Ziehen Sie nicht an dem Kabel...
....da hängt ihr Leben dran! - sagt ein ärztlicher Kollege gern zu Patienten im akuten transitorischen organischen Psychosyndrom oder umgangsprachlich im Durchgang, um es dringlich zu machen. Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Mein 80jähriger Patient ist im Durchgang. Er ist ungehalten, dass man ihn so lange auf seine Operation warten lässt. Schliesslich sei er nicht zum Spass hier. Er habe die Schnauze voll und gehe jetzt.
Tatsächlich ist seine Operation ist drei Tage her. So ein Unfug, sagt er. Zum Beweis lasse ich ihn Verband und Wunddrainagen betasten. Das haben Sie mir alles angeklebt, schimpft er, wenn das echt wäre, würde es doch weh tun!
Er ruft zu sich, wen immer er in der Nähe sieht, Putzfrau, EDV-Techniker, Hol-und-Bringedienst: Hier will jemand behaupten, ich sei schon operiert!
Meine Version der erfolgreichen Operation vor drei Tagen erscheint ihm so absurd, dass er schliesslich annimmt, es läge eine Verwechslung vor. Es gebe einen weiteren Patienten mit gleichem Namen, der tatsächlich vor drei Tagen operiert wurde. Nun versucht er, mich zu davon überzeugen, dass er er selbst ist. Schlau fragt er: Wo wohnt denn dieser ...(eigener Name)? Das müssen Sie doch in Ihrer Akte stehen haben!
Dass die Adresse, die wir führen, seine eigene ist, obwohl er doch meint, ein Anderer zu sein als der, für den wir ihn halten, macht die Angelegenheit für ihn vollends undurchsichtig.
Nach einer Phase angestrengten Nachdenkens streckt er sich und greift mit unerwarteter Kraft nach seinem externen Schrittmacher, der über ihm aufgehängt ist.
- Da auf keinen Fall dran ziehen!
- Geben Sie mir das mal runter.
- Wozu denn?
- Ich muss meine Frau anrufen.
Seine Frau, erfahre ich später vom Sohn, lebt nicht mehr. Aber die feinen, vermeintlichen Telefonkabel, über die er mit ihr sprechen will, liegen mit dem anderen Ende direkt an seinem Herzen.
Mein 80jähriger Patient ist im Durchgang. Er ist ungehalten, dass man ihn so lange auf seine Operation warten lässt. Schliesslich sei er nicht zum Spass hier. Er habe die Schnauze voll und gehe jetzt.
Tatsächlich ist seine Operation ist drei Tage her. So ein Unfug, sagt er. Zum Beweis lasse ich ihn Verband und Wunddrainagen betasten. Das haben Sie mir alles angeklebt, schimpft er, wenn das echt wäre, würde es doch weh tun!
Er ruft zu sich, wen immer er in der Nähe sieht, Putzfrau, EDV-Techniker, Hol-und-Bringedienst: Hier will jemand behaupten, ich sei schon operiert!
Meine Version der erfolgreichen Operation vor drei Tagen erscheint ihm so absurd, dass er schliesslich annimmt, es läge eine Verwechslung vor. Es gebe einen weiteren Patienten mit gleichem Namen, der tatsächlich vor drei Tagen operiert wurde. Nun versucht er, mich zu davon überzeugen, dass er er selbst ist. Schlau fragt er: Wo wohnt denn dieser ...(eigener Name)? Das müssen Sie doch in Ihrer Akte stehen haben!
Dass die Adresse, die wir führen, seine eigene ist, obwohl er doch meint, ein Anderer zu sein als der, für den wir ihn halten, macht die Angelegenheit für ihn vollends undurchsichtig.
Nach einer Phase angestrengten Nachdenkens streckt er sich und greift mit unerwarteter Kraft nach seinem externen Schrittmacher, der über ihm aufgehängt ist. - Da auf keinen Fall dran ziehen!
- Geben Sie mir das mal runter.
- Wozu denn?
- Ich muss meine Frau anrufen.
Seine Frau, erfahre ich später vom Sohn, lebt nicht mehr. Aber die feinen, vermeintlichen Telefonkabel, über die er mit ihr sprechen will, liegen mit dem anderen Ende direkt an seinem Herzen.

