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Meiner ist kleiner

Der MamS und ich haben wie viele Paare unterschiedliche Vorstellungen von dem Grad an Sauberkeit und Ordnung, den ein Haushalt braucht.
Meine Bedingung für die Fusion unserer beiden Wohnungen war daher eine Putzfrau. Wenn keiner von uns beiden putzen muss, gibt´s auch keinen Streit wegen banalem Haushaltskram, dachten wir, und dafür bezahlen wir gerne.
Haushaltskonfliktpotential fand sich hinterher noch genug, aber das erzähle ich vielleicht an anderer Stelle.
Freunde vermittelten uns vor drei Jahren ihre Perle, und ihr gründliches Wirken erleichtert seither nicht nur unser Zusammenleben, sie ist auch als Mensch ein echter Zugewinn.
Anna ist Armenierin. Sie ist drall und rosig, mit einem herzlichen runden Gesicht.
Das erste Mal kam sie zum Besichtigen und um die Bedingungen zu besprechen.
„Hallo. Nix gut deutsch sprechen, tut mir leid. Aber ich Anna, immer sauber. Ich immer ordentlich. Jens gesagt?“
Hat er, deshalb wollten wir sie ja haben.
Sie sagt „diese Wohnung große, braucht 3 Stunden“. Sie begutachtete meine Putzmittel und bestellte noch Ajax Allzweck. „Diese sehr gute Seife. Beste.“ Was sie sonst noch wollte, habe ich nicht gleich verstanden, aber mittlerweile hat sich das eingespielt.
Als ich nach ihrem ersten Putztermin abends nach Hause kam, war ich begeistert. Aufgeräumt, alle Böden und Oberflächen blitzblank, auch die Ecken, sämtliche Spiegel poliert, die Blumen gegossen, die Fußleisten gewischt, den Balkon gefegt – und noch fünf Hemden des MamS gebügelt. Weil sie sich genierte, am Telefon deutsch zu sprechen, ließ sie abends ihre Tochter anrufen, um nachzufragen, ob wir zufrieden seien. Ja, sehr.

Aber schon bald fragte ich mich, wie sie das alles in drei Stunden schafft. Ich selbst brauche allein für unser Bad eine knappe Stunde, wenn´s gründlich sein soll. Zu beanstanden finde ich aber nie etwas – porentiefe Reinheit in der ganzen Bude.
Wegen meines Schichtdienstes bin ich manchmal zu Hause, wenn sie putzt, und ich kann keine Zeichen von Hetze an ihr feststellen. Keine schnellen Bewegungen. Sie arbeitet eher wie.... ein Arbeitselefant beim Holzfällen. Gemach, in konstantem Tempo wälzt sie sich von Raum zu Raum. Und mittlerweile, nach drei Jahren Routine, fragt sie nach souveränen zweieinhalb Stunden nach Zusatzaufgaben. Wie geht das?
Diese Effizienz verunsichert mich. Einmal die Woche geniere ich mich vor ihr für den Zustand unserer Wohnung.
Ich ertappe mich dabei, Donnerstags abends nicht nur aufzuräumen – damit sie Freitags ungehindert putzen kann – sondern auch schon selbst den gröbsten Dreck zu beseitigen.

„Perfekte Hausfrau“ ist natürlich kein Ziel, dass ich für mich anstrebe.
Außerdem, wenn ich wollte und Zeit hätte, wäre hier auch immer alles piccobello.
Und primär haben wir Anna sowieso aus emanzipatorischen Gründen engagiert, und nicht, weil ich nicht putzen könnte.
Ich mache dafür andere Sachen, viele. Sie bringen mir so viel Geld ein, dass ich Anna bezahlen kann, während sie darauf angewiesen ist, für uns zu putzen.
Und ich spreche vernünftiges Deutsch plus drei Fremdsprachen, ha!

Wieso messe ich mich eigentlich mit ihr? Das ist wirklich blöd - und doch, de facto erledigt sie einen großen Teil meines Haushalts, ich nicht.

