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Donnerstag, 13. April 2006

Inside

Beim ersten Betreten des Zimmers kurz Patienten und laufende Geräte gescannt – eine Patientin spontan atmend, das hab ich persönlich schon mal nicht so gern.
Sie liegt verquollen im Bett und schluchzt vor sich hin. Meine Kollegin sagt etwas von „massiven Stimmungsschwankungen“ und „schwer führbar“.
Muss das denn wieder sein, kann ich bitte noch das Zimmer wechseln, mit diesem Psychokram komme ich überhaupt nicht klar.
Da hat sie hat diesen Irrsinn hier lebend überstanden, das ist mehr, als manch anderer von sich sagen kann, und nun flennt sie mich an.
Sie fragt nach ihrem Plüschtier und freut sich ein Loch in den Bauch, als sie es bekommt.
Im nächsten Moment schluchzt sie „Ich bin ja so bescheu-hert....“
„Wieso sagen sie das?“
„weil ich hier so rumheule..“
Das stimmt mich milde, ich muss lachen. Sie lacht mit.
Und schluchzt gleich wieder: „Sie sind so lie-hieb zu mir...“
Bin ich dann auch wirklich.

Geplanter Routine-Eingriff, ungeplante drei Tage Koma, gerade sollte die geballte neurologische Diagnostik anlaufen, da wurde sie erfreulicherweise wach. Leider wesensverändert, infantil regrediert und stimmungslabil, wer weiß, für wie lange, für immer?

Kein Tag hier ohne Behandlungsfehler. Nicht "Banalitäten" wie falsche Medikamentendosen oder verwechselte Antibiotika, sondern Fehler, die in weiteren Operationen, Fremdblutgaben, neurologischen Schäden, bleibend verminderter Lebensqualität münden. Und keiner klagt!
Intern wird keine Ursachenforschung betrieben, Schuldige nicht gesucht. Die Unschuldigen geknebelt von Schweigepflicht, Treuepflicht, Angst um das Einkommen.
Die obere Kaste trägt indes ihr Ego spazieren. Ist es groß genug, entbindet es von Anstand und Umgangsformen. Der große Transplantator scheut nicht den öffentlichen Griff in den Schritt. Er sieht dir ins Gesicht, referiert über Immunsuppression und krault sich die Nüsse.
Immer öfter bricht bei uns hysterisches Gelächter aus. Was wir erleben, dürfen wir draußen keinem erzählen. Es würde auch niemand glauben. Wir haben angefangen, die absurdesten Situationen schriftlich zu sammeln, als Ventil, nicht für die Forensik.
Derweil läuft PR und Außenwerbung, der Zulauf steigt.
Wo ist der vielbeschworene mündige Patient? Menschen lassen sich bei der Wahl der Klinik von Hochglanzbroschüren und Pressemitteilungen leiten, als wolle man ein Auto kaufen, nein, eher ein Sofa. Vor einem Autokauf liest man doch unabhängige Testberichte.
Bei uns geht es um Leben, Sterben oder Vegetieren.
Diese Klinik tauchte beispielsweise im letzten Focus-Ranking gar nicht auf, die Leute kommen trotzdem.

Tagesdosis

Die Sache mit der Orientierung
Gewöhnungsbedürftig auch, dass in dieser...
nachtschwester - 30. Nov, 09:42
Urlaubbbbbb!
Urlaub! So ein magisches Wort. Ich kanns kaum abwarten...
Pepe Torres (Gast) - 26. Nov, 12:40
Hatte ich schon auf die...
Hatte ich schon auf die Liste der Optionen geschrieben....
nachtschwester - 24. Nov, 22:39
Wenn es schlecht geht,...
Wenn es schlecht geht, ganz schlecht, hilft immer :...
croco (Gast) - 24. Nov, 20:27
Der Beruf ist eine solide...
Der Beruf ist eine solide gezimmerte und gesuchte Nischenqualifikation....
nachtschwester - 23. Nov, 19:44
Mein dritter Versuch...
Mein dritter Versuch hier in vier Tagen, jetzt der...
Etosha (Gast) - 23. Nov, 19:29
Was immer ...
sie alles (es ist ja nie eins) bedrückt, ich wünschen...
sokrates2005 - 23. Nov, 11:04
Liebe Frau Nachtschwester, haben...
Liebe Frau Nachtschwester, haben Sie denn ein konkretes...
Christine (Gast) - 22. Nov, 10:43

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Zuletzt aktualisiert: 30. Nov, 14:53
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