Wiedersehen, virtuell
Sie waren unrasiert, sie tranken, rauchten und kifften. Sie waren ständig umgeben von einem Gefolge männlicher Niemands, die hofften, ein bisschen unnachahmliche Rockstar-Coolness möge auf sie abfärben, und von Mädels mit eindeutigen Absichten oder wenigstens Nichtabgeneigtheiten. Ihr Anführer hatte etwas Unheimliches, Diabolisches, fand ich mit kaum 20 und noch gar nicht lange weg aus geordneten süddeutschen Verhältnissen.
Es war ein Sommernachmittag auf Cres oder Losinj, und während meine neuen Zagreber Freundinnen völlig aus dem Häuschen waren über das zufällige Zusammentreffen mit Darko Rundek und einem Teil seiner Band, war mir unwohl mit diesen düsteren, haarigen, bedröhnten Typen. Eins der Bandmitglieder habe seit einem Autounfall eine Dauererektion! tuschelte mir meine Freundin aufgeregt zu. Das sei für ihn sehr unangenehm, er habe die größten Schmerzen beim Pinkeln! Tatsache, sie wisse es praktisch aus dritter Hand.
Nach einem Kommentar hier habe ich ihn überrascht beim Stöbern auf Youtube wiederentdeckt - nicht etwa längst an einer Überdosis gestorben, sondern nach langen Kriegsmonaten, während derer er von einem alten Forschungsschiff aus die Adriaküste mit einem Radioprogramm beschallte, nach Paris ins Exil gegangen, gealtert, gezeichnet, weise, immer noch Musiker, aber nicht mehr Krawallrocker, Schauspieler, Regisseur, Poet, und was für einer! Ein kroatischer Aznavour, ein Gainsbourg, liest man. Wer hätte das damals gedacht, ich nicht, aber was wusste ich schon.
Darko Rundek & Cargo Orkestar
Es war ein Sommernachmittag auf Cres oder Losinj, und während meine neuen Zagreber Freundinnen völlig aus dem Häuschen waren über das zufällige Zusammentreffen mit Darko Rundek und einem Teil seiner Band, war mir unwohl mit diesen düsteren, haarigen, bedröhnten Typen. Eins der Bandmitglieder habe seit einem Autounfall eine Dauererektion! tuschelte mir meine Freundin aufgeregt zu. Das sei für ihn sehr unangenehm, er habe die größten Schmerzen beim Pinkeln! Tatsache, sie wisse es praktisch aus dritter Hand.
Nach einem Kommentar hier habe ich ihn überrascht beim Stöbern auf Youtube wiederentdeckt - nicht etwa längst an einer Überdosis gestorben, sondern nach langen Kriegsmonaten, während derer er von einem alten Forschungsschiff aus die Adriaküste mit einem Radioprogramm beschallte, nach Paris ins Exil gegangen, gealtert, gezeichnet, weise, immer noch Musiker, aber nicht mehr Krawallrocker, Schauspieler, Regisseur, Poet, und was für einer! Ein kroatischer Aznavour, ein Gainsbourg, liest man. Wer hätte das damals gedacht, ich nicht, aber was wusste ich schon.
Darko Rundek & Cargo Orkestar

