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Freitag, 13. Oktober 2006

Zwei mit einem im Tee

Es entspricht nicht meiner Gewohnheit, mich allein zu Hause zu betrinken. Ich trank bloß zum entspannten Bloglesen am Abend erst ein, dann noch ein Gläschen von diesem feinen Brombeerwein, den ich vom Obsthof in der Nachbarschaft meiner Eltern im Badischen mitgebracht hatte, und noch ein halbes, da fiel mein Blick auf die fast leere Flasche Mastika im Regal. Makedonischer Anisschnaps, ein Schlückchen nur noch, eins ist keins, der muss weg. Ups, da war aber doch noch ganz schön viel drin, hick.

Der Panzerknacker sah eigentlich aus wie immer, als er später von seinem Herrenabend nach Hause kam, und das löste unkontrollierbares Gelächter bis hin zu Luftnot und Blasenschwäche bei mir aus, nur weil er aussah, wie er eben aussieht. Nüchternen Außenstehenden mag das befremdlich erscheinen, nicht aber Herrn Nachtschwester, der mich gelegentlich schon mal so gesehen haben muss und durchaus Humor besitzt. Er hätte mir auch noch einen eingeschenkt, wäre die Flasche nicht leer gewesen. Das war an sich schon traurig, und dann prangte noch das hier auf dem Bildschirm. "Kuck ma, der hat eine Zagreber Mülltonne auf sein Blog gestellt, und ich weiss auch ungefähr, wo die steht..." Herr Nachtschwester wusste, hier wird gleich geschluchzt, und war voller nützlicher Ideen. "Das nächste Mal auf dem Weg nach Molwanien kannst du doch mit Zwischenstopp über Zagreb buchen lassen, oder selber mit German Wings mal eben für einen Euro... und jetzt googeln wir deine Leute von früher!"

Ich fand unter L.´s Namen eine Zagreber PR-Agentur, das würde passen. Kontaktformular, "Ich kann doch so nicht schreiben, schau mich an!" Herr Nachtschwester, von jeher der aktivere Networker von uns beiden, hatte selber auch schon einen im Tee und tippte forsch an mir vorbei: "Dobre dan lidia da pivo moze moze cevapcici slivowitz, Nachtschwester".

Zu deutsch: Gut tag lidia ja bier geht in ordnung hackfleischbällchen pflaumenschnaps, Nachtschwester. "Siehst du? So einfach ist das." - triumphierte er. Gesendet. Zehn Jahre Funkstille, und dann sowas.

Das war vor einer Woche, sie hat nicht geantwortet. Ich hatte noch nicht den Mut, die gesendete Nachricht noch mal anzusehen. Ich hoffe nur, die Agentur gehört irgendeiner anderen Lidija.

Stockschwerenot!

Wie diese Stöcke von Nord nach Süd und wieder nach Nord und kreuz und quer durch den Luftraum schießen....das macht die Sache mit der Flugsicherheit nicht eben besser, Frau Rabe!

� Fünf Dinge, die ich nicht habe, aber gerne hätte:
  • vier stehen hier, die gelten noch. Die liessen sich aber mit einer einzigen Erbschaft von, sagen wir, zwei Millionen abhaken, dann wäre hier Platz für weitere vier Wünsche. Wobei ich in diesem Kontext natürlich nur beerbe, wen ich zu Lebzeiten nicht kannte, wie sieht denn das sonst aus.
  • ganz alte Freunde hier in meiner Nähe
  • zwei oder drei neue Zahnkronen
  • mehr Zeit, insgesamt, meine ich. Lebenszeit. So 100 würde ich schon gern werden.
  • einen netten Karosseriebauer, der das kleine Schmuckstück entrostet, ohne mich gleich in den Ruin zu treiben.
� Fünf Dinge, die ich habe, aber lieber nicht hätte:
  • gesetzliche Krankenversicherung
  • Rückenschmerzen
  • den Ruhestörer nebenan, der erst dem Panzerknacker die Nachbarwohnung unbesehen zu völlig überhöhtem Preis weggeschnappt hat, und nun 6 Monate lang sanieren will!
  • all diese Dinge, die auf dem Dachboden akkumulieren, weil sie zum Wegwerfen zu schade sind, bei ebay nichts bringen und man am Wochenende lieber ausschläft, als sie zum Flohmarkt zu karren
  • Telekom-Anschluss + DSL-Volumentarif, blöder Zweijahresvertrag.
� Fünf Dinge, die ich nicht habe und auch nicht haben möchte:
  • Zahnweh
  • Rosenkrieg
  • mehr als zwei Millionen Euro, das wird sonst schnell unübersichtlich
  • Personalverantwortung
  • Klötze am Bein, die mich fest an einen Ort binden, und sei es ein so fabelhafter wie Hamburg
Die vierte Frage war nicht dabei, die hole ich eben von Opa:

Fünf Dinge, die ich habe und auch weiterhin haben möchte:
  • meine Gesundheit
  • noch eine Weile diesen Wohnort
  • Weisheitszähne, Mandeln und Blinddarm
  • meinen Garagenstellplatz. Zur Erklärung für Klein- oder Nichtstädter: es gibt innerstädtisch gar keine Garagen. Wer trotzdem eine hat, gibt sie nie wieder ab. Ich kenne jemanden, der hat sein Auto abgeschafft, aber die Garage behalten.
  • unsere armenische Putzfee Anna, die das Leben so viel angenehmer macht.
� Fünf Gerngelesene, an die das Stöckchen weiterfliegt:
  • ....allmählich müsste es doch einmal durch sein? Ich werfe es geradeaus in die Luft, wer mag, darf es gerne fangen.

Tagesdosis

Liebe Frau Nachtschwester, haben...
Liebe Frau Nachtschwester, haben Sie denn ein konkretes...
Christine (Gast) - 22. Nov, 10:43
Tja, wenn es so einfach...
Tja, wenn es so einfach wäre. Urlaub ist Teil...
nachtschwester - 22. Nov, 02:33
Urlaub machen
so ziemlich sofort...! Und im Urlaub mal Revue passieren...
gspusi (Gast) - 21. Nov, 20:15
ach mensch.... liebe...
ach mensch.... liebe n8schwester..... *reicht tempotaschentücher*
rosmarin - 21. Nov, 00:38
So, jetzt werde ich emotional:...
So, jetzt werde ich emotional: Fühlen Sie sich...
nina (Gast) - 20. Nov, 10:56
pause machen
sofort.
adelhaid (Gast) - 19. Nov, 12:25
Weinerlicher, unangenehm...
Am Wochenende das Pferdchen gestriegelt, gesattelt...
nachtschwester - 18. Nov, 22:29
ich habs zweimal gelesen,...
ich habs zweimal gelesen, weil ich erst dachte das...
gluecklich - 14. Nov, 01:40

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