Nachtschwesters Wahrheiten

badeanzug-jpegtaubenblauIch will mehr Glamour, mehr Stil; für mich selbst, um mich herum, in der Kleidung, den Umgangsformen, in Wohnungen, auf den Straßen. Nicht nude, sondern taubenblau ist das neue Black der Nachtschwester. Ich trage nie flache Schuhe, außer zum Sport, Wattwanderungen, Klettertouren o.ä. Ich mag keine assymetrischen Kleidungsstücke, außer vielleicht sowas wie links. Schuhe und Taschen sind aus Leder und sonst nichts. Situationsabhängig sind textile Bestandteile (Sport) und Synthetik-Laufsohlen (Winter) zulässig. Hüfthosen sind keine Frage des Alters, sondern des Geschmacks - und des Bauches. Meiner ist o.k.
Ich wohne im Norden, kann aber jeden süddeutschen Dialekt nachmachen, außerdem sächsisch.
Ich muss mehr verdienen, damit ich wieder mehr reisen kann.
Ich reise nicht gern in Länder, deren Sprache ich nicht spreche. Ich lerne immer weiter Sprachen.
Ich helfe nicht gerne Menschen, die nicht wenigstens versucht haben, sich selbst zu helfen.
Ich habe Jahre auf ein Medizinstudium verwendet, drei davon im Ausland, es dann hingeschmissen und nie bereut.
Ich wollte, ich könnte singen.
Ich liebe Katzen, aber ich habe keine. Ich fühle mich immer noch nicht sesshaft genug.
Damals in Zagreb spielte Radio 101 jede Nacht zum Sendeschluss Harry Dean Stantons Monolog an Nastassja Kinski aus dem Film Paris-Texas, nachdem er sie endlich in der Peepshow gefunden hat. Ich kann heute noch Teile davon auswendig.
Ich komme fast immer ein bisschen zu spät, aber ich habe noch nie einen Schlüssel oder ein Portemonnaie verloren.
Im Portemonnaie trage ich eine Liste mit Kliniken, in die man mich im medizinischen Notfall keinesfalls einliefern soll, eingeschlossen die, in der ich arbeite.
Ich glaube nicht an Organtransplantation.
Ich lebe mit einem Mann zusammen, der während aller meiner Lieblingsfilme zuverlässig einschläft. Andererseits bekommt er an meiner Seite zuverlässig alle Insektenstiche ab.
Telefonmarketingfritzen, die mich zu Hause anrufen, haben keine Nettigkeiten zu erwarten. Ich hasse es auch, in Einkaufsstraßen angesprochen zu werden.
Ich wasche und poliere mein Auto gelegentlich von Hand, messe den Ölstand, kontrolliere Kühlwasser und Bremsflüssigkeit, und ich kann Reifen wechseln. Männliche Autofahrer, die mir dabei Hilfe anbieten, schicke ich zum Teufel. Hinterher, mit schwarzen Fingernägeln und schmutziger Klamotte, ärgere ich mich darüber.
Ich ärgere mich auch, wenn man mir erklärt, was ich schon weiß, weil für mich immer mitschwingt, dass der andere mich für dümmer hält als sich selbst. Das erschwert manches Gespräch mit mir.
Frauen mit haarigen Achseln/Beinen/Bikinizonen sind anders als ich, das ganze Jahr über.
Mit Frauen, deren Lebenskonzept darauf beruht, sich kommod ernähren zu lassen, kann ich nichts anfangen.
Ich habe Sinn für Gerechtigkeit. Ich begegne Anderen unvoreingenommen und mit Respekt, und betrachte lange alle Seiten, bevor ich negativ urteile. Wenn es dann mal jemand mit mir verschissendorben hat, bleibt das so.
Das gilt nicht für Frauen, deren Kommunikationsverhalten nach dem 12. Lebensjahr noch Kinderstimmchen, Wimperngeklimper und Tränen einbindet. Da höre ich gar nicht erst zu.
Ich habe nach der Pubertät nie wieder Tränen eingesetzt, um etwas zu erreichen.
Ich konnte bis in meine 20er rechts und links nicht sicher unterscheiden. Das führte zum Versagen bei Anatomie-Testaten zu den unpaaren Bauchorganen. Es besserte sich durch tägliches Autofahren mit Anfang zwanzig, aber wenn ich sehr müde bin, lese ich heute noch Uhren seitenverkehrt ab.
Infolgedessen verdient auch mein Orientierungssinn diese Bezeichnung nicht. Ich bin daran gewohnt, nicht zu wissen, wo ich bin.
Ich ekle mich vor Milchprodukten. Ich mag kein Bier. Im Krankenhaus ekelt mich nichts außer Wundmaden, herausgenommenen Glasaugen und Zahnprothesen nach dem Essen.
Ich bin für einheitliche Schulkleidung.
Irgendwann will ich diese Dinge besitzen.
Etosha (anonym) - 15. Jul, 13:45

