Fünf nach zwölf forever
Ich bin nie pünktlich. Ich kann es auch nicht lernen. Seit ich denken kann, komme ich bestenfalls minutengenau, nie vorher. Keine Tipps, bitte. Ich habe schon alles versucht. Ich setze den Timer meines Handys mit großzügigem Zeitfenster für jeden einzelnen Termin, dann drücke ich den Alarm aus und komme in aller Ruhe zu spät. Es vergeht kein Tag ohne Schuldgfühle, weil ich jemanden habe warten lassen. Heute war ein sehr schuldiger Tag.
V. kam heute meinetwegen früher zum Dienst, genau gesagt hat sie ihren Zwölfbiszwanziguhrdienst schon um sieben angetreten, und bei meinem Eintreffen um 7.20h selbstlos behauptet, sie sei selbst eben erst gekommen. V. ist eigentlich Altphilologin, aber wie alle Akademiker hierzulande froh über egal welchen Job. Sie macht den Schreibkram, der auf der Intensivstation anfällt, daneben pflegt sie die Datenbanken für die laufenden Studien, macht das Backup für zwei Doktorarbeiten und eine Habilitation, daneben sitzt sie mangels Personal derzeit täglich sechs Stunden am Infoschalter in der aus allen Nähten platzenden Ambulanz, daneben arbeitet sie für mich, zuverlässig, klaglos und klug. Eine Fortbildung, die ich am Nachmittag gehalten habe, war noch nicht übersetzt, V. hat dafür von sich aus einen 13-Stunden-Tag auf sich genommen und ich habe sie warten lassen.
Ich kam um sechsnach Hauseins Hotel, fiel ins Bett, drückte um halb acht den Handywecker aus, dann kam ewig das Taxi nicht, sodass meine Freundin E. eine Viertelstunde im Regen am Treffpunkt warten musste. Einen Liter fantastischen Wein später und nachts nach eins ist klar, dass ich es morgen um sieben nicht zur Frühbesprechung schaffen werde, obwohl ich Wichtiges mitzuteilen hätte. Pünktlichkeit ist hier beileibe keine landestypische Eigenschaft. Mein Schuldkomplex wird dadurch potenziert, dass man sich mir gegenüber mit einer "deutschen" Tugend aufzuwarten erfolgreich bemüht, die mir selbst fehlt. Vielleicht mögen sie mich aber auch gerade deshalb.
V. kam heute meinetwegen früher zum Dienst, genau gesagt hat sie ihren Zwölfbiszwanziguhrdienst schon um sieben angetreten, und bei meinem Eintreffen um 7.20h selbstlos behauptet, sie sei selbst eben erst gekommen. V. ist eigentlich Altphilologin, aber wie alle Akademiker hierzulande froh über egal welchen Job. Sie macht den Schreibkram, der auf der Intensivstation anfällt, daneben pflegt sie die Datenbanken für die laufenden Studien, macht das Backup für zwei Doktorarbeiten und eine Habilitation, daneben sitzt sie mangels Personal derzeit täglich sechs Stunden am Infoschalter in der aus allen Nähten platzenden Ambulanz, daneben arbeitet sie für mich, zuverlässig, klaglos und klug. Eine Fortbildung, die ich am Nachmittag gehalten habe, war noch nicht übersetzt, V. hat dafür von sich aus einen 13-Stunden-Tag auf sich genommen und ich habe sie warten lassen.
Ich kam um sechs

