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Mittwoch, 18. November 2009

Weinerlicher, unangenehm selbstreferentieller Blogpost

Am Wochenende das Pferdchen gestriegelt, gesattelt und aus dem tiefen Südosten durch lauter Babuschka-Länder nach Hamburg kutschiert, fast zwei volle Tage mit offenem Verdeck durch sonnige Landschaften, das war zu viel Zeit zum Nachdenken. Bei der nächtlichen Ankunft in Bratislava mein Hotel in einem düsteren, menschenleeren Gewerbegebiet erst nicht als solches erkannt, unbeschildert, unbeleuchtet, dem Mitbewohner gesmst, falls ich morgen von der Erdoberfläche verschwunden bin, hier die Adresse meines letzten Aufenthaltsortes, nicht in Erwartung von Interesse, eher aus klinischer Angewohnheit zu vollständiger Dokumentation. Noch vor vier Monaten fand ich mein Leben perfekt, heute ist es ein Arschloch. Natürlich kann man das so nicht sagen, schließlich bin ich nicht mehr in der Pubertät und mir allzeit der kompletten Eigenverantwortung bewusst, die ich allein und für alles trage, was mir widerfährt, auch für Unrecht, das hätte ich schließlich kommen sehen können und müssen und nicht zulassen. Und ich habe das ganze Elend offenen Auges sich nähern sehen, fatalistisch achselzuckend und entspannt den Moment genießend, solange er dauert, ich kümmere mich schon drum, wenn´s so weit ist, klar, dass die Symbiose mit dem Boss nicht ewig dauern kann und ich meine Hamburger Wohnsituation längst hätte auflösen sollen. Keine Dramen, steht schon lange von innen quer über meiner Stirn. Und nun bin ich völlig weggeschwemmt von der Emotionalität, die der eintretende Schiffbruch in mir auslöst. Gestern bestimmt zehn Sekundenheulkrämpfe, im Supermarkt vor dem Olivenölregal, während sich der Mitbewohner Kaffee nachholt, an der roten Ampel bis zur Grünphase. Keine Ahnung, wie es weitergehen soll, wie soll ich denn strategisch denken bei dem Geflenne und den Rest der Woche auf der Medica in Düsseldorf und ab Montag wieder 60 Stundenwochen, in guten Wochen, dabei möchte ich eigentlich am liebsten gar nichts tun oder denken müssen, in einer Hängematte an einem Karibikstrand in laue Sonnenuntergänge schaukeln würde mir reichen.

Dienstag, 10. November 2009

Nicht für Leser unter 16 Jahren geeignet

Drei Mitarbeiterinnen saßen gegen elf in der Küche, stippten ihre Sesamkringel in ihren Joghurt und tratschten, als etwas Großes zuerst schwer an der Regenrinne über dem Fenster aufschlug, durch die Außenwinkel ihrer Gesichtsfelder fiel, dann ein zweites Mal auf der Betonstrebe aufkam, die vor der Fassade quer verläuft, weil man sich in den 60er Jahren Erdbebensicherheit so vorgestellt hat, und ein drittes Mal drei Stockwerke tiefer hart auf den Asphalt schmetterte.

Ein Gegenstand, ein Vogel? Ein Mensch. Zertrümmert im Hof. Alle drei begannen reflexhaft, am ganzen Körper zu zittern, und hörten stundenlang nicht mehr auf. Doch wohl kein Patient von unsererer Intensivstation einen Stock drüber? Nein, er trug Straßenkleidung. Zwei gingen kotzen, die dritte rief vorher noch das Vorzimmer des Boss an, damit dessen Assistentin den Sicherheitsdienst des alten Krankenhauses alarmierte, dessen untere Stockwerke wir umgebaut haben und nutzen und aus dessen oberen Stockwerken der Mann offenbar gesprungen, gefallen oder gestoßen worden war. Als ich etwas später aus dem Fenster sah, hatte jemand ein weißes Tuch über die Leiche geworfen. Drei Stunden später war das Laken nicht mehr da. Es regnete. Regen wusch Blut aus seinem Kopf in Schlieren weit über den Asphalt. Der Sicherheitsdienst hatte die Zufahrt zum Hof mit einem Auto blockiert. Sonst war niemand zu sehen. Gegen vier sah ich noch mal nach, bevor es dunkel wurde, der Leichnam lag noch da.

Kollektives Entsetzen und tiefes Mitleid erfasste in kurzer Zeit die ganze Belegschaft, kein anderes Thema mehr den ganzen Tag. Kopfkinofilme wurden ungehemmt gedreht und abgespult, Tränen flossen, was für eine Tragödie für die Familie des unbekannten Toten im Hof, seine Kinder in der Schule, das Stigma, seine armen, alten, gebrechlichen Eltern. Daneben stand ich innerlich achselzuckend; wenn man Jahre in Großkliniken mit zweistelliger Geschosszahl zugebracht hat, weiß man, es springt immer mal einer vom Dach. Hier weiß man das sicher auch. Was haben die sich dabei gedacht, ihre Neuropsychiatrie im achten Stock einzurichten?