Es ist wie.......bei Männern der Schwanzvergleich, nehme ich an.
Etwas zwingt mich, ihn anzustellen. Und meiner ist kleiner.
neo-bazi - 30. Mrz, 20:09

Unsinnig sind viele Vergleiche, die auf reiner Größe basieren (Auflagen von Zeitungen, Besucherzahlen von Weblogs, Anhängerschaft von Ideologien usw.)
Auch Äpfel mit Birnen kann man nicht vergleichen oder Männer mit Frauen.

Voraussetzungen und Rechte sollten sich gleichen, Bildungschancen und die Entlohnung von Arbeit zum Beispiel.

Die Lehrtätigkeit eines Universitätsprofessors ist ebenso nötig wie die des Straßenpflasterers.

Damit breche ich keine Lanze für Gleichmacherei, plädiere lediglich für gesunde Verhältnismäßigkeit.

nachtschwester - 30. Mrz, 22:10

Äh, ich fürchte, ich verstehe nicht ganz...
Habe ich den Eindruck erweckt, ich sehe auf Anna herab weil sie putzen muß und schlecht deutsch spricht?
Im Gegenteil. Ich mag und schätze sie sehr.
Ich habe mich in dem Beitrag selbst auf die Schippe genommen, weil ich trotz allem emanzipatorischen Getue in einen Hauswirtschaftswettbewerb eintrete, sobald mir eine echte Hausfrau gegenübertritt. Das kam wohl nicht rüber?
neo-bazi (Gast) - 1. Apr, 09:21

Nein, dieser Eindruck ist keineswegs bei mir entstanden.

Ganz im Gegenteil, wie meine Nachrednerin trefflich anmerkt . Aber mich versteht sowieso keiner, das ist nix Neues ;-)

Um nicht wieder mißverstanden (1. April) zu werden: Ich würde dieses Weblog hier gerne morgen bei uns im Club als mein Blog der Woche 14/2006 empfehlen und werde das auch tun, falls bis dahin kein Einspruch der hiesigen Hausmeisterin erfolgt.

Im Zustimmungsfall ist keine Reaktion erforderlich/erwünscht.
nachtschwester - 1. Apr, 17:57

Sehr gerne! Ich werde gleich noch mal fix durchwischen und das Klo putzen für die Überraschungsgäste, die da vielleicht hereinschneien :-)
neo-bazi - 2. Apr, 11:08

Kann nie schaden, bei uns ist heute auch Frühjahrsfensterputz angesagt.
Aber allzu viele neue Besucher werden es nicht sein, wir sind eine kleine, exklusive Gesellschaft.
Etosha (Gast) - 1. Apr, 08:58

Doch, für mich kam das eindeutig rüber... sogar mit einer schönen Ladung Ironie. Aber man muss das Phänomen vielleicht kennen, um zu ERkennen, worum es tatsächlich geht.

Oberflächlich betrachtet könnte man behaupten, es gäbe doch nichts besseres, als eine Putzfrau zu haben. Tatsächlich aber sind damit insbesondere für eine Frau doch einige Stolpersteine verbunden.

Worum ich dich beneide, ist dass du 'die Perle' gefunden hast. Hab ich nicht. Aber auch vor dem Erscheinen der UnPerle hab ich noch schnell das Gröbste weggemacht. Pervers könnte man denken, wenn man nicht nachempfinden kann, was dahintersteckt.

Da verdient man (vielleicht auch 'nur' zu zweit) genug Geld, um sich eine Putzfrau leisten zu können, und dann ist es einem irgendwie peinlich, dass man eine hat. Dass man jemanden seinen Dreck wegmachen lässt - auch wenn man dafür bezahlt.
Als Frau ist man eben doch darauf gedrillt, immer adrett und perfekt sein zu wollen. Die Perle wirkt wie der lebende Beweis, dass es uns nicht gelungen ist. Und das umso mehr, je besser und schneller sie ihre Arbeit macht.