Oh, da würds zwischen uns an mehreren Stellen reiben, hab ich so den Eindruck. Gerade was den Glamour betrifft, bin ich häufig zu Kompromissen zugunsten der Bequemlichkeit bereit. Das schließt gelegentlich unentfernte Körperbehaarung ebenso ein wie bequeme = flache Schuhe, außer wenn sich's gar nicht vermeiden lässt, weils zur Kleidung nicht anders passen würde.

Ich halte zwar nichts davon, mich ausschließlich 'kommod ernähren zu lassen', aber dass mein Mann fünfmal so viel verdient wie ich, ist einfach eine Tatsache und führt zwangsläufig zu einem Mich-Ernährenlassen im weiteren Sinne.

Bei manch anderem wieder hab ich heftig genickt. (Siehe: ...wenn man mir erklärt, was ich schon weiß... :)

Und: Kannst du sprechen und rufen? Dann kannst du auch singen. Das einzige, was du dafür tun musst, ist immerzu zu singen. Es wird von alleine besser. Einfach dranbleiben. Eventuell noch im Netz ein paar technische Tips holen. Unterricht ist nicht unbedingt nötig.
Ich kenne so gut wie keinen hoffnungslosen Fall, erlebe aber immer wieder erstaunliche Überraschungen. Es ist meistens eher das entblößende Gefühl beim Singen das Problem, die Hemmung durch drohende Kritik oder Gespött, und nicht so sehr das Singen selbst.

Gunnar Wrobel (anonym) - 15. Jul, 17:32

Das ist ja mal ein netter Kommentar, was das Singen angeht. :) Ich habe auch den Wunsch das irgendwann mal "zu können". Besonders seitdem ich einmal beim Improvisieren auf der Bühne nicht um einen Gesangsversuch herumkam.

Bisher habe ich einmal im Netz nach Techniktipps gesucht, aber nicht allzu viel gefunden. Falls Du da konkrete Links hast, würde mich das freuen. Ansonsten singe ich einfach mal weiter die Wände zuhause an. Das sind wahrscheinlich auch die einzigen die das aushalten ;)
Opa (anonym) - 15. Jul, 17:49

Wenn schon, denn schon:

Das ist der Sohn meines Lieblingstenors

http://www.gesangsinstitut.de/
nachtschwester - 15. Jul, 23:30

"Befreien des Organs" und "Auflösen von falschen Fixierungen" hilft bestimmt dabei, selbst beim Singen mehr Spass zu haben, aber da gibt es auch noch objektive Qualitätsmaßstäbe. Denen man sich sicher mit viel Zeit und Übung annähern könnte, aber "immerzu singen" würde mich sehr einsam machen, liebe Etosha!
Meinetwegen kannst du ruhig Haare auf den Zähnen haben, wenn ich mal nach Wien komme, trinken wir trotzdem einen Kaffee zusammen. ;-)
Etosha (anonym) - 16. Jul, 10:40

Ich werd mich des Themas demnächst mal annehmen und versuchen, die wichtigsten Highlights zum Thema Singen zusammenzufassen.
Gunnar Wrobel (anonym) - 16. Jul, 10:45

Das klingt doch interessant. Die "Pfanne" landet jetzt sowieso seit gestern in meiner Mailbox, da kann ich ja nix verpassen.
Etosha (anonym) - 16. Jul, 10:48

