Ich vermisse
Meine Dachwohnung in dem Haus, das wie ein Turm frei am Hang steht. Den ersten Blick beim Aufwachen vom Kopfkissen direkt ins Morgenrot. Von der Sonne zum Frühaufstehen gezwungen werden. Das Haus hat keine Briefkästen, weil Oma immer zu Hause ist. Der Briefträger trinkt mit ihr Kaffee, das Haus ist das letzte auf seiner Route. Wenn Post für mich dabei war, legte sie sie oft mit Blumen aus dem Garten vor meine Tür, vor allem die Rechnungen:
Den Berg hinter dem Haus. Die Sonntagsfrühsportroutine von 8 km und immerhin 800 Höhenmetern bis zum Gipfel, von dem aus man die dreimal so hohen Molwanischen Alpen sehen kann und Molwanier trifft.
Die Molwanischen Alpen und anderen Gebirgszüge.
Lutenblag, die Metropole.
Die magische Stadt am See. An den meisten Tagen ist das Licht so diffus, dass der Wasserspiegel ohne Horizont scheinbar fließend in den Himmel übergeht.
Die Sommerwochenenden in Afitos. Das ist ein Fischerstädtchen auf dem ersten Finger der Chalkidiki. Falls Sie mal in die Gegend kommen, lege ich Ihnen diese Unterkunft uneingeschränkt ans Herz. Ebenso diese hier in Vourvourou auf dem zweiten Finger.
Die fabelhaften Lebensmittel. Essen, das im Restaurant auf Platten in die Tischmitte serviert wird wie beim Abendessen zu Hause.
Am meisten die molwanische Gelassenheit und Lebensklugheit, die man sich zulegt, wenn man sich täglich mit Lösungen echter Probleme herumschlägt, statt im Zustand gesättigter Grundbedürfnisse nutzlos um Befindlichkeiten zu kreisen.