Viel mehr erschütterte mich die unbegreiflichen Gleichgültigkeit und Nichtzuständigkeit der Institutionen hinterher, der Krankenhausführung, der Polizei, der Gerichtsmedizin, die den zerbrochenen Körper einen halben Tag unbedeckt, ungeachtet liegen ließen. Ähnliches habe ich hier schon mal beschrieben. Und ich kann immer nicht zusammenbringen, wie die überbordende Emotionalität und Freundlichkeit und Güte der Einzelnen in der Summe ein so menschenverachtendes Kollektiv ergibt.

Sonntag, 25. Oktober 2009

In Großmutters guter Stube

Liisa und Kaltmamsell verlinken auf sie, für mich ist es mein Soundtrack seit Wochen, in guten wie in schlechten Tagen. Verblüfft sehe ich, von allen denkbaren Orten ist er ausgerechnet unter dem gehäkelten Lampenschirm der rumänischen Oma entstanden:



Fast schon ein alter Hut, trotzdem verweise ich Freunde des Genres außerdem hierauf.

Freitag, 23. Oktober 2009

Leinen los

Der Grund für meine Blogabstinenz ist nicht nur der 12-14-Stundentag. Kein Zuckerguss mehr über die Verhältnisse im Hause Nachtschwester. Erdrutschartige Veränderungen kündigen sich an, nichts bleibt, wie es war. Alle Ankerplätze, an denen mein Leben vertäut ist, alle Stühle, auf denen ich sitze, rücken völlig ungeordnet voneinander ab. Da schwebe ich nun in der Luft, und da ich auch in der Krise zur Nüchternheit neige, gibt es klare Momente in der Verwirrung. Klare Sicht auf die Dinge zeigt an guten Tagen die Masse an Möglichkeiten und neuen Freiheiten, an schlechten Tagen durch kein Netz gebremsten Durchblick zum Abgrund.

Unter diesen Umständen ist die konturenlose Themenmischung der Nachtschwester ein kleines Problem am Rande. Ich würde gern viel Privateres bloggen, ist mir gerade so ein Bedürfnis aus aktuellen Anlässen. Ich fühle mich aber auch noch dem hier mitlesenden Fachpublikum verpflichtet, seit die Nachtschwester mal von Thieme intensiv empfohlen wurde und zwai.net hierher verlinkt. Ich würde auch gern ein zweites, seriöses Fachblog führen, dann aber unter Klarnamen wg. Selfmarketing und so, aber das wird zeitlich nicht gehen. Ich bin unterexponiert, musste ich mir letzte Woche auf dem IFIC-Kongress in Vilnius wieder anhören. Wieso haben wir noch nicht von Ihnen gehört? Was tun sie noch in Molwanien, komisch, dass Sie noch nicht abgeworben wurden. Weil ich eben eine lausige Networkerin bin, und das mit meiner seltenen Nischenqualifikation. Ich brauche einen Mentor. Und mehr vernünftige Jobangebote neben dieser Firma in Wien, die mich will, aber gerade ist meine Hamburg-Woche, und wie gern würde ich hier wieder leben, wenigstens in Teilzeit.

Und in Molwanien liegt derweil der erste Schnee auf den Bergen in Sichtweite der Stadt, und Schneewandern steht auf dem Plan, und bald auch schon Catskiing in ungespurtem, touristenfreiem Tiefschnee, und was wird mir diese internationale Freundestruppe fehlen, die sich andererseits auch alle irgendwie dauerhaft auf der Durchreise eingerichtet haben, so wie ich.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

...

Sie schauen immer noch vorbei, obwohl hier kaum noch was passiert? Treue will belohnt werden. Da ich aus logistischen Gründen keine Nackenmassage anbieten kann, nehmen Sie sich ein Glas guten Wein in die linke Hand, legen Sie die Beine hoch, klicken Sie hier und bewegen Sie einen beliebigen Finger der rechten Hand rhythmisch über das Touchpad.
Und schaun Sie mal wieder rein.

Freitag, 25. September 2009

Nachtrag...

... hierzu.

Yeaahh!!!

(Für Berliner und Bewohner des Hinterlandes: Rote Flora, Hamburg, Schanze.)

Mittwoch, 23. September 2009

Zugangserleicherungsgesetz

Ich habe viel zu wenig Zeit für dieses Blog, ich hätte so gern noch ein paar Leser hierhin geschickt und muss heute leider feststellen, die Zeichnungsfrist ist gestern abgelaufen, mit traurigen 8355 Mitzeichnern, immerhin 30mal mehr, als die Petition für die Durchführung einer unbemannten nationalen Mondmission in der nächsten Woche vermutlich erreichen wird. Die Zeichnung ist allerdings noch bis Ende 2009 über Listen möglich. Gegen die Lockerung der Zugangsvoraussetzungen zur Pflegeausbildung, nicht für die Mondmission.