PS: Kaffee natürlich gerne! Email genügt. Aber hilft der denn gegen die Haare auf den Zähnen? :)
Etosha (anonym) - 18. Jul, 08:13

Huhu! :) Meinen Trackback hast du noch nicht moderiert oder gar nicht erst bekommen?
nachtschwester - 18. Jul, 16:45

Moderieren gibt´s hier nicht - nicht bekommen.
Aber gesehen und gehört! Gunnar und dich.
Ich liebe euch! :-))

Und wegen der Zahnhaare: Versuch´s mal damit, einfach statt Zahnpasta verwenden.
gunnar wrobel - 18. Jul, 23:31

Naja, ich glaube mit dem zweiten Teil der Gesangsübungen verliere ich dann meinen einzigen Groupie wieder.

Das mit dem Singen ist schon noch ein wenig mehr als reines "sich trauen". Töne hören können und richtig treffen gehört sicherlich ebenfalls dazu. Vielleicht ist ja noch Hoffnung da, wenn ich wenigstens noch hören kann, dass genau letzteres noch fehlt.

Aber der Versuch war es wert ;)
Etosha (anonym) - 19. Jul, 10:15

Veet wirkt nichtmal auf meine Beinhaare abschreckend. Und die sind nun wirklich sehr weich und blond.
wuestenfloh (anonym) - 15. Jul, 16:49

Ich lebe mit einer Frau zusammen, der während aller meiner Lieblingsfilme zuverlässig einschläft. Andererseits bekommt sie an meiner Seite zuverlässig alle Insektenstiche ab. :-))

nachtschwester - 15. Jul, 23:37

Diese Konstellation scheint ein positives prognostisches Zeichen für das Funktionieren einer Beziehung zu sein.
blogbar (anonym) - 16. Jul, 00:22

Yeah!

Ich möchte auch entweder auf `nem Baum oder auf dem Wasser leben ! :-))

creezy@gmx.de (anonym) - 17. Jul, 13:18

Sächsisch können, ist immer gut. Und das mit dem Hausboot/Wasserhaus/Haus im Wasser verstehe ich. Verstehe ich gut.

Aber wieso kein Glaub an Organspenden?

nachtschwester - 17. Jul, 16:58

Aus 1000 Gründen, ich könnte ein Buch darüber schreiben. Nur kurz:
Dem Konzept der Austauschbarkeit von Menschenteilen liegt ein vereinfachtes und mechanistisches Verständnis des Menschen zugrunde, das ich nicht teile und das der Komplexität des Ganzen nicht gerecht wird.
Natürlich gibt es wunderbare Beispiele dafür, dass sich Organempfänger mit Transplantation und Chimärismus gründlich auseinandersetzen, sie physisch wie psychisch positiv annehmen und glücklich ein neues Leben ohne Einschränkungen beginnen. Ich freue mich ehrlich für sie. Sie sind nach meiner Erfahrung in der Minderzahl.
Übrigens lehnen nach einer Untersuchung einer Chairwoman der ITNS von 1997 über 80% der Transplant Nurses für sich selbst Spende und Empfang ab. Wer also täglich damit zu tun hat, die Folgen sieht, die Dinge zu Ende denkt, will zwar begleiten, aber selbst eher nicht mitmachen.
Auf meinem Organspendeausweis ist Nein angekreuzt, ich hoffe auf Stammzellen und Tissue Engineering und glaube, in 50 Jahren werden wir nicht mehr xenotransplantieren.
sokrates2005 - 17. Jul, 21:40

Ihr Beitrag ...

und damit das, was sie hier von sich uns LeserInnen preisgeben, ist mir sehr sympathisch.
Nur das mit den Organspenden hat mich kurz etwas verunsichert, wo mir doch der Gedanke, dass nach meinem Tode irgend etwas Nützliches mit meinen Organen stattfinde, mir ein wenig Trost verschafft.
Ihre interessante und erfahrungsreiche Replik auf creezy zeigt aber, dass Wissen mehr Trost bringen kann als diffuse Hoffnung.

