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Freitag, 12. September 2008

Die Mission

Der Vater einer geschätzten Mitarbeiterin verstarb letzte Woche im Krankenhaus einer Stadt im Süden des Landes, dreieinhalb Stunden von hier durchs Gebirge. Sie erhielt einen Anruf, er liege im Koma, man wisse nichts Genaues. Sie nahm frei und fuhr hin. "Was sagt das CT?" fragte ich sie am Telefon. "CT gibt es nur in der Hauptstadt, wie soll ich ihn dahin bringen?" Dumm von mir. Sie haben den Kopf geröntgt und ihm einen schmutzigen Wendel in die Nase geschoben, das nannten sie Beatmungsschlauch, und ansonsten die Schultern gezuckt. Wo Ärzte die Schultern zucken, tun Pflegekräfte erst recht keinen Handschlag, sein Zimmer wurde nur morgens zur Visite von medizinischem Personal betreten. Und G., die von Beginn an in unserer Klinik geschult wurde, alles wünschenswerte Gerät und Material zur Verfügung hat, nach deutschen Standards plant und pflegt, brach völlig zusammen. Wir haben zwar ein Multislice-Spiral-CT, aber das Krankentransportsystem ist auf niedrigstem Niveau. Selbst wenn wir einen Rettungswagen organisieren und mit unserem Equipment bestücken und den Mann mit unserem eigenen Personal lebend herholen und durchs CT schieben würden, gäbe es hinterher doch keine Neurologie oder -chirurgie, die eine angemessene Behandlung übernehmen könnte.

Der Vater einer anderen Mitarbeiterin beschloss nach der Diagnose seines kleinzelligen Lungenkarzinoms, lieber schnell zu Hause zu sterben, als sich diesen Verhältnissen auszusetzen, es dauerte drei Monate, er war 54.

Als ich vor ein paar Jahren incognito die Intensivstationen der hiesigen Uniklinik besichtigte, erschreckte mich weniger das veraltete Gerät als der Dreck und die Gleichgültigkeit des Personals. Es gab Monitore neuerer Bauart und ein paar 2er Eviten, aber alle Patienten wurden IPPV-beatmet, ohne Sedierung, die Geräte alarmierten permanent: Das Personal hatte ein Sofa in die Großraum-Station gestellt, saß drauf und trank Kaffee. Patienten lagen unrasiert in schmutzigen Betten zwischen alarmierenden Geräten und Stammtischakustik vom Sofa her. Ein Teil des Teams war damit beschäftigt, eine Halsvene eines Patienten zu punktieren, der das nicht wollte. Der Arzt stand am Kopfende mit der Braunüle, zwei andere hielten Kopf und Arme des brüllenden und sich heftig wehrenden Patienten fest, ein dritter saß auf dem Patienten, eine Gruppenvergewaltigung sozusagen. Beim Verlassen dieser Intensivstation, auf welcher Besuch grundsätzlich verboten war, bemerkte ich ein Bett im Flur, die Matratze war mit Blut und Fäkalien beschmiert. "Ach das," sagte die Bekannte, die mich eingeschleust hatte, "das steht immer da."

Fehlende individuelle Verantwortung und Eigeninitiative ist ein großes Problem in allen Bereichen. Was erwartest du nach 600 Jahren Türkenherrschaft und 50 Jahren Kommunismus, sagt meine Freundin V., das dauert noch mindestens eine Generation.

Tagesdosis

Es ist, wie es war
Das Telefon auf meinem Schreibtisch, das niemand je...
nachtschwester - 17. Dez, 02:27
Zwei mit einem im Tee
Es entspricht nicht meiner Gewohnheit, mich allein...
nachtschwester - 16. Dez, 23:27
Ich kann nur mutmaßen,...
Ich kann nur mutmaßen, dass das Reiswasser kaliumreich...
nachtschwester - 16. Dez, 23:00
Sich um Kranke, Verletzte...
Sich um Kranke, Verletzte oder anders hilflose Menschen...
Talakallea Thymon - 10. Dez, 11:27
Und was hat es mit dem...
Und was hat es mit dem rätselhaften "Reiswasser"...
Talakallea Thymon - 9. Dez, 10:16
Es ist schön, dass...
Es ist schön, dass es Ihnen besser geht Frau Nachtschwester. Jetzt...
nina (Gast) - 7. Dez, 11:09
es sind immer die schönen...
es sind immer die schönen dinge, die uns passieren...
Breathless - 7. Dez, 07:32
Genau für solche...
Genau für solche Situationen wird Kaliumpermanganat...
nachtschwester - 6. Dez, 15:21

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