Am 18.06.2009 wurde per Gesetzesnovelle die Zugangsvorraussetzungen zur Krankenpflegeausbildung von Realschul- auf Hauptschulabschluss abgesenkt. Bisher mussten sich Hauptschüler über eine Pflegehelfer-Ausbildung für die Zulassung zur Krankenpflegeausbildung qualifizieren, ein gutes Modell. Die Absenkung des Bildungsniveaus ist ein blind aktionistischer, realitätsferner Vorgang, mit dem Frau Schmidt/der Bundestag glaubt, den herrschenden Pflegenotstand und drohenden Pflegekollaps abzuwenden.

In Wahrheit scheint es keinen Mangel an Bewerbern auf Ausbildungsplätze zu geben. Im Presseorgan des DBfK berichten Schulleitungen, die Auszubildenden seien heute überwiegend Abiturienten und die Abbrecher überwiegend Realschüler. Kein quantitatives Defizit also, sondern ein qualitatives. Weitere Sachargumente hier oder hier oder in der Diskussion zur Petition.

Der Pflegenotstand entsteht aus meiner Sicht nicht aus Mangel an billigen Arbeitskräften, sondern aus der Tatsache, dass die Pflege den Ambitionierten, Hochschulbildungswilligen und -fähigen keine Perspektive bietet, sie also den Beruf entweder gar nicht ergreifen oder nach abgeschlossener Ausbildung sich aus dem Beruf heraus studieren. Der Berufsstand braucht aber genau diese Kandidaten, um sich weiter zu professionalisieren. Jetzt schon sind in keinem anderen Industrieland Pflegekräfte formal so niedrig qualifiziert wie in Deutschland. Pflege braucht Eliten, hieß vor 17 Jahren eine Programmschrift der Robert-Bosch-Stiftung, die 10% akademisch gebildetes Pflegepersonal am Bett forderte. Die heute sehr zahlreichen Absolventen von Pflegestudiengängen kehren jedoch nicht mehr ans Bett zurück, das wäre unsinnig. Es gibt weder Tätigkeitsmodelle noch eine Vergütungsstufe für sie, und das Studium ist eine zu große Investition, um hinterher wieder genauso wenig zu verdienen wie die nicht akademisch ausgebildeten Kollegen.

Hauptschüler ohne Zwischenqualifikation in die Pflege - was für eine Totgeburt der ewig prokrastinierten Bildungsreform. Man hat Schwierigkeiten, sie auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen - ab mit ihnen in die Pflege.

Was reg ich mich auf, ist eh zu spät. Erstmal.

Sonntag, 6. September 2009

Abgeordnet

Etwas verspätet auf dieses Kleinod des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gestoßen, das allen, die es noch nicht so genau wussten, nun unwiderlegbare Evidenz liefert, dass es sich beim ausgewiesenen Gesundheitsexperten der SPD um einen weltfremden, apraktischen, blind-tauben, hohlseihernden Schwätzer handelt. Da kann er einen halben Tag lang nicht mal motorisch einer ganz normalen Krankenschwester folgen, wird auf der Intensivstation damit konfrontiert, dass kritisch Kranke auf dem Flur geparkt werden müssen, und macht als Hauptproblem aus, dass die technische Ausstattung nicht auf dem neuesten Stand ist.
"Diese schweren Patienten, die sich nicht bewegen können, die beatmet werden, die kann man umlagern durch elektrische Betten, die hin und her bewegt werden mit einer Fernbedienung, und das mussten wir stemmen. Das geht ins Kreuz und das hat mich überrascht."
Fernbedienungen lösen Systemprobleme, meint Herr Lauterbach, der schon mit dem Frühaufstehen Probleme hat und sich selbst eher ferngesteuert über die Stationen bewegt. Für solche Demonstrationen messerscharfer Sachkompetenz kurz vor der Wahl bin ich dankbar und zahle ich gern GEZ.

Hier geht´s zur Sendung, ab 6.25min Auftritt Pfleger Karl.

Tagesdosis

Urlaubbbbbb!
Urlaub! So ein magisches Wort. Ich kanns kaum abwarten...
Pepe Torres (Gast) - 26. Nov, 12:40
Hatte ich schon auf die...
Hatte ich schon auf die Liste der Optionen geschrieben....
nachtschwester - 24. Nov, 22:39
Wenn es schlecht geht,...
Wenn es schlecht geht, ganz schlecht, hilft immer :...
croco (Gast) - 24. Nov, 20:27
Der Beruf ist eine solide...
Der Beruf ist eine solide gezimmerte und gesuchte Nischenqualifikation....
nachtschwester - 23. Nov, 19:44
Mein dritter Versuch...
Mein dritter Versuch hier in vier Tagen, jetzt der...
Etosha (Gast) - 23. Nov, 19:29
Was immer ...
sie alles (es ist ja nie eins) bedrückt, ich wünschen...
sokrates2005 - 23. Nov, 11:04
Liebe Frau Nachtschwester, haben...
Liebe Frau Nachtschwester, haben Sie denn ein konkretes...
Christine (Gast) - 22. Nov, 10:43
Tja, wenn es so einfach...
Tja, wenn es so einfach wäre. Urlaub ist Teil...
nachtschwester - 22. Nov, 02:33

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