Nashaupt - 18. Jul, 00:19

Ganz schön viel, aber nicht unbedingt schwer zu verdauen

Ein, schon jetzt missratener Versuch, einigermassen der Reihe nach zu antworten :
Auch Ich will mehr Glamour, mehr Stil; für mich selbst, aber auch für die andern, denn die haben's ja nötig, um mich herum, und möglichst überall auch dort, wo ich gerade nicht bin, denn dort gerade tut's Not, in der Kleidung, den Umgangsformen, in Wohnungen, auf den Straßen - und auch in den Schulen, denn wo sonst können Glamour, Stil - und zwar eben nicht nur im optischen, sondern im Urteilen, Kommunizieren, Werten, Entscheiden und Handeln, gelernt werden? Mit einheitlicher Schulkleidung kann rein gar Nichts gelöst oder verbessert werden. Dass die Eltern von Klassenkameraden reicher, viel reicher sind als die eigenen, erfährt man auch mit einheitlicher Schulkleidung und bekommt es zu spüren. Die Unterschiede bei und durch Geburt und während des ganzen Lebenslaufs sind nun mal Lebensbedingungen, die auszuhalten und womit umzugehen es zu lernen gilt, ob das nun gewissen Ideologen passt oder nicht.
Wollte man die Idee der Nivellierung und der Uniformierung konsequent fortführen, müsste jede Eigenschaft, die sich bei einem Schüler oder einer Schülerin vor den andern, schneller, besser, schöner entwickelt, durch Eingriffe zur Reduktion auf einen Durchschnitt erzwungen werden. Anregungen, wie eine konsequente Ausgestaltung eines solchen Prinzips zu regeln und zu vollziehen sei, werden von Nivellierungsgläubigen dankbar entgegengenommen und eifrig und auf lange Sicht ergebnislos diskutiert.
Die Erwartungen, die fantasielose Erzieher in einheitliche Schulkleidung setzen, werden schon rein praktisch nicht erfüllt. Durch Kostümierung der Schüler lässt sich gesellschaftliche und zivilisatorische Wirklichkeit nicht beseitigen und ändern sondern nur das Erlernen des Aushaltens dieser Lebensbedingungen verzögern. Ob das pädagogisch ein sinnvolles Ziel sei, ist fragwürdig. Überdies ist nicht die unterschiedlich schöne und teure Kleidung das Problem, sondern dass die Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach Strategieen im Wettbewerb um Zuwendung und Anerkennung keine andere Wahl haben, als auf die Äusserlichkeiten abzustellen, woraus nach allgemein vertretener und gelebter und propagierter Auffassung abzuleiten sei, wie erfolgreich und daher wie tüchtig und achtenswert Jemand sei. Besonders, wenn die Schule mit Erteilung von Leistungsnoten dieses selektive Werten anderer Zeitgenossen bestätigt, wirkt es reichlich scheinheilig und lächerlich, durch Schulkostümzwang unsichtbar machen zu wollen, was nicht sein darf bzw. nicht sein dürfen soll, was nun mal ist wie es ist.
Keine andere Wahl an Strategieen zur Orientierung und Selbstpositionierung haben die Schülerinnen und Schüler, weil die genialen Erzieher keine alternativen und ergänzenden Strategieen zur Bestreitung des auf allen Ebenen ausgefochtenen und durchzustehenden Wettbewerbs um Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zuwendung anzubieten haben. Es wäre den Erziehern lieber, dieser Wettbewerb fände nur gerade dort statt, wo sie Kontrolle darüber ausüben und sich als Schiedsrichter aufspielen können. Darum tun sie so, als gäbe es diesen Wettbewerb ausserhalb ihrer Kontrollbefugnisse und Autoritätsbereiche gar nicht.

'Nicht nude, sondern taubenblau ist das neue Black der Nachtschwester.' Diese Aussage hat wohl mit Stil bzw. mit der Bevorzugung eines Stils zu tun. 'Taubenblau' kann natürlich, im Gegensatz zu 'Nude', welches metaphorisch als paradiesische Unschuld gedeutet werden kann und darf aber keinesfalls muss, auf geheimnisvolle Verheissung nächtlicher Schwesterlichkeit hindeuten. Die für Kleidungsstücke 'verbotene' Assymmetrie wird auf die Färbung der Rollenverteilung 'Nachtschweter - Patient(in) verschoben. Taubenblau kann auch der Fieber kühlende Schatten der Fittiche eines sanft erlösenden Todes sein.

