Tragischer Dilettantismus
Er war alt, fast taub, fast blind, musste seit Jahren dreimal wöchentlich zur Dialyse, eine Quälerei, seine Frau lebte nicht mehr. Eines Abends nahm er ein Küchenmesser aus der Schublade in der Absicht, sich die Pulsadern aufzuschneiden, wie man das aus Filmen kennt. Der mickrige Blutfluss aus den kleinen Venen, die er traf, zeigte jedoch nicht die erhoffte Wirkung. Da setzte er das Messer seitlich am Hals an, aber auch die Halsschlagader ist für einen Laien nicht ohne weiteres zu finden. Ein Schnitt quer über die Kehle, aber mit zuwenig Kraft über dem Kehlknorpel ausgeführt, ritzte nur die Haut auf. Er stach sich in den Brustkorb, das Messer rutschte an einer Rippe ab und schrammte über die Haut. Bei alledem war seine Polyneuropathie hilfreich, eine verminderte Schmerzempfindlichkeit infolge jahrzehntelangen Diabetes. Mit aller Kraft setzte er nun an zum finalen Stich Richtung Herz, und dort blieb das Messer stecken.
So kam er an, wie ein Standbild aus einem Splattermovie. Intubiert, beatmet, blutüberströmt, ein Messergriff aus dem Brustkorb ragend, fuhr man ihn aus dem Schockraum über unseren Flur in den OP. Nicht ganz undramatisch wurde das Messer entfernt, die großen herznahen Gefäße übernäht, nicht wenige Blutprodukte transfundiert. Nicht ganz stabil kam er zurück.
Angehörige trafen ein und wedelten mit einer rechtsgültigen Patientenverfügung. "Hätten die nicht mal zwei Stunden früher...", rollte der müde Chirurg hinter ihrem Rücken mit den Augen. Als sei es verwunderlich, dass gerade dieser alte Mann lebensverlängernde Maßnahmen ablehnte.
Sein Zustand ließ sich nicht erfolgversprechend stabilisieren, und so wurden am nächsten Tag nach Rücksprache mit den Verantwortlichen gewisse Gerätefunktionen reduziert, danach verstarb er innerhalb weniger Stunden im Beisein seiner Angehörigen.
Welch unglaubliche Verzweiflung, was für ein Blutbad.
Anstatt einfach ein paar Bananen zu essen. Ohne eigene Nierenfunktion hätte ihr Kaliumgehalt für einen ganz unaufgeregten Herzstillstand gesorgt, zu Hause im Sessel mit der Lieblingsmusik auf dem Plattenteller.
So kam er an, wie ein Standbild aus einem Splattermovie. Intubiert, beatmet, blutüberströmt, ein Messergriff aus dem Brustkorb ragend, fuhr man ihn aus dem Schockraum über unseren Flur in den OP. Nicht ganz undramatisch wurde das Messer entfernt, die großen herznahen Gefäße übernäht, nicht wenige Blutprodukte transfundiert. Nicht ganz stabil kam er zurück.
Angehörige trafen ein und wedelten mit einer rechtsgültigen Patientenverfügung. "Hätten die nicht mal zwei Stunden früher...", rollte der müde Chirurg hinter ihrem Rücken mit den Augen. Als sei es verwunderlich, dass gerade dieser alte Mann lebensverlängernde Maßnahmen ablehnte.
Sein Zustand ließ sich nicht erfolgversprechend stabilisieren, und so wurden am nächsten Tag nach Rücksprache mit den Verantwortlichen gewisse Gerätefunktionen reduziert, danach verstarb er innerhalb weniger Stunden im Beisein seiner Angehörigen.
Welch unglaubliche Verzweiflung, was für ein Blutbad.
Anstatt einfach ein paar Bananen zu essen. Ohne eigene Nierenfunktion hätte ihr Kaliumgehalt für einen ganz unaufgeregten Herzstillstand gesorgt, zu Hause im Sessel mit der Lieblingsmusik auf dem Plattenteller.