Vielleicht beruhigt dich der Gedanke, dass es ihr ebenso schwer fiele, deinen Job in einer angemessenen Zeit hinzukriegen. Wir können eben das, was wir können.

kubelcik (Gast) - 3. Apr, 13:59

verehrte miss nachtschwester,

ich meinerseitz, bei einem job von über 50 std/w habe beschlossen ebenfalls eine reinemacherfrau zu beschäftigen. die selbstverständlichkeit, einen dienst in anspruch zu nehmen, scheint bei ihnen noch nicht gereift zu haben. ich denke, sie könnten vielleicht damit anfangen, für sich zu definieren - ihre ganz individuelle aufstellung. beachten sie jedoch dabei, welche charakteristika sie als ihr eignes definieren und solche, welche die gesellschaft, kultur usw. einer frau auferlegt.

ich, so ungewähnlich wie es zu sein scheint, lege grossen wert auf sauberkeit, aus dem einfachen grund, dass alles einfach ordnung hat und aesthetisch ist. es gibt jedoch solche, welche sich auch in scheinbar chaotischer umgebung wohlfüllen.

der 2. grund, welcher mich bewegt hatte, bei mangelnder zeit und energie, eine hilfe zu suchen, ist meine überzeugung, dass das verdiente geld schnellsten wieder in umlauf gebracht werden sollte. was habe ich denn davon, auf dem ganzen geld zu sitzten, fix und fertig und kaputt ins bett zu fallen, aber zu wissen, ich sei autark und putze selber.

ich wette, ihre reinemacherfrau spricht hervorragendes armenisch. eine sprache, wie ich denke, die sehr kompliziert sein muss, obschon deutsch auch kein linguistischer kindergeburtstag ist. vielleicht ist sie eine begabte dichterin oder nuklearphysikerin gewesen: mann kann nie wissen. ich habe schon taxifahrer in new york kennengelernt, die professoren, bühnenbildner und wurstfabrikmanager waren. jedoch verrichtet sie die arbeit mit wonne und professionalität. vielleicht hat sie das ewige laborleben und teilchenbeschleuniger satt gehabt? vielleicht bin ich etwas zu naive, ich weiss es nicht.

abschliessend möchte ich mich mit werten mister bazi solidarisch erklären, dass keine arbeit minder- oder mehrwertig ist. der bestatter, bäcker oder bundeskanzler habe alle ihre notwendigkeit und sind, unverzichtbar. (der einer eher als der anderer, ich denke!)

kubelick (Gast) - 3. Apr, 14:03

nachtrag

da ist mir was entfleucht:
es soll heissen:
» ich denke, sie könnten vielleicht damit anfangen, die frauenrolle für sich zu definieren, - ihre ganz individuelle aufstellung.«

wasserfrau - 10. Apr, 21:21

Ach, verehrte Nachtschwesterin... ich kann das Problem so gut nachvollziehen. Dabei hatte ich nie eine Putzfrau, die ich dann natürlich auch Perle genannt hätte. Ich konnte es mir entweder nie leisten oder ich hätte einfach nicht den psycho-sozialen Systemzusammenhang gefunden, es zu dürfen.
Ich selbst putze ungerne und weiß auch nicht so richtig, wie das geht. Ich kann Kinder alleine "erziehen", Fachartikel und auch schon mal ein Fachbuch schreiben, philosophisch-intelektuell daherbewältigen, was halt so kommt. Aber jemand für was anstellen, was ich selbst nicht kann, das wäre mir unheimlich.
Das ist ein Quatsch - und deswegen haben sie es sehr richtig gemacht!

nachtschwester - 12. Apr, 19:29

Danke Etosha und Wasserfrau, wir verstehen uns!
Die Herren verfügen in solchen Fragen über unverbauten Pragmatismus. Wir Frauen tun uns wider die Vernunft schwer...

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es sind immer die schönen dinge, die uns passieren...
Breathless - 7. Dez, 07:32
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Genau für solche Situationen wird Kaliumpermanganat...
nachtschwester - 6. Dez, 15:21

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