Auch ich habe mit 'Helfen' Mühe. Schon als Gymnasiast hatte ich mit meinem Verdacht, dass viele Helfer eigentlich vorallem sich selbst helfen wollen, um in Genuss eines Überlegenheitsgefühls und von damit verbundener Selbstbefriedigung zu gelangen, meine Mutter, zu der ich vermutlich schon pränatal in einem tiefgreifend zerrütteten Verhältnis stand, nicht nur auf die Palme gejagt, sondern auf eine kosmische Umlaufbahn gesandt.
Entsprechende Skepsis weckt bei mir auch die unüberblickbare Zahl von Hilfsorganisationen, von denen viele genau das tun, wofür angeblich der Staat Steuern kassiert, während grosse Teile der Industrie Verfahren anwenden und wirtschaftliche, ökologische und arbeitspolitische Bedingungen schaffen, die die vielen erbärmlichen Hilfsbedürftigkeien direkt oder mittelbar mitverursachen und die Hochfinanz an der Entstehung weltpolitischer Krisen nicht unbeteiligt bleibt.

Keine Reue : Ich bereue auch nicht, gut zwei Drittel meiner Lebenszeit auf etwas verwendet zu haben, das nicht so herausgekommen ist und heute noch nicht ganz so abgeschlossen ist, dass man auch nur unter einem einzigen Gesichtspunkt 'bürgelicher' Anständigkeit und Vernunft sagen dürfte, es sei lohnend oder wertvoll oder weiss was 'Positives'. Selbst ein Psychotherapeut könnte Zweifel haben, ob es nicht doch richtiger wäre, ich bereute, es sei denn, er käme auf die Idee, es als 'Lernprozess' in eine Nützlichkeit umzumünzen. Persönlich neige ich dazu, es als 'karmischen - vielleicht ebenfalls taubenblauen - Schatten' zu bezeichnen, weil das so gut und interessant und gebildet tönt und weniger banal als 'Obsession' oder 'Sucht'.
Wenn man unbedingt etwas bereuen will, dann sollte man radikal bereuen, so dumm gewesen und auf die Welt gekommen zu sein , im Glauben, hier etwas Wichtiges und Grosses zu finden, zu erleben oder zu erledigen. Diese 'Reue' so richtig genüsslich und dramatisch ausgelebt kann glücklichenfalls zu überraschenden Einsichten führen, die Begriffe wie Sinn, Schuld, Gerechtigkeit, Sünde und eben auch 'Reue' als neben den Ahnungen von den im sog. Jenseits gegebenen Entfaltungsmöglichkeiten für das Lebendige als etwas 'kindliche' Auffassungshilfen erscheinen lassen.

Es wird viellicht Zeit, nicht immer, aber doch immer öfter pünktlich zu sein und dafür mal Schlüssel und Protemonnaie zu verlegen oder zu verlieren, einfach, um der neuen Erfahrung willen, die man dann auch nicht zu bereuen braucht. 'Everybody is perfect the way shehe is - I mean perfect, not just o.k!!!'

Ich glaube nicht nur nicht an Organtransplatation, ich halte sie aus existenzphilosophischer Sicht für kindisch und lächerlich. Nun, ich habe ja auch schon mal innig und wütend bereut, überhaupt geboren zu sein und bin aus der Kirche ausgetreten, bin ein Nihilist und was sonst die Ratlosen zu einer intellektuell verkrüppelten Ausgeburt meinen mögen. Bitte sehr, ich sage nicht, Transplantation sei schlecht oder minderwertig. Ich für mich persönlich halte sie aus meiner pesrönlichen Einstellung zur Welt, zum Diesseits und zu 'Leben', jedenfalls zu Leben, wie es viele Mediziner, Biologen, Molekularkleriker usf. auffassen, für naiv kindlich bis kindisch. Wer sein Leben vorbehaltlos gelebt hat, weiss zu sterben wenn es Zeit dazu wird und muss nicht fürchten, etwas versäumt zu haben, bedarf keiner Gnadenfrist. Allerdings fällt diese Einstellung leichter, wenn auch Partner, Familie und Freunde dieser Auffassung gemäss leben oder wenigstens eine Art Verständnis dafür haben oder wenn man allein steht.

Wenn ich mit Eigenarten von Menschen Mühe habe, suche ich nach Ursachen dafür bei mir selber. Bin ich damit überfordert, beendige ich den Kontakt je nach Umständen rasch und mit minimalem Aufwand oder baue ihn sukzessive ab, in beiden Fällen unwiderruflich.


Telefonmarketingfritzen und -liesen geniesse ich auf meine Art. Am liebsten vernasche ich Lotterieverkäuferinnen. Ein Satz wie : "Geld ist für mich das Langweiligste und Lotteriegewinn das Doofste, was ich mir verstellen kann" wirkt zuverlässig für ungefähr 12 Monate. Dann wird die Nachbehandlung allerding wieder fällig, macht aber Spass. Marketingforschungsgehilfinnen und -gehilfen geb' ich den Tarif zu CHF 4.50 pro Minute durch und sage, das sei in meiner Branche ein Gefälligkeitstarif. Auf die dann zuweilen gestellte Frage nach der Branche antworte ich, zur Fortführung des Gesprächs erst bereit zu sein, wenn mir die Honorarzahlung vom CHF 4.50 pro Minute vom Auftraggeber schriftlich zugesagt und mindestens CHF 50.00 auf das von mir noch zu nenende Konto überwiesen seien. Das wirkt zuverlässig für 12 bis 18 Monate. Dennoch tun mir die Kerle und Miezen leid, die nach Anzahl durchgeführter Um- und Abfragen und das erst noch mies bezahlt werden. Ich hoffe immer auch ein bisschen, denen geht ein Licht auf, wofür und für wen sie eigentlich arbeiten.

Dass man erklärt bekommt, was man schon weiss, ist eine Zeiterscheinung, die auch auf einheitliche Schul-, Ausbildungs- und Studienprogramme zurückzuführen ist. Diese Programme wiederum gehen davon aus, man könne allgemein verbindlich festlegen, was - besonders in 20 bis 25 Jahren - Wissens wert und notwendig sei. Die gegenwärtige Arbeitslosigkeit beruht darauf, dass zu Vielen einheitlich Wissen und Fähigkeiten beigebracht worden sind, nach denen heute keine Nachfrage mehr besteht. Statt nach Schuldigen dafür zu suchen und angebliche Vergangenheit aufzuarbeiten, sollten alle Kräfte und Bemühungen daran gesetzt werden, das Bildungs- und Erziehungswesen Nationen übergreifend so zu gestalten, dass sich derartige Flops so gewiss wie nur möglich nicht wiederholen. Leider gibt es Gruppierungen, die von dieser Art Flops für sich finanziell und politisch Kapital zu schlagen wissen und eingerichtet sind. Diesen ist die Wiederholung solcher Krisen willkommen.

Durch Angebote von Hilfe, die ich nicht benötige und auch nicht will, fühle ich mich eingeschränkt, missverstanden, falsch eingeschätzt und meine Ablehnung kann brüsker ausfallen, als es meinen Bedürfnissen nach Verhältnismässigkeit und Proportion entspricht, worüber ich mich dann nochmals aufhalte.

Ungeduldig werde ich, wenn irgendwelche Musterschüler/innen und nach Karriereplänchen 'Qualifizierte' mir - dazu offensichtlich falsche und zum Thema nicht passende - Belehrungen in grundsätzlichen Fragen erteilen wollen, deren gründliche Erörterung Teil meines Studiums und meines Berufes waren.

Frauen mit haarigen Achseln/Beinen/Bikinizonen sind ganz und gar anders als auch ich, und zwar lebenslänglich.

Ich lebe mit einer Frau zusammen, mit der zusammen ich in den 37 Jahren Ehe zu Hause TV nie geschaut und nie vermisst habe. Wir hatten keine Zeit dafür. Nicht, weil wir Tag und Nacht nichts als arbeiteten sondern weil wir Tag und Nacht lebten und fröhlich weiterleben, wie Morgensterns alte Eselsgemahle. Dabei haben wir uns mit dem Einsammeln der Mückensticke phasenweise abgewechselt. Momentan ist sie dran. Wie das ging und geht, können wir uns nicht erklären. Vielleicht kann das einmal ein Molekularbiokleriker erklären.

