Katzav, Putin und schießwütige Väter
Der Moskauer Korrespondent sagte über Putins anerkennenden Kommentar zu den mutmasslichen Vergewaltigungen durch den israelischen Präsidenten, wenn überhaupt, werde man sich in Russland darüber aufregen, dass sich der Präsident so unvorsichtig geäußert hat, nicht über den Inhalt des Gesagten. Das sei Ausdruck der patriarchalischen Strukturen, Vergewaltigung gelte nun mal als Kavaliersdelikt.
In der aktuellen WHO-Studie zu Frauengesundheit und Gewalt gegen Frauen sind Äthiopien und Peru traurige Spitzenreiter der zehn untersuchten Länder. 70% der dort befragten Frauen gaben an, jemals physische oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben.
In Serbien und Montenegro, die uns von den Ländern der Studie geographisch und kulturell am nächsten liegen, waren es immerhin noch 24%. Ein Viertel der 15 bis 49jährigen.
Ein Nachmittag zu Hause bei einer Mitarbeiterin unseres Projektes in Skopje. Das Gespräch drehte sich um die Korruption, das Versagen der Rechtsorgane, Kriminalität, Vergewaltigung. Eine vergewaltigte Frau sei schlecht beraten, sich an die Polizei zu wenden. Ebenso könne sie sich "Nutte" auf die Stirn schreiben. Die Frau habe in der öffentlichen Meinung immer selbst schuld. "Diese Dinge kann man bei uns nur in der Familie regeln", sagte der Vater meiner Bekannten. "Wenn das meiner Tochter jemand antun würde, würde ich mit der Pistole losgehen und das Schwein abknallen. Das weiß sie. Vielleicht würde sie´s mir deshalb gar nicht sagen." Meine Bekannte ging in die Küche, nochmal Mokka aufsetzen. Sie war unter einem Vorwand wieder zu Hause eingezogen. In Wirklichkeit hatte sie ihr Exfreund wochenlang in der Wohnung eingesperrt, geschlagen und vergewaltigt. Mir hat sie´s gesagt, die Mutter ahnt es, der Vater darf es nicht wissen, der Ex hat eine Neue. Er ist ein Schwein, sie hat eben Pech gehabt, sowas kommt vor.
Wir haben uns, wie die Diskussionen um Frauen in Führungspositionen, Gehälterdifferenz und Kinderbetreuung zeigen, noch längst nicht zu Ende emanzipiert. Allerdings haben wir jede Chance, diese Dinge voranzutreiben, weil wir in einem Rechtsstaat leben. Das ist ein Privileg. Wer einem Anderen Gewalt antut, ob Mann, ob Frau, wird dafür belangt, für das Opfer gibt es Anlaufstellen, weibliche Polizeibeamte, Ärztinnen, psychologische Hilfe. Der alte Maslow würde sagen: Die Sicherheit ist längst gesichert, Schluss mit dem Gejammer, rauf zur sozialen Anerkennung!
Man muss nicht einmal den Kontinent verlassen, nur ein bisschen von unserem westeuropäischen Menschenrechtsidyll nach Osten reisen und sich mit Einheimischen umgeben. Das macht schon eine drastische Perspektiveerweiterung auf das wahre Leben, vor allem als Frau. Ich wüsste ein paar Leute, denen das ganz gut täte.
In der aktuellen WHO-Studie zu Frauengesundheit und Gewalt gegen Frauen sind Äthiopien und Peru traurige Spitzenreiter der zehn untersuchten Länder. 70% der dort befragten Frauen gaben an, jemals physische oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben.
In Serbien und Montenegro, die uns von den Ländern der Studie geographisch und kulturell am nächsten liegen, waren es immerhin noch 24%. Ein Viertel der 15 bis 49jährigen.
"Two thirds of physically abused women did not seek help because they thought such abuse "normal" or not serious enough to seek help."Sie verbuchen das als miese Erfahrung, studieren und arbeiten weiter, bekommen und versorgen ihre Kinder, nehmen am Leben teil und funktionieren.
Ein Nachmittag zu Hause bei einer Mitarbeiterin unseres Projektes in Skopje. Das Gespräch drehte sich um die Korruption, das Versagen der Rechtsorgane, Kriminalität, Vergewaltigung. Eine vergewaltigte Frau sei schlecht beraten, sich an die Polizei zu wenden. Ebenso könne sie sich "Nutte" auf die Stirn schreiben. Die Frau habe in der öffentlichen Meinung immer selbst schuld. "Diese Dinge kann man bei uns nur in der Familie regeln", sagte der Vater meiner Bekannten. "Wenn das meiner Tochter jemand antun würde, würde ich mit der Pistole losgehen und das Schwein abknallen. Das weiß sie. Vielleicht würde sie´s mir deshalb gar nicht sagen." Meine Bekannte ging in die Küche, nochmal Mokka aufsetzen. Sie war unter einem Vorwand wieder zu Hause eingezogen. In Wirklichkeit hatte sie ihr Exfreund wochenlang in der Wohnung eingesperrt, geschlagen und vergewaltigt. Mir hat sie´s gesagt, die Mutter ahnt es, der Vater darf es nicht wissen, der Ex hat eine Neue. Er ist ein Schwein, sie hat eben Pech gehabt, sowas kommt vor.
Wir haben uns, wie die Diskussionen um Frauen in Führungspositionen, Gehälterdifferenz und Kinderbetreuung zeigen, noch längst nicht zu Ende emanzipiert. Allerdings haben wir jede Chance, diese Dinge voranzutreiben, weil wir in einem Rechtsstaat leben. Das ist ein Privileg. Wer einem Anderen Gewalt antut, ob Mann, ob Frau, wird dafür belangt, für das Opfer gibt es Anlaufstellen, weibliche Polizeibeamte, Ärztinnen, psychologische Hilfe. Der alte Maslow würde sagen: Die Sicherheit ist längst gesichert, Schluss mit dem Gejammer, rauf zur sozialen Anerkennung!
Man muss nicht einmal den Kontinent verlassen, nur ein bisschen von unserem westeuropäischen Menschenrechtsidyll nach Osten reisen und sich mit Einheimischen umgeben. Das macht schon eine drastische Perspektiveerweiterung auf das wahre Leben, vor allem als Frau. Ich wüsste ein paar Leute, denen das ganz gut täte.

