Und während weit weg daheim die alte Republik still verwelkt, wie ich eben bei
Frau Modeste lese, trinke ich mit dem netten jungen Außenminister an meinem Schreibtisch Bergtee, er prognostiziert, wieviel die deutsche Linke bei der Bundestagswahl zulegen wird, strahlt, er habe kürzlich in Bruessel Cem Özdemir kennengelernt, als hätten wir nun einen gemeinsamen Freund, und er bestätigt mir in wunderbarem Deutsch, nichts zu haben, habe auch sein Gutes, man könne damit nicht spekulieren und nicht verlieren, da hatte der
lachende Chauffeur ganz recht mit seiner Einschaetzung der Krise. Die Mikrobiologin, mit der ich mein Büro teile, ist seine Tante. Der Ärmste hat schlimm Grippe, bekam von Tante eine Blutentnahme und Infusiönchen "zur Erfrischung" und freut sich, mich endlich kennenzulernen, Tante spricht oft von mir, er duzt mich und zeigt mir Babyfotos auf seinem Smartphone.
Merkwürdig, dies ist oft der falscheste und genauso oft der richtigste aller denkbaren Orte. Weit weg von allem und doch viel mehr mittendrin.