Mit Frauen mit Jahrgang 1920 bis 1968 , deren Lebenskonzept darauf beruht(e), sich kommod ernähren zu lassen, bin ich etwas nachsichtiger als mit den jüngeren Jahrgängen. Wenn sie dann allerdings versuchen, ihr Konzept in Aufopferungsmythen umzukomponieren, werde ich garstig. Und bei den jüngeren dieser Sorte werde ich etwas sarkastisch, wenn sie von Emanzipation, Patriarchat etc. nachplappern, was sie in einem sündhaft teuren Frauenmagazin gelesen und erst noch - nicht aus eigentlicher Dummheit, sondern aus Trägheit - nicht richtig verstanden haben.

Auch mir gehen Frauen die mit Kinderstimmchen, Wimperngeklimper und Tränen oder manipulativ-technischen Äquivalenten, wie man im Patentrecht sagen würde, ihre Ziele zu erreichen versuchen, auf den Wecker und sie beissen bei mir mit dieser Masche auf Granit. Ich höre ihnen aber sehr genau zu und bitte sie um Erklärung der Knoten, die mir in ihrem ausgelegten Fangnetz widersprüchlich erscheinen. Die einen reagieren dann mit Redewendungen wie :"Nein nein, das war nicht so gemeint, das war nur so eine Frage usf." und treten den taktischen Rückzug an. Die andern lassen von der Kindchenrolle ab und beginnen ganz sachlich und klar über das Thema zu reden. Wo solche Frauen in der Politik oder an Führungspositionen in der Wirtschaft auftreten, gibt's meistens irgendwelche unergiebige Turbulenzen vor beschämenden Wahlniederlagen, Abdankungen, Rücktitten, Abwahlen oder gar Amtsenthebungen.
Nun zu den Tränen : Da gibt's erfahrungsgemäss nicht minder wirksame manipulativ-technische Äquivalente insistierenden Ausdrucks des Unglücklich- und Unzufriedenseins mit anschuldigendem Unterton. Dass nicht Tränen eingesetzt werden bedeutet nicht, dass der Versuchung, manipulative Mittel einzusetzen, immer erfolgreich widerstanden wird. Gerade nach der Pubertät und mit angereicherter Lebenserfahrung erweitert sich das Arsenal wirksamer Mittel in beachtlichem Masse, wie ich aus eigener Beobachtung und vielen Begegnungen mit aller Art von Frauen zu wissen meine.

Mit rechts und Links hatte ich auch noch in der Rekrutenschule Mühe und selbstverständlich half die Eselsleiter 'Rechts ist, wo der Daumen Links' ist rein gar Nichts. Mit dem Autofahren verlor sich diese Unsicherheit restlos. Vielleicht, weil das eine Tätigkeit ist, wo diese Unterscheidung technisch einen unerlässlichen Sinn macht.

Ich kenne kein eigentliches Heimatgefühl im üblichen Sinne. Als Fremder unter Fremden fühle ich mich wohl, einsam zwar aber nicht verlassen. Einsamkeit ist ein Stück meiner 'Heimat'. Ich brauche für mein unmittelbares Wohlbefinden nicht zu wissen, wo ich bin, sowohl geographisch als auch in übertragenem Sinne.

Ich mag kein Yoghurt und kein billiges Bier. Edle Malzgetränke wie Weizenbier oder ausgesuchte Single Malts mit hochkomplexen Duft- und Geschmackskomponenten wohl.

Ekel und Abscheu empfinde ich vor Ausdruck, Folgen und Spuren jeglicher Brutalität, Rohheit, Gleichgültigkeit, Arglist und Gemeinheit gegenüber jeglicher Kreatur - sowohl im körperlichen als auch im übertragenen Sinne. Dagegen erschreckt mich zwar der Fund des Kadavers eines in der Wildnis gerissenen Tieres, aber ich empfinde nicht eigentlichen Ekel, auch wenn mich der Verwesungsgeschmack empfindlich stört. Der Kadaver eines seiner Stosszähne beraubten Elefanten würde aber wieder meine Abscheu erregen.

Schlussbemerkung : Ich hätte eigentlich anderes zu tun gehabt, als so ausführlich auf diesen zufällig aufgefundenen Blogeintrag einzugehen. Ich bin einfach die Einbildung nicht losgeworden, da wirke eine besondere Übereinstimmung von Frequenzabschnitten. Ich wäre z.B. nicht überrascht, wenn Nachtschwester im September oder Oktober Geburtstag hätte. Es ist aber nicht so wichtig. Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.

creezy@gmx.de (anonym) - 18. Jul, 18:52

Danke, hab's verstanden. Das Gefühl kann ich nachvollziehen. Wenn man von Dingen allzusehr Ahnung hat, nimmt man wohl gerne für sich selbst Abstand davon. Ich habe so einen Hinweis in meiner Patientenverfügung stehen, ich will z.B. ab Verbrennungen über einen gewissen Prozentsatz hinaus auch keine lebensverlängernden Maßnahmen. Nicht wegen dem Aussehen. Wegen der lebenslangen Schmerzen …

hellaken (anonym) - 19. Jul, 13:25

Hab mich anfangs gefragt, wieso schreibt sie das alles? Dann hab ich gedacht.. warum bloggen Menschen.. und hab mich nicht mehr gewundert. http://de.wikipedia.org/wiki/Bloggen

Die Tatsache, dass ich den Blog schon ein Weilchen unregelmäßig besuche ansich, spricht schon für eine gewisse Sympathie die ich dir entgegen bringe. Oder ist es doch nur der Umstand, das die Medizin im Hintergrund des Blogs schwebt .. wer weiß.Dass du sächsisch kannst... naja, ich bezweifle es mal. Ich habe schon viele Menschen (hauptsächlich Bayern) den sächsischen Dialekt nachmachen gehört. Es blieb beim Nachmachen, irgendwie reden dann die Menschen dann so komisch durch die Nase.. Ich rede nicht durch die Nase (obwohl ich aus Sachsen komme)

Ich trage eher flache als hohe Schuhe. Meine Freundin sagt, was bist denn du für eine Frau? Aber ich muss sagen, an hohen oder eben nicht hohen Schuhen würde ich das nicht festmachen.

Die Liste mit den Kliniken - ich musste so lachen, da laufen hier auch einige mit rum!

Organtransplantation - ich fahre nicht Motorrad. Wenn in meinem Umfeld jemand ein Organ bräuchte, wäre ich froh, wenn er eins bekommt ... und damit sein Leben verlängern kann. Den medizinischen Fortschritt ansich finde ich berauschend. Was der Mensch nicht alles machen kann.. Das Leben derer mit Geld wird verlängert, aber anderenorts auf der Welt stirbt man noch am kleinsten Infekt. Hach ja..

Einheitliche Schulkleidung finde ich auch gut.

Ein gut lesbarer Blog, danke fürs Lesen lassen!

Matt (anonym) - 13. Aug, 21:45

Diese Selbstdarstellung kann man, glaube ich, so auf den Punkt bringen: hartgesotten, aber nicht abgebrüht. Oder umgekehrt - da bin ich mir noch nicht so sicher.


Tagesdosis

Das Radio ist klasse. Alte...
Das Radio ist klasse. Alte Amischlitten gammeln nicht...
nachtschwester - 9. Okt, 21:24
Für den kleineren...
...und die kleinere Wohnung tut's vielleicht auch das...
zonebattler - 8. Okt, 22:34
Wahrscheinlich ein 1960ziger,...
Wahrscheinlich ein 1960ziger, wenn man dieser Seite...
HiG - 8. Okt, 00:26
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@ giardino: Stimmt, mit schiefem Grinsen. @ Wilder...
nachtschwester - 8. Okt, 00:16
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Das ist ein Pontiac, jedenfalls laut meiner Internet-Recherche....
WilderKaiser - 8. Okt, 00:05
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Der Pontiac Catalina. Ein amerikanischer Patient verriet...
HiG - 7. Okt, 23:56
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giardino - 7. Okt, 23:56
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