habe, Schwarzfahren nicht gerechnet.
Herr Nachtschwester kam heute mit zwei 2,50m langen folienverschweißten Leimholzbrettern aus dem Baumarkt nach Hause. Vor meinen staunenden Augen legte er sie übereinander über zwei Stühle und setzte sich in der Mitte drauf, um die Tragfähigkeit zu testen. Dann wartete er lange, bis die ältere Dame über der fraglichen Wohnung ihre Wäsche abgehängt und die Balkontür geschlossen hatte, und die Untermieterinnen endlich von ihrer Terasse verschwunden waren. Ich gab zu bedenken, dass es nun zappenduster war, was die Angelegenheit nicht ungefährlicher machte, auch nicht eben unverdächtiger. Aber er hört ja nie.
Ich hielt mich in der Nähe auf, entschlossen, mich rauszuhalten, aber einer muss ja den Rettungswagen rufen. Er schob in völliger Dunkelheit die Bretter über die Balkongeländer und befestigte sie auf unserer Seite mit Schraubzwingen, nahm den Beutel mit dem Einbruchswerkzeug (s.u.) und kletterte hinüber. Gerade als er auf dem fremden Balkon anfing, mit der Taschenlampe den Eiskugelformer durchs Oberlicht zu fummeln, entdeckte ihn die Nachbarin über unserer Wohnung, deren trockene Wäsche auf dem Balkon er leider übersehen hatte. Er versuchte, sich ihr zu erkennen zu geben, schwierig, im Dunkeln, er leuchtete sich ins Gesicht und bemühte sich flüsternd, die fatale Situation zu erklären, um nicht noch andere Nachbarn ans Fenster zu locken. Nachdem sie ihn erkannt hatte, flüsterte sie auch, eine interessante Reaktion. Sie ist eine von den netteren im Haus und machte weiter keinen Aufstand, aber über unseren Ruf brauche ich mir trotzdem keine Illusionen mehr zu machen. Nachdem sie in ihrer Wohnung verschwunden war, öffnete er die Balkontür und war nicht mehr zu sehen.
Ich weiss nicht, was in mich gefahren ist, aber ich kletterte hinterher! Er flüsterte: Was machst du denn hier, das ist Einbruch, und dann in Schlappen! Ich flüsterte: Wo du hingehst, will ich auch hingehn! Wir schlichen durch die leere, dunkle Wohnung und machten Fotos, watergatemässig, immer in Sorge, man würde sich von der Strasse her über das Blitzlicht wundern. Dann zurück, der Panzerknacker verschloss die Balkontür mithilfe eines Verfahrens, das neben Eiskugellöffel und Schnur eine 3Liter-Flasche Flüssigwaschmittel involvierte. Schraubzwingen und Bretter wurden abgebaut. Die Folie um letztere ist samt Preisschild noch dran, morgen bringt er sie zurück.

Einbruch

Beim Auswerten der Fotos stellt sich übrigens heraus, die Wohnung ist tatsächlich in einem desolaten Zustand. So gesehen rechtfertigt der Erkenntnisgewinn die Aktion wenigstens ein bisschen. Nicht, dass es keinen Spass gemacht hätte.

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Markus (Gast) - 4. Nov, 23:31
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Also Wien ...
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Frau Nachtschwester,...
Frau Nachtschwester, ich bin mir sicher, sie werden...
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In Großmutters...
Liisa und Kaltmamsell verlinken auf sie, für mich...
nachtschwester - 26. Okt, 23:28
Genial!
Genial!
chSchlesinger - 26. Okt, 23:02

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