Zurück
Am Flughafen herrschte ein nie gesehenes Getümmel. Der neue Chauffeur, ein Großneffe des alten Faktotums K., der vorletzte Woche endgültig in Rente geschickt wurde, nachdem wir ihn tatsächlich koronarangiografieren mussten, hievte noch meinen Koffer aufs Kontrollband und verabschiedete sich.
Es gibt so wenige Schalter, dass man sich eigentlich nicht falsch anstellen kann. So wartete ich schon eine Weile, ehe mir auffiel, dass mein Flug an der Anschlagstafel nicht genannt war. Mit dem Ticket wedelnd zum Infoschalter, zum MAT-Schalter schicken lassen, von dort zum Swiss-Schalter. "Ihr Flug geht eine halbe Stunde früher, weil sie erst nach Ohrid fliegen, dann nach Zürich." Was soll das?" - Achselzucken. Zurück in die Schlange, war eben um drei Positionen nach vorne gerückt, da schloss der Schalter. 30 Minuten vor Abflug.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass MAT-Maschinen auf Passagiere warten, die das Bodenpersonal versäumt hat, abzufertigen. Die ganze multiethnische Meute teilte diese Einschätzung und prügelte sich zum Nachbarschalter. Ich lag in weit abgeschlagener Position. Anrempeln macht mir schon fast nichts mehr aus, aber wenn mir noch einer mit seinem Trolley über den Fuss oder in die Hacken fährt, hau ich ihm in die Fresse.
Dankbar registrierte ich das Erscheinen zweier deutschsprechender Anzugträger von hinten, Identifikations-, Gallionsfiguren! - einer Kultur, in der man sich als Kunde einer respektablen Airline nicht einfach wie in einer Hammelherde kopflos durch die schäbigste aller Schalterhallen treiben lässt. Gerade hatte ich die spontan geänderte Flugzeit und -route mitgeteilt, da öffnete überraschend ein weiterer Schalter. Der ältere der beiden packte mich am Arm - "Kommen Sie! zu zweit ist man immer besser dran!"- und während er unflätig auf deutsch über dieses rüpelhafte, rempelnde Volk schimpfte, dessen EU-Mitgliedskandidatur von allen Seiten breitest unterstützt wird, boxte er uns bis knapp hinter die pole position durch. Landessprachliche Protestrufe verstanden wir einfach nicht.
"Gehen Sie zum Swiss-Schalter und lassen sie ihr Ticket umschreiben" - sagte die Dame am Schalter zu meinem neuen Begleiter. "Kommt nicht in Frage. Das ist ihr Job, nicht meiner", antwortete der auf englisch. "Tut mir leid, ihr Name steht nicht auf der Liste für diesen Flug", sagte die Schalterdame. "Er steht auf meinem Ticket. Ihre Liste interessiert mich nicht." Seine widerwärtige EU-Mitglieds-Herrenmenschen-Attitüde vereinfachte das Check-In wider Erwarten auf verblüffende Weise. Nachdem er selbst durch war, behauptete er, wir gehörten zusammen, und ich transportierte in meinem übergewichtigen Koffer seine Bücher. Das glaubte man uns nun leider nicht, denn ab Zürich hatten wir unterschiedliche Destinationen, und so musste ich wie immer Übergepäck bezahlen.
Zurück also zum MAT-Schalterhäuschen; dort machte sich ein Schwarm von sieben, acht, speckigen männlichen Kunstlederjacken vor dem diensthabenden Schätzchen breit, auf ihrem Schoss lagen Handtasche und Schminkspiegel griffbereit. Ich schrie sie an, sie solle mich gefälligst abfertigen, mein Flug geht in zehn Minuten, ich habe keine Zeit für ihre Schäkereien. Sie reagierte nicht auf mich. Die beiden Herren kamen nach mir sehen. Einer lief um die Bude herum, riss die Hintertür auf und stauchte sie zusammen, nun nahm sie erschrocken meinen Vorgang entgegen, rechnete aber die Toleranz nicht ein, der Endbetrag war zu hoch. Keinen Nerv, keine Zeit für Diskussionen.
Kreditkarte nicht lesbar, Maestro nehmen sie sowieso nicht, Landeswährung hatte ich nicht mehr genug und Euros dürfen sie nicht annehmen. Der eine Deutsche knallte das entsprechende Bündel Valuta auf den Tisch, der andere prügelte sich mit der Quittung zurück zum Check-In und holte meine Bordkarte, ich rannte währenddessen zum Automaten, Geld ziehen, auch dort eine Schlange, drückte dem ersteren das Scheinebündel in die Hand, der verabschiedete sich und schon liefen wir durch Security und Passkontrolle aufs Rollfeld. Da wir eine komplizierte Sitztauschaktion anstrebten, um nebeneinander zu sitzen, erklärte uns die Stewardess zu Mann und Frau. Er ist medienaufbauleistender Mitarbeiter einer großen deutschen Stiftung, im Gespräch fanden sich gemeinsame Bekannte und Gedanken. Klar ist: Das war der letzte Flug mit Swiss oder LH hierher. Die Star Alliance kooperiert mit MAT, resistent gegen Beschwerden, und das ist einfach zu anstrengend. Jedes Mal dieser Wahnsinn.
Es ist so wohltuend, nach einem langen Aufenthalt im Südosten in Wien, Prag oder Zürich zwischenzulanden. Glas und Spiegel, Licht und Platz, und wie sauber hier alles.... Ich erreichte meinen Anschlussflug nach dem Ohrid-Drama eben noch rechtzeitig, saß in einer blitzsauberen Swiss Maschine, weiche Ledersitze, freundliche Stewardessen ohne Peroxid-Grünstich im originär schwarzen Haar und ohne Drag-Queen-MakeUp, schloss genussvoll die Augen, Swiss Chocolate auf den Geschmacksknospen, es ging auf die Startbahn, der Pilot gab vollen Schub - dann eine Vollbremsung.
Kaputt, die Maschine, eine Stunde lang irreparabel, dann zurück ins Terminal, dann eine andere Maschine....und hier höre ich auf, mit Details zu langweilen, aber das musste ich einfach noch einmal widerkäuen. Es geht nicht in meinen Kopf, dass eine Nettoflugzeit von drei Stunden, innereuropäisch, nicht in, sagen wir, fünf zu bewältigen sein soll! Von mir aus sechs, aber doch nicht jedes Mal zehn, zwölf oder vierzehn, und dann noch einen Tag aufs Gepäck warten!
Im Februar fliege ich wieder hin, ich freue mich. Ehrlich jetzt. Wir werden gebraucht. Und falls das bisher nicht ausreichend zum Ausdruck gekommen sein sollte, die Menschen sind toll.
Es gibt so wenige Schalter, dass man sich eigentlich nicht falsch anstellen kann. So wartete ich schon eine Weile, ehe mir auffiel, dass mein Flug an der Anschlagstafel nicht genannt war. Mit dem Ticket wedelnd zum Infoschalter, zum MAT-Schalter schicken lassen, von dort zum Swiss-Schalter. "Ihr Flug geht eine halbe Stunde früher, weil sie erst nach Ohrid fliegen, dann nach Zürich." Was soll das?" - Achselzucken. Zurück in die Schlange, war eben um drei Positionen nach vorne gerückt, da schloss der Schalter. 30 Minuten vor Abflug.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass MAT-Maschinen auf Passagiere warten, die das Bodenpersonal versäumt hat, abzufertigen. Die ganze multiethnische Meute teilte diese Einschätzung und prügelte sich zum Nachbarschalter. Ich lag in weit abgeschlagener Position. Anrempeln macht mir schon fast nichts mehr aus, aber wenn mir noch einer mit seinem Trolley über den Fuss oder in die Hacken fährt, hau ich ihm in die Fresse.
Dankbar registrierte ich das Erscheinen zweier deutschsprechender Anzugträger von hinten, Identifikations-, Gallionsfiguren! - einer Kultur, in der man sich als Kunde einer respektablen Airline nicht einfach wie in einer Hammelherde kopflos durch die schäbigste aller Schalterhallen treiben lässt. Gerade hatte ich die spontan geänderte Flugzeit und -route mitgeteilt, da öffnete überraschend ein weiterer Schalter. Der ältere der beiden packte mich am Arm - "Kommen Sie! zu zweit ist man immer besser dran!"- und während er unflätig auf deutsch über dieses rüpelhafte, rempelnde Volk schimpfte, dessen EU-Mitgliedskandidatur von allen Seiten breitest unterstützt wird, boxte er uns bis knapp hinter die pole position durch. Landessprachliche Protestrufe verstanden wir einfach nicht.
"Gehen Sie zum Swiss-Schalter und lassen sie ihr Ticket umschreiben" - sagte die Dame am Schalter zu meinem neuen Begleiter. "Kommt nicht in Frage. Das ist ihr Job, nicht meiner", antwortete der auf englisch. "Tut mir leid, ihr Name steht nicht auf der Liste für diesen Flug", sagte die Schalterdame. "Er steht auf meinem Ticket. Ihre Liste interessiert mich nicht." Seine widerwärtige EU-Mitglieds-Herrenmenschen-Attitüde vereinfachte das Check-In wider Erwarten auf verblüffende Weise. Nachdem er selbst durch war, behauptete er, wir gehörten zusammen, und ich transportierte in meinem übergewichtigen Koffer seine Bücher. Das glaubte man uns nun leider nicht, denn ab Zürich hatten wir unterschiedliche Destinationen, und so musste ich wie immer Übergepäck bezahlen.
Zurück also zum MAT-Schalterhäuschen; dort machte sich ein Schwarm von sieben, acht, speckigen männlichen Kunstlederjacken vor dem diensthabenden Schätzchen breit, auf ihrem Schoss lagen Handtasche und Schminkspiegel griffbereit. Ich schrie sie an, sie solle mich gefälligst abfertigen, mein Flug geht in zehn Minuten, ich habe keine Zeit für ihre Schäkereien. Sie reagierte nicht auf mich. Die beiden Herren kamen nach mir sehen. Einer lief um die Bude herum, riss die Hintertür auf und stauchte sie zusammen, nun nahm sie erschrocken meinen Vorgang entgegen, rechnete aber die Toleranz nicht ein, der Endbetrag war zu hoch. Keinen Nerv, keine Zeit für Diskussionen.
Kreditkarte nicht lesbar, Maestro nehmen sie sowieso nicht, Landeswährung hatte ich nicht mehr genug und Euros dürfen sie nicht annehmen. Der eine Deutsche knallte das entsprechende Bündel Valuta auf den Tisch, der andere prügelte sich mit der Quittung zurück zum Check-In und holte meine Bordkarte, ich rannte währenddessen zum Automaten, Geld ziehen, auch dort eine Schlange, drückte dem ersteren das Scheinebündel in die Hand, der verabschiedete sich und schon liefen wir durch Security und Passkontrolle aufs Rollfeld. Da wir eine komplizierte Sitztauschaktion anstrebten, um nebeneinander zu sitzen, erklärte uns die Stewardess zu Mann und Frau. Er ist medienaufbauleistender Mitarbeiter einer großen deutschen Stiftung, im Gespräch fanden sich gemeinsame Bekannte und Gedanken. Klar ist: Das war der letzte Flug mit Swiss oder LH hierher. Die Star Alliance kooperiert mit MAT, resistent gegen Beschwerden, und das ist einfach zu anstrengend. Jedes Mal dieser Wahnsinn.
Es ist so wohltuend, nach einem langen Aufenthalt im Südosten in Wien, Prag oder Zürich zwischenzulanden. Glas und Spiegel, Licht und Platz, und wie sauber hier alles.... Ich erreichte meinen Anschlussflug nach dem Ohrid-Drama eben noch rechtzeitig, saß in einer blitzsauberen Swiss Maschine, weiche Ledersitze, freundliche Stewardessen ohne Peroxid-Grünstich im originär schwarzen Haar und ohne Drag-Queen-MakeUp, schloss genussvoll die Augen, Swiss Chocolate auf den Geschmacksknospen, es ging auf die Startbahn, der Pilot gab vollen Schub - dann eine Vollbremsung.
Kaputt, die Maschine, eine Stunde lang irreparabel, dann zurück ins Terminal, dann eine andere Maschine....und hier höre ich auf, mit Details zu langweilen, aber das musste ich einfach noch einmal widerkäuen. Es geht nicht in meinen Kopf, dass eine Nettoflugzeit von drei Stunden, innereuropäisch, nicht in, sagen wir, fünf zu bewältigen sein soll! Von mir aus sechs, aber doch nicht jedes Mal zehn, zwölf oder vierzehn, und dann noch einen Tag aufs Gepäck warten!
Im Februar fliege ich wieder hin, ich freue mich. Ehrlich jetzt. Wir werden gebraucht. Und falls das bisher nicht ausreichend zum Ausdruck gekommen sein sollte, die Menschen sind toll.

