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Sonntag, 24. September 2006

Strickmuster vs. Burn-Out-Syndrom

Vor Monaten hat eine strickblogbetreibende Berufsgenossin hierher verlinkt mit der Bemerkung, glücklicherweise sei sie selbst nicht so ausgebrannt, man müsse eben wissen, wann man aufhören muss oder so ähnlich.
Gerade vorgestern fiel mir das ein, als ich völlig unabstrahiert in Tränen aufgelöst nach Hause kam. Das ist eine neue Entwicklung, das ist nicht gut, was war da los?
Ich vermute, es liegt an dieser Vielschichtigkeit, die über lange Zeit vom Kern der Dinge ablenkt. Die medizinischen Zusammenhänge, die Medikamente, die Laborchemie, die Krankenbeobachtung, das Pflegerische, die Pflegewissenschaft, die Rechtslage, die immer komplexere Dokumentation, das Psychsoziale, die Angehörigenbetreuung, die Teamdynamik, die Geräte und Verfahren, die Strukturen und Machtverstrickungen im Krankenhaus, die EBM und EBP, die wirtschaftlich bedingten Veränderungen. All das will belesen und begriffen werden, alles ist spannend.
Es ist wie ein komplexes Bildbearbeitungsprogramm, das sich anzueignen man Jahre braucht. Jahrelang wendet man es an und findet immer weitere faszinierende Funktionen. Aber eines Tages hat man alle Tools automatisiert, das Programm lässt sich quasi extrapyramidal aus dem Kleinhirn heraus bedienen. Und plötzlich, unvorbereitet, ist der Verstand frei für - voilá - das Bild, die große Totale.
In diesem Fall war das Bild ein liebenswerter Mensch, der sterben wird, ohne dass man dem angemessen begegnet, nicht gleich, aber er wird. Am Bildrand war der junge Diensthabende noch mit den Programmbausteinen Blutdruck (noch suffizient), Sauerstoffsättigung (ausrechend), Vigilanz und Kontaktverhalten (einwandfrei) befasst, er sah nicht, was ich sah.
Das also meinte Frau Benner mit intuitiver Situationserfassung des Experten, aber ich würde gern wieder eine Stufe runter in der Pflegekompetenz, mit Intuition in dieser Ausprägung komme ich nicht klar.
Vielleicht sollte ich stricken oder häkeln. Meine Work-Strick-Balance ist nicht im Lot.
Aber ich blogge schon, das frisst genug Zeit, und ich halte Häkeln nicht für erfüllend oder sinnhaft. Ich umgebe mich auch nicht mit Kollegen, die das tun, noch nie. Wann denn auch? Wir lesen, schreiben und publizieren, wir studieren, wir lehren, und klar brennen wir aus, denn unser Arbeitsumfeld ist traditionell frei von Wertschätzung.
An der Bemerkung der Strickerin irritiert mich, wo ich jetzt darüber nachdenke, dass sie in Umkehrung von Ursache und Folge suggeriert, Leute wie ich seien mit unserem Burn-Out mitverantwortlich für die Misere. Leute wie ich orientieren sich aber in Scharen aus unserem Gesundheitswesen hinaus, es bleiben die HandarbeitslehrerInnen, und ob das eine günstige Entwicklung ist, geht mich bald auch nichts mehr an.

Tagesdosis

Urlaubbbbbb!
Urlaub! So ein magisches Wort. Ich kanns kaum abwarten...
Pepe Torres (Gast) - 26. Nov, 12:40
Hatte ich schon auf die...
Hatte ich schon auf die Liste der Optionen geschrieben....
nachtschwester - 24. Nov, 22:39
Wenn es schlecht geht,...
Wenn es schlecht geht, ganz schlecht, hilft immer :...
croco (Gast) - 24. Nov, 20:27
Der Beruf ist eine solide...
Der Beruf ist eine solide gezimmerte und gesuchte Nischenqualifikation....
nachtschwester - 23. Nov, 19:44
Mein dritter Versuch...
Mein dritter Versuch hier in vier Tagen, jetzt der...
Etosha (Gast) - 23. Nov, 19:29
Was immer ...
sie alles (es ist ja nie eins) bedrückt, ich wünschen...
sokrates2005 - 23. Nov, 11:04
Liebe Frau Nachtschwester, haben...
Liebe Frau Nachtschwester, haben Sie denn ein konkretes...
Christine (Gast) - 22. Nov, 10:43
Tja, wenn es so einfach...
Tja, wenn es so einfach wäre. Urlaub ist Teil...
nachtschwester - 22. Nov, 02